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INTERVIEW

"Über Strategie der kleinen Schritte zum Erfolg"

Die Capricorn Engineering GmbH, Restaurationsfachbetrieb für historische Rennwagen, will sich auch im Markt der Entwicklungs-Dienstleister für moderne und zukunftsweisende Automobiltechnik etablieren. Automotive Engineering Partners sprach mit Robertino Wild, Inhaber und Geschäftsführer der Capricorn GmbH, über seine mittelfristigen Vorhaben, Ziele und seine Vision, die Gesamtfahrzeugkompetenz heißt.

Herr Wild, Ihr Unternehmen trägt als Firmenzeichen den Steinbock, was auf englisch Capricorn heißt. Wie kam diese Namensgebung zustande?
Auf der Suche nach einem für uns passenden Firmennamen kam ich auf das Thema Wappentiere. Mir gefielen die zu einem technischen Entwicklungsbetrieb im übertragenden Sinne passenden Eigenschaften des Steinbock sehr gut. Dieses Tier ist ein relativ anspruchsloses Lebewesen, das in großen Höhen unter widrigsten Witterungsbedingungen und in schwierigen Umgebungen blendend lebt. Das sind Eigenschaften, mit denen auch ein Entwicklungsunternehmen ausgestattet sein sollte, nämlich in schwierigen Situationen mit möglichst wenig Aufwand und großer Ausdauer in eine möglichst große Höhe zu gelangen, was ich in diesem Fall als Synonym für Erfolg in den einzelnen Entwicklungsaufgaben verstehe. Aus diesem Grund habe wir den Steinbock als unser Firmenzeichen gewählt.

Nach welchen Maximen führen Sie das Unternehmen?
Wesentlich für unsere tägliche Arbeit ist, dass Affekt und Aktionismus noch nie zum Erfolg geführt haben. Je komplexer die Aufgabenstellung ist, und das ist in unseren technisch geprägten Tätigkeitsbereichen so, desto besser gelangt man über eine Strategie der kleinen Schritte zu einem guten Ergebnis. Ein großes Ziel muss in kleine Schritte zerlegt werden. Dieser Gedanke ist sicherlich nicht grundlegend neu, aber im Arbeitsalltag lässt sich das nicht immer leicht umsetzen. Wir versuchen, bei allen Aufgaben immer die Ruhe zu bewahren.

Die Firmenzentrale und Ihr Innenleben besitzen eine beeindruckende Architektur. Was ist der Grund dafür?
Für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Kunden sind meiner Meinung nach zwei Dinge wesentlich, die wir konsequent umsetzen. Dazu gehören Corporate Identity und Corporate Design. Räume prägen bekanntlich Menschen, und im übertragenen Sinne prägt das Arbeitsumfeld eines Unternehmens die Mitarbeiter. Es gibt Architekturen und Organisationsformen, die Hektik, Durcheinander und Chaos hervorrufen. Das sind alles Dinge, die man in einem technischen Entwicklungsbetrieb nicht gebrauchen kann. Jede Hektik generiert eine Form von Unordnung, die sich nicht beherrschen lässt. Geordnete Systeme sind die Basis für Weiterentwicklung. Schwieriger verhält es sich mit der Kreativität. Die muss man als frei fluktuierend über dem Ganzen aufstellen, was wir beispielsweise mit der architektonischen Gestaltung der neuen Niederlassung in Mönchengladbach vermitteln wollen. Die hat klare moderne und vor allem für einen Maschinenbaubetrieb funktionelle Formen. Sie ist geprägt von Farbe, Buntheit und Kunstgegenständen. Die Arbeitsumgebung ist hier alles andere als ein grauer Ingenieurladen. Die gesamte Anlage soll zudem die Kreativität der Mitarbeiter fördern und das moderne Wesen des Unternehmens widerspiegeln.

Was die Aufgaben für Entwicklungsprojekte moderner und zukunftsweisender Automotive-Lösungen anbelangt, stehen Sie noch weitgehend am Anfang. Wo sehen Sie die größte Herausforderung?
Das größte Problem war zuletzt, unser eigenes dynamisches Wachstum zu finanzieren. Seit der Firmengründung im Jahr 1994 haben wir ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 70 Prozent pro Jahr. Ein qualitativ gutes Wachstum und die dazu richtige Vorfinanzierung ist eines der größten Probleme, die wir zurzeit haben. Vor gut einem Jahr haben wir mit der Herstellung und Weiterentwicklung von Motorprototypen für MCC Smart begonnen. Zugute kam uns, dass unsere Kernkompetenz im Aufbau von historischen Motoren auch für moderne Prototypen einsetzbar ist – nämlich mit möglichst geringem Aufwand, was den Werkzeug- und Sondermaschinenbau anbelangt, ein Produkt Instand zu setzen und zu fertigen. Wir sind ohne aufwändige Einrichtungen in der Lage, beispielsweise einen Zylinderkopf zu bearbeiten, und das in hoher wiederholbarer Qualität.

Welche Entwicklungsaufgaben leisten Sie noch für MCC Smart?
Vornehmlich bearbeiten wir Motorprototypen, aber wir haben auch zwei komplette Prototypen-Gesamtfahrzeuge aufgebaut. An der Entwicklung des Motors, der künftig für den Smart Roadster vorgesehen ist, haben wir ebenfalls mitgewirkt.

Wie viele Motorprototypen von MCC Smart bearbeiten Sie pro Jahr?
Etwa 30.

Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von Engineering-Dienstleistern. Der Wettbewerb ist groß. Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit den OEMs erweitern und ausbauen?
Zurzeit ist MCC Smart der einzige Autohersteller, mit dem wir zusammenarbeiten. Aber ich bin davon überzeugt, dass weitere OEMs folgen werden und der Bereich Entwicklungsdienstleistung das zukünftige Geschäftsfeld für unsere Firma wird. Ich glaube, dass künftig noch mehr Entwicklungsarbeiten ausgelagert werden. Und daher sehe ich für uns eine große Chance, in diesem Geschäftsbereich erfolgreich zu sein.

Inwieweit wollen Sie Kompetenzen und Kapazitäten aufbauen?
Meine Vision ist, dass wir uns in den nächsten Jahren hin zu einem Engineering-Dienstleister mit Gesamtfahrzeugkompetenz entwickeln. Diese beherrschen wir bereits in unserem Geschäftsbereich historische Rennfahrzeuge, und diese Gesamtfahrzeugkompetenz bis hin zur Fertigung von Prototypen wollen wir nun ebenfalls für die Entwicklung moderner Fahrzeuge aufbauen. Dorthin ist es sicherlich noch ein langer, dornenreicher Weg, aber wir werden ihn gehen und erfolgreich beschreiten. Davon bin ich überzeugt.

Welche konkreten Vorhaben sind auf dem Weg dorthin zurzeit geplant?
Wir investieren zurzeit viel Geld in unser neues Test- und Entwicklungszentrum am Nürburgring. Dieses Testzentrum wird vom Rollenprüfstand bis hin zur Vermessung der Chassis über alle nötigen technischen Einrichtungen für die Erprobung von Prototypen und Vorserien künftiger Fahrzeuggenerationen verfügen. Zudem verfügt der Gebäudekomplex über Büroräume und entsprechend ausgerüstete Ingenieur-Arbeitsplätze. Außerdem haben wir in das Testzentrum einige Appartements für die Unterbringung der Gast-Ingenieure integriert. Das alles ist in den Präsentationen bei verschiedenen Autoherstellern sehr positiv angenommen worden, und ich hoffe, dass in Zukunft weitere Automarken hinzukommen werden, mit denen wir zusammenarbeiten wollen.

Das bedeutet, Sie werden weitere Mitarbeiter einstellen?
Ja, für das Testzentrum am Nürburgring suchen wir zurzeit etwa zehn neue Mitarbeiter.

Gibt es zurzeit weitere neue Projekte, die Sie betreiben?
Wir bauen zurzeit in einer weiteren neuen Halle an unserem Standort in Mönchengladbach eine mechanische Fertigung für Pleuel auf, für historische Rennwagen und andere Fahrzeuge im aktuellen Motorsport. Diese Pleuel sind aber auch für leistungsstarke Sondermodelle wie beispielsweise einen Porsche Carrera GT gedacht. Es gibt im deutschsprachigen Raum kaum Hersteller, die dieses Produkt in einer hervorragenden Qualität und zu angemessenen Preisen herstellen. Wir werden dieses Bauteil in dieser hohen Qualität und zu marktfähigen Preisen anbieten.

Herr Wild, herzlichen Dank für das Gespräch.


Autor(en): Jens Büchling
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