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INTERVIEW

"Der technische Anspruch muss sichtbar gemacht werden"

Seit einem Jahr kümmert sich der Däne Henrik Fisker um das neue Erscheinungsbild von Aston Martin. Was darf man künftig von der britischen Traditionsmarke erwarten? Automotive Engineering Partners hat mit ihm gesprochen - nicht nur über das Design.

Wie geht es Ihnen?
Hervorragend! Für Aston Martin arbeiten zu können, ist ein Kindheitstraum von mir. Ein kompromissloser Job in einer kleinen, feinen Firma: Besser geht es nicht, oder?

Wofür steht Aston Martin?
Für das Understatement, niemandem etwas beweisen zu müssen. Aber auch für das Ultimative in Kraft, Leistung und Handwerk.

Wie veränderlich sind solche Markenwerte?
Was vor zwanzig oder dreißig Jahren ultimativ war, ist heute fast Standard. Also müssen wir einen neuen Level erreichen. Und das wird viele erstaunen.

Im nächsten Jahr soll eine neue Modellreihe das Angebot nach unten erweitern. Was macht den kommenden kleinen Aston Martin aus?
Schönheit. Und er wird die Kraft und das Understatement der Marke Aston Martin besitzen. Seine Erscheinung ist von zwei typischen Stilelementen geprägt, die aber neu interpretiert werden: Der seitliche Lufteinlass und ein größerer, stärker betonter Kühlergrill. Das ist unsere neue Formsprache: Skulpturelle Oberflächen mit Linien, die Spannung erzeugen. Proportionen sind sehr wichtig, das ganze Auto ist optisch nach vorne gerichtet. Schließlich hat der Wagen einen Frontmotor. Auch technisch wird er Akzente setzen: Seine Außenlichter bedienen sich einer neuartigen Technologie; selbst bei den Türen haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen.

Ist traditionelles Aston-Design damit passé?
Ich glaube an gewissen Normen für Schönheit. Das neue Modell wird glattflächiger ausfallen, dramatisch und modern. Einfach sehr sportlich. Wir wollen uns nicht nach hinten orientieren, dürfen aber die Firmentradition nicht ganz vergessen. Erwarten sie etwas Ausgefallenes: Momentan wird alles größer und höher. Nicht bei uns.

Wie frei sind Sie in ihren Entscheidungen, wenn es um die Gestaltung geht?
Sehr frei, weil ich direkt an Ulrich Bez berichte und wir wenige Hierarchien beachten müssen.

Hat das Baby schon einen Namen? Man munkelt etwas von DB5 ...
Nein, so wird der Wagen nicht heißen. Es gab ja schon mal einen DB5, wie Sie wissen ...

Handelt es sich um eine zusätzliche Baureihe oder wird sie den DB7 langfristig ersetzen?
Der DB7 ist unser Volumenmodell, eine Ablösung erst für 2004 geplant. Mit dem DB7 Zagato haben wir gerade eine Special Edition vorgestellt, weitere werden folgen. Die Baureihe ist ein Luxus-Sport-GT, der kleine Aston dagegen ein reiner Sportwagen mit zwei Sitzen. Er wird unterhalb des DB7 angesiedelt sein und 2005 präsentiert. Beim Chassis kommt ein Space-Frame in Komposit-Bauweise zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Evolution der Vanquish-Struktur, aber eine komplett neue Plattform.

Mit dem Einstiegsmodell verfügt die Marke dann über drei Baureihen. Sind weitere denkbar, zum Beispiel eine neue Lagonda-Limousine oder ein sportlich orientierter Geländewagen?
In naher Zukunft ist kein SUV geplant ...

Auf jeden Fall soll Aston Martin weiter wachsen: In 2001 wurden 1500 Autos gefertigt, langfristig sollen 4.000 bis 5.000 pro Jahr verkauft werden. Was bedeutet das für das Design?
Zunächst mal ist es wichtig, die Exklusivität zu erhalten: Jeder Aston Martin ist ein besonders Fahrzeug für besondere Kunden. Deshalb habe ich mit meinem Team eine Linie entwickelt, die traditionelle Elemente des Hauses mit modernen Formen mixt. Der technische Anspruch von Aston Martin muss sichtbar gemacht werden. Nehmen Sie die Heckpartie: Beim Zagato kippt sie von unten schräg nach vorne. Das vermittelt Dynamik und wird auch bei künftigen Modellen in ähnlicher Form zu sehen sein.

Für den DB7 Zagato haben sie mit den Italienern zusammengearbeitet. Die letzte Kooperation mit Zagato fand in den Achtzigerjahren statt. Wird es bis zu einem neuen Projekt wieder zwanzig Jahre dauern?
Sicher nicht. Schon im Frühjahr wollen wir ein Leichtbau-Cabrio auf Basis des DB7 Volante vorstellen. In limitierter Stückzahl, versteht sich.

Sicher gibt es genügend wohlhabende Sammler, die solche Kleinstserien kaufen. Aber reichen diese Appetizer aus, um den Gesamtabsatz zu vervierfachen?
Tatsächlich gibt es mehr Interessenten, als bisher bedient werden konnten. Mit dem kleinen Aston werden wir ein sehr wettbewerbsfähiges Auto haben. Darum ist es unser Ziel, die Märkte auszubauen: im Mittleren Osten und Asien, vor allem aber Nordamerika, wo wir neue Händler brauchen. Wenn unsere Kontingente besser verteilt werden, ist auch die Exklusivität gesichert.

Welchem Hersteller wollen Sie denn Kunden abluchsen?
Das neue Einstiegsmodell zielt ganz bewusst auf den Porsche 911. Der bestimmt ein Segment, in dem wir künftig einen echten Konkurrenten anbieten wollen.

Der Aston Martin dürfte aber mehr kosten ...
Sicher, aber nicht mehr als ein Porsche Turbo, das ist unser Ziel. Dazu kommt, dass Ihnen unser Auto nicht an jeder Straßenecke begegnen wird.

Was wird sonst geboten?
Leistung, Präzision, aber vor allem Individualität: Ein Aston Martin wird nach Kundenwünschen hergestellt. Dazu kommen Materialien, die jeden Wagen noch unverwechselbarer machen. So wollen wir im Innenraum unbehandeltes Leder verwenden: Das ist zwar empfindlich und patiniert auch schnell. Das gibt aber die gewünschte persönliche Note; der Wiederverkaufswert spielt hier keine Rolle. Oder nehmen Sie das 1200-Watt-Soundsystem von Linn, das wir als Option für den Vanquish gemacht haben: So etwas werden sie bei anderen Herstellern einfach nicht finden.

Das System kostet etwa 30000 Euro. Liegt darin der Unterschied von Aston Martin zu einem deutschen Sportwagenhersteller, um beim Beispiel zu bleiben?
Ein Porsche Turbo ist Massenware. Aston Martin ist weltweit die einzige Marke, die sich verpflichtet, kompromisslose Autos zu bauen.

Mit billigen Ford- oder Jaguar-Schaltern im Cockpit...
Damals hat man entschieden, das sei nicht wichtig. Ich bin aber Ihrer Meinung und werde darauf achten, warten Sie ab. Künftig machen wir unsere eigenen Scheibenwischerarme, Schalter, Motorabdeckungen – alles. Es ist natürlich auch eine Preisfrage: Was sind Kunden bereit, dafür zu bezahlen? Aber wie gesagt: Neue Modelle sind 100 Prozent Aston Martin, versprochen!

Konzernmutter Ford muss bekanntermaßen sparen – auch in der Nobelabteilung Premier Automotive Group. Welchen Effekt hat das auf Aston Martin?
Keinen. Wir haben demnächst eine modulare Plattform und sind deshalb frei, das zu tun, was nötig ist.

Abgesehen von den Autos: Aston Martin vermarktet auch eine exklusive Produktlinie. Was hat es damit auf sich?
Die neuen Produkte kommen im November; sie wurden exklusiv von Ingeni für Aston Martin entworfen und bestehen nur aus den besten Werkstoffen. Wahrscheinlich handelt es sich sogar um die exklusivste Accessoire-Linie der Welt. Dazu zählen Kleidungsstücke, aber auch Gebrauchsgegenstände. Zum Beispiel ein Aktenkoffer aus Karbon mit elektrischem Schloss oder der beleuchtete Regenschirm mit Geheimfach. Toys for big boys!

Das klingt sehr nach James Bond, der ja demnächst wieder Aston Martin fährt ...
Ich würde sagen, wir entwerfen nützliche Dinge für anspruchsvolle Damen und Herren.

In Paris wurde im Juli ein neuer Aston-Martin-Showroom eingeweiht, dessen kühl-elegante Einrichtung künftig von allen Händlern übernommen werden soll. Geht es heute nicht mehr ohne Lifestyle?
Warum denn nicht, das ist doch etwas Schönes! Und verkörpert perfekt unseren Anspruch von Leidenschaft und Perfektion. Genuss gehört auch dazu. Natürlich möchten wir mit unseren Filialen auch neue Kunden an die Marke heranführen. Zudem verkörpert das Haus unseres französischen Partners Auto Performance die neue Corporate Identity von Aston Martin: Wir wollen und müssen unverwechselbar sein.

Themawechsel zum Schluss – Stichwort Motorsport: Wird Aston Martin wieder auf der Rennstrecke fahren?
Jeder Automobilenthusiast hat starkes Interesse am Motorsport, auch bei Aston Martin. Le Mans wäre ein Ziel. Alleine werden wir jedoch nicht aktiv werden. Wenn es aber einen potenten Investor gäbe – vielleicht.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Fisker.




Autor(en): Matthias Pfannmüller
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