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INTERVIEW

"Wir dürfen nicht nur den Aspekt Emission betrachten"

Für die Erreichung künftiger Emissionsgesetzgebungen bei mobilen Maschinen werden unter anderem aufwändige Abgasnachbehandlungssysteme notwendig. ATZoffhighway sprach mit Wolfgang Maus, Vorsitzender der Geschäftsführung der Emitec Gesellschaft für Emissionstechnologie mbH, über die Schwierigkeiten bei der Applikation.

Emitec war bisher als Spezialist im Pkw- und Lkw-Sektor bekannt. Warum der Schritt in den Offhighway-Sektor und in wie weit können Sie Synergien nutzen?
Eigentlich ist der Schritt nur natürlich. Blicken wir zurück, gab es die Abgasnachbehandlung zunächst nur für den Ottomotor im Pkw, gefolgt vom Pkw-Diesel. Danach kamen Lkw und Zweiräder. Es war nur eine Frage der Zeit, wann der Rest der Antriebstechnologie und damit auch der Offhighway-Bereich an der Reihe ist. Das lässt sich auch an den Gesetzgebungen ablesen. Dieser Schritt ist durch unsere vorherigen Entwicklungen gut vorbereitet. Technologien aus dem Lkw passen eins zu eins auf den Offhighway-Sektor, die Anforderungen sind in punkto Effizienz und geringem Leistungsverlust ebenso anspruchsvoll.

Die Erfüllung der Abgasgesetzgebung Tier 4 für mobile Maschinen erfordert hohen technischen Aufwand. Lohnt sich der Aufwand in Relation zum Effekt aus Sicht eines Abgasexperten überhaupt noch?
Wir dürfen nicht nur den Aspekt Emission betrachten sondern müssen auch den Verbrauch mit einbeziehen. Das beinahe sensationelle an den neuen Technologien ist, dass wir die Möglichkeit haben, in der Abgasnachbehandlung NOx zu reduzieren. Es gibt ja den bekannten Zusammenhang, dass Motoren, die NOx produzieren dürfen, weniger verbrauchen. Dieses NOx wird dann in der Nachbehandlung wieder beseitigt, sodass man heute das erste Mal HC, CO, Partikel und NOx reduzieren und gleichzeitig den Verbrauch verbessern kann. Das ist die Mühe wert und zum ersten Mal rechnen sich so auch derartige Abgasanlagen.

An welcher Stelle sehen Sie das größte Potenzial zur Emissionsreduzierung?

Bei den Motoren und Abgasanlagen für den Offhighway-Bereich lässt sich das noch nicht ganz genau sagen, da sich die meisten noch in der Entwicklung befinden. Wir können das aber anhand der Lkw-Entwicklung bereits relativ gut nachvollziehen. Beispielswiese wurden bei Lkw innermotorisch sehr große Verbesserungen erreicht und somit auch eine Reduzierung der Schadstoffemission. Aspekte wie mehrstufige Aufladung oder höhere Einspritzdrücke haben dazu geführt, dass man Euro 5 ohne Abgasnachbehandlung anbieten kann. Interessanterweise steht aber auch fest, dass mit Abgasnachbehandlung der Verbrauch beim selben Motor besser sein könnte, hätte man den Motor in Richtung höherer NOx-Werte optimiert. In den nächsten Generationen werden wir daher SCR-Motoren sehen, die im Verbrauch nochmals besser sind. Und diese Entwicklung bedeutet für den Offhighway-Bereich, dass beispielsweise auch Traktoren mit SCR-Anlagen ausgeliefert werden. Die Frage ist nur wann und wie bringt man dem Kunden bei, dass sich das rechnet.

Die sehr unterschiedlichen Lastprofile von mobilen Maschinen verursachen eine hohe Komplexität. In wie weit können hier noch einheitliche und somit kostengünstige Lösungen geschaffen werden?
Das ist eine entscheidende Frage. Es macht keinen Sinn, mit riesigem Aufwand auf kleinere, weniger wichtige Applikationen einzuschlagen. Es wird eine Reihe von kleinen Maschinen geben - zum Beispiel kleine Traktoren - bei denen sich Überlegungen zum Verbrauch nicht in der Weise umschlagen lassen, wie beispielsweise bei großen Schleppern, die 24 Stunden im Einsatz sind und nur zum Tanken halten. Entsprechend muss man Konzepte anbieten, die genau zur Anwendung beziehungsweise zum Lastprofil passen. Es ist nicht sinnvoll, bei kleinen Maschinen mit kleinem Motor große und teure Systeme zu applizieren, nur weil sie im größeren Fahrzeug Standard sind. Auf dem Markt werden die kleineren Leistungsklassen in größeren Stückzahlen gebaut als die großen mit anspruchsvoller Technik. Entsprechend wird es eine bedeutende Palette von Anwendungen und Größen geben. Die Kunst bei uns ist es, in gewissen Stufen zu standardisieren und zu möglichst guten Economy-of-Scale-Effekten zu kommen.

Wie schwierig wird die Integration von Abgasnachbehandlungssystemen in das Motor-Management?
In jedem Fall spielen Druckverlust und eventuell auch Komplikationen bei der Partikelbeseitigung eine große Rolle. Im Prinzip gilt hier aber eine ähnliche Antwort wie auf die Frage welcher Aufwand lohnt sich für welche Leistungsklasse. Auch hier wird man versuchen, die Gesetze mit möglichst geringem Aufwand bei möglichst geringem Druckverlust zu erfüllen. Das bedeutet für das Motormanagement, dass beispielsweise der Nebenstrompartikelfilter bei sehr vielen kleinen Leistungsklassen die erste Wahl sein wird, da keine Druckverluste ausgeglichen werden müssen. Dehnt man die Frage aus und bezieht sie auf SCR mit Partikelfilter, dann ist es ausgesprochen wichtig, die korrekte Zudosierung bei jedem Betriebszustand einzuhalten. Da spielt dann das Motorma¬nagement eine sehr große Rolle.

Applikation von Abgasnachbehandlungssystemen: Wie groß ist die Hürde Package?
Das ist bei mobilen Maschinen generell ein sehr großes Thema. Es wird hier ebenso wie früher beim Pkw-Ottomotor einen Technik-Run geben, da hoch effektive Systeme benötigt werden, um möglichst kompakt bauen zu können. Wenn das dann so weit ist, kommt es auch eher zu standardisierten Lösungen für verschiedene Anwendungen und Leistungsklassen.

2009 wird kein leichtes Jahr - auch die zuvor boomende Nfz-Branche muss herbe Rückschläge verbuchen. Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung auf dem Weltmarkt für mobile Maschinen?
Wir sind sehr froh, dass wir schon vor einiger Zeit den Schritt auf den Offhighway-Sektor vorbereitet haben. Dieses Arbeitsgebiet geht mit unseren neuen Produkten regelrecht auf, es kommt zu den sonstigen Geschäften dazu. Insbesondere in Asien sehen wir einen sehr großen Bedarf - dort beginnt es gerade erst. 2009 wird für uns dennoch ein ähnliches Jahr wie für viel andere auch. Man muss hier in Bezug auf das Budget mit einer Reduktion von zehn bis zwanzig Prozent rechnen. Al¬lerdings haben wir 2010 durch die neuen Abgasgesetze ein enormes Wachstum vor uns. Die Kunst ist nun, die Mannschaft so auszurichten, dass sie auf dieses Wachstum reagieren kann. Daher investieren wir momentan trotz des Umfelds - zum Beispiel in ein neues Testzentrum für mobile Maschinen.

Herr Maus, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Autor(en): Ruben Danisch
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