"Wir überprüfen regelmäßig unsere Antriebsstrategie"
Der Porsche Cayenne fährt nun auch mit Hybridantrieb. Darüber, welche Art von Motoren für Porsche die Antriebe der Zukunft darstellen und ebenfalls über die aktuelle CO2-Debatte sprach Dipl.-Ing. Wolfgang Dürheimer, Mitglied des Vorstandes Forschung und Entwicklung der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, im MTZ-Interview.
Wie sieht Ihrer Meinung nach der Antrieb der Zukunft aus?
Der Antriebsstrang der Zukunft wird prinzipiell den heutigen Motoren ähneln, aber natürlich mit deutlichen Verbesserungen. Wir gehen davon aus, dass besonders beim Otto-Motor in den Bereichen Verbrauchs- sowie Leistungsoptimierungen noch sehr viel passieren wird. Der Hybrid-Antrieb wird an Bedeutung gewinnen, mittelfristig aber kein anderes System ersetzen.
Der Hybridantrieb des Cayenne wird in Zusammenarbeit mit VW entwickelt. Wie sind die Kompetenzen dieser Zusammenarbeit aufgeteilt? Welcher Partner ist für welchen Bereich der Entwicklung zuständig?
Die Kompetenzen sind so aufgeteilt, dass jeder Partner sein Know-how optimal einbringen kann und wir zusammen ein absolut wettbewerbsfähiges Konzept entwickeln. Damit wird der Aufwand für die einzelnen Unternehmen deutlich reduziert, ohne jedoch spezifische Merkmale der einzelnen Marken zu verwässern. Also wird der Cayenne Hybrid ein echter Porsche werden, wie ihn unsere Kunden erwarten.
Welche Art von Hybrid wird zu erwarten sein? Ein Micro-, Mild- oder Fullhybrid, oder wie die bereits von VW entwickelte Komplettlösung?
Porsche hat sich für den Vollhybrid entschieden, weil mit diesem Konzept die meisten Einsparungen beim Verbrauch erzielt werden können. Wir werden mit dem Cayenne in der Serienversion einen Verbrauch von 8,9 l/100 Kilometer im Neuen Europäischen Fahrzyklus erreichen. Das ist ein wirklicher Spitzenwert in dieser anspruchsvollen Fahrzeugklasse, der sich eben nur mit einem Fullhybrid-System realisieren lässt.
Wo werden die Kraftstoffersparnisse am größten sein - bei Fahrten in der Stadt oder auf der Autobahn?
Die Verbrauchsersparnisse im Stadtverkehr werden natürlich am größten sein. Darüber hinaus bietet unser System weitere Vorteile, zum Beispiel gegenüber einem leistungsverzweigten Hybrid auch auf Autobahnen und Landstraßen, unter anderem, weil ein Cayenne Hybrid sogar bis Tempo 120 ohne Verbrennungsmotor "segeln" kann.
Welche Entfernungen können mit dem Hybridantrieb zurückgelegt werden?
Wir erwarten die außergewöhnliche Reichweite von 1.000 Kilometer, da dank unseres Konzeptes der Tank nicht verkleinert werden muss, also weiterhin 100 Liter Treibstoff fassen wird.
Wie steht es um die technischen Daten des neuen Hybridmotors – Drehmoment, Antriebskraft etc.? Ist dieser Hybridmotor vergleichbar mit den anderen Porsche-Motoren oder müssen die Kunden Einbußen im Bereich Antriebskraft oder Drehmoment in Kauf nehmen?
Wir kombinieren in unseren derzeitigen Prototypen den bekannten V6-Benzindirekteinspritzer mit 280 PS Leistung mit einem 38 kW starken Hybrid-Modul. Bereits in dieser Kombination erzielen wir mit dem Fahrzeug eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und damit der Emissionen im NEFZ um bis zu 25 %.
Durch den Einsatz von Hybridmaschinen sollen die CO2-Emissionen gesenkt werden. Mit welchen Einsparungen rechnen Sie?
Wir liegen mit dem Cayenne Hybrid bereits jetzt bei rund 240 CO2 g/km und planen noch eine weitere Reduzierung auf 216 CO2 g/km.
Der Cayenne in der Standardversion wiegt 2200 kg, der Cayenne Turbo bringt 2400 kg auf die Waage. Wie viel schwerer wir der Cayenne Hybrid sein und wie gleichen Sie das Zusatzgewicht aus?
Die zusätzlichen Komponenten für den Hybrid wiegen etwa 150 Kilogramm. Wir werden dieses zusätzliche Gewicht durch Einsparungen kompensieren.
Welches Batteriesystem wird verwendet und was waren die Gründe für diese Entscheidung? Wird ein System eines europäischen Herstellers zum Einsatz kommen?
Wir verwenden derzeit eine NiMH-Batterie. Diese Technologie sichert bei den zu erwartenden Belastungen die uneingeschränkte Nutzung über das gesamte Fahrzeugleben. Zum Hersteller können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen.
Die Europäische Kommission gibt in Bezug auf die Reduktion des CO2-Austoßes strikte Richtlinien vor. Mit welchen Maßnahmen erreicht Porsche, dass jedes Modell seiner Fahzeug-Flotte diese Richtlinien erfüllen kann?
Wir werden wie immer alle Register ziehen und in den Bereichen Leichtbau, Aerodynamik, Reibungsoptimierung, schließlich Hybrid alles rausholen, was machbar ist. Dann entscheiden wir für jedes einzelne Modell die optimalen Maßnahmen.
Angenommen Sie haben einen Wunsch frei: Welche Bitte würde Porsche in Bezug auf die Richtlinien der Europäischen Kommission vorlegen?
Wir erwarten intelligente spezifische Lösungen, am besten eine Staffelung nach Gramm pro PS.
Welche Modelle Ihres Unternehmens sollen mit Hybridmotoren ausgestattet werden? Wird für alle Autos der gleiche Motor verwendet?
Wir könnten auch in einem anderen viertürigen Modell weitere Hybrid-Varianten anbieten. Über eine entsprechende Motorisierung werden wir zum richtigen Zeitpunkt entscheiden, also noch nicht jetzt. Auch bei den Sportwagen analysieren wir alle Möglichkeiten einer Emissionsreduzierung, ohne dabei deren unvergleichlichen Charakter und das einzigartige Flair zu beinträchtigen.
Bis heute hat Porsche Dieseltechnologie konsequent abgelehnt. Wenn Sie einen Blick auf die heutigen Antriebssysteme werfen: Wären Dieselmotoren eine Option für Porsche, vor allem für den Cayenne? Könnte ein Dieselhybrid der nächste Schritt sein - ganz besonders in Bezug auf die Zusammenarbeit mit VW?
Wir überprüfen regelmäßig unsere Antriebsstrategie. Dabei wird auch die Dieseltechnologie immer wieder neu bewertet. Bis jetzt sehen wir in den Bereichen Emission und Fahrzeugdynamik allerdings Nachteile. Deswegen konzentrieren wir uns auf weitere Optimierungsmaßnahmen bei den Otto-Motoren. Also ist auch ein Diesel-Hybrid für uns nicht interessant.
Dipl.-Ing. Wolfgang Dürheimer (49)
studierte Fahrzeugtechnik an der Fachhochschule in München und absolvierte dort ebenfalls ein betriebswissenschaftliches Aufbaustudium mit Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen. Nach seinem Studium begann er als Trainee bei BMW. Nach verschiedenen Stationen betreute Dürheimer als Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Forschung, Entwicklung und Projektmanagement die Sparte Motorrad. 1999 wechselte er zu Porsche und leitete die Baureihe 911. Im Jahr 2001 übernahm der Diplom-Ingenieur den Posten des Vorstandes für Forschung und Entwicklung zu übernehmen.
Autor(en): Roland Schedel