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INTERVIEW

"Wir wollen künftig mehr <br /> Kleinserien für Nischen- <br /> produkte herstellen"

Neben dem Kerngeschäft Modell-, Prototypen- und Vorserienserienfertigung möchte sich die Kegelmann Technik GmbH mit Sitz in Rodgau bei Frankfurt/Main künftig auch als Entwickler und Hersteller von Kunststoff-Serienteilen für Nischenfahrzeuge etablieren. Hierzu und über die mittel- und langfristigen Pläne des Mittelständlers sprach die Automotive Engineering Partners mit Geschäftsführer Stephan Kegelmann.

Herr Kegelmann, Sie haben 1989 die Kegelmann Technik GmbH in Hanau gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seither entwickelt?
Meine Vision und Intention war schon damals die Beherrschung der gesamten Prozesskette in der Produktentwicklung. Ich wollte dem Kunden den kompletten Service aus einer Hand bieten. Damit meine ich voll funktionsfähige Prototypen, mit denen sich sämtliche Untersuchungen auf dem Weg zur Produktserienreife durchführen lassen. Das habe ich bis heute kontinuierlich und ich glaube recht erfolgreich aufgebaut. Schließlich sind wir seit der Firmengründung kontinuierlich gewachsen – mit jährlichen Zuwachsraten von 15 bis 20 %. Diese positive Entwicklung ist sicherlich nicht selbstverständlich. Die Basis dafür ist, dass wir unsere Prozesse und Techniken permanent optimieren, damit wir letztlich auch in der Produktentwicklung schnell agieren können. Das haben wir getan, und so konnten wir unsere Kunden in relativ kurzer Zeit mit hoher Qualität beliefern und immer wieder neue Kunden hinzugewinnen.

Nach welchen Maximen führen Sie Ihr Unternehmen?
Wir sehen uns in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden als ein Innovationsträger und Technologietreiber. Wir hinterfragen beispielsweise bei jeder neuen Aufgabe, ob konventionelle Methoden überhaupt die richtigen sind. Wir stellen diese durchaus in Frage und suchen permanent nach besseren Lösungen.

Haben Sie ein Beispiel dafür?
Wir bearbeiten zurzeit eine Motorabdeckhaube für ein Fahrzeug, das in Kürze auf den Markt gelangen wird. Dafür setzen wir unsere eigenentwickelte Rim-Flex-Technik ein, die eine relativ schnelle Produktion von Vorserienteilen erlaubt. Die Rim-Flex-Technik verknüpft mit Stereolithografie, HSC-Fräsen und Abformtechniken sehr effizient drei verschiedene moderne Verfahren miteinander. Mit diesem Mix haben wir in relativ kurzer Zeit die gewünschte Form der Haube hergestellt.

Sie wollen langfristig gesehen die Fertigung von Kleinserien für Nischenfahrzeuge etablieren. Bis zu welchen Stückzahlen und mit welchen Werkstoffen wollen sie dies erreichen?
Wir haben eigentlich schon immer Kleinserien produziert, aber eben nicht immer im späteren serienreifen Kleinserien-Werkstoff. Das ist jetzt der Unterschied. Wir sind ja noch nicht so lange im Markt der Prototypenbauer aktiv, und daher entwickeln wir uns Schritt für Schritt hin zur serienreifen Teilefertigung.

Welche Teile meinen Sie?
Unsere Kernkompetenz liegt in der Entwicklung und Fertigung von Kunststoffteilen sowohl für Spritzguss- als auch für Blasformteile im Interieur- und im Exterieur-Bereich. Dazu gehören unter anderem Funktionsteile wie Innenverkleidungen von A-, B- und C-Säulen, Instrumententafeln und Mittelkonsolen, Knöpfe und Schalter sowie Abgaskrümmer, Gehäuse für Front- und Heckscheinwerfer und Reflektoren. Wir betreiben zurzeit beispielsweise ein Projekt für einen Seitenschweller, für den wir die gesamte Vorserie produzieren werden. Das Auftragsvolumen beträgt etwa 4.000 Teile pro Jahr. Für uns genau die richtigen Stückzahlen, für einen Mega-Supplier ist die Entwicklung und Fertigung derartiger geringer Stückzahlen völlig uninteressant. In diesem Bereich wollen wir ein gefragter Partner und quasi als verlängerte Werkbank auch für die großen Zulieferer aktiv sein.

Was tun Sie dafür?
Grundsätzlich glaube ich, dass aufgrund der zunehmenden Zahl an Nischenmodellen und der weiteren Verkürzung von Entwicklungszeiten der Bedarf an Unternehmen mit unserem Leistungsportfolio, unserer Schnelligkeit und unserer Kleinserienkompetenz zunehmen wird. Deshalb investieren wir in mehr Büro- und Maschinenraum. Wir erweitern zurzeit unsere Produktionskapazitäten um ein neue Fertigungshalle. Erfreulicherweise haben wir gerade als Sub-Lieferant für einen großen Zulieferer neue Aufträge für die Kleinserien-Produktion generieren können. Diese neue Zusammenarbeit wollen wir etablieren und festigen.

Arbeiten Sie ausschließlich mit Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie zusammen?
Wir erwirtschaften etwa 80 % unserer Umsätze mit der Automobilbranche. Ich glaube aber, dass sich unsere Kundenstruktur leicht verändern wird. Wenn wir die ganzheitliche Produktentwicklung vom Design über die Konstruktion und das Engineering, die Prototypenphasen und Mittelserien bis hin zu den Aluminiumwerkzeugen für kleinere Vorserien betrachten, dann ist es natürlich nicht für jeden Kunden interessant, die gesamte Prozesskette bei uns in Auftrag zu geben. Wir könnten ja solch große Projekte, wie Johnson Controls oder Lear sie abwickeln, gar nicht komplett bedienen. Und die Autohersteller werden sicher nicht – oder besser noch nicht – zu der Firma Kegelmann kommen und sagen: "Hier haben wir den neuen Mercedes SLK für Euch. Für den müsst Ihr ein komplettes Interieurdesign erstellen."

Wo liegt demnach Ihre Zielgruppe?
Unsere Zielgruppe für die nächsten Jahre sind vorerst kleinere Unternehmen aus der Automobilindustrie und in anderen Branchen, die beispielsweise für ihre Gerätegehäuse-Fertigung ein Unternehmen brauchen, das die Prozesskette ganzheitlich beherrscht. Dort sind wir ein vollwertiger Partner. Diese Unternehmen wollen wir gewinnen. Aus diesem Grund müssen wir unsere Nischen suchen. Die sind eben dort, wo Nischenfahrzeuge und- produkte hergestellt werden.

Sie waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Bei meinen qualifizierten und engagierten Mitarbeitern, und darin, dass wir kaum unter Mitarbeiterfluktuation leiden. Wir arbeiten mit flacher Hierarchiestruktur, relativ großer Eigenverantwortung und präventiver Problemvermeidung. Zudem betreibe ich ein intensives Mitarbeiter-Informationsmanagement, gewähre beispielsweise permanenten Einblick in unsere Umsatzzahlen. Wir diskutieren und definieren gemeinsam Unternehmensstrategien. Ich beteilige die Mitarbeiter mit Bonuszahlungen an unseren Erfolgen. Das alles führt zu hoher Motivation, Identifikation und Engagement der Mitarbeiter. So sind wir auch in nächster Zeit auf der Suche nach neuen qualifizierten Mitarbeitern.

Denken Sie über neue Niederlassungen nach?
Wer heute am Markt erfolgreich sein will, muss über seine eigene Internationalisierung nachdenken. Ich beschäftige mich zurzeit mit der Möglichkeit, in Detroit in den USA und in China in der Nähe von Shanghai eine Niederlassung zu eröffnen, weil ich glaube, dass wir sowohl auf dem US-amerikanischen als auch auf dem stark wachsenden chinesischen Markt mit unserem Know-how erfolgreich sein können. Zur Zeit haben wir auch in Deutschland noch keine Niederlassungen, sind aber auf der Such nach Partnern.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?
Kegelmann im Jahr 2008? Da sehe ich einen etablierten, gefragten und erfolgreichen Kleinserienhersteller und Modellbauer von Kunststoffspritzguss- und -blasformteilen für gesamte Baugruppen von Nischenfahrzeugen.

Herr Kegelmann, vielen Dank für das Gespräch.


Zur Person:
Nach der Ausbildung zum Modellbauer absolvierte Stephan Kegelmann eine weitere Lehre zum Werkzeug- und Formenbauer. Danach war er zunächst für die Heilbronner Formenbaufirma Läpple tätig und erwarb zudem fundierte CAD-Software-Kenntnisse. Im Anschluss daran studierte Stephan Kegelmann an der Fachhochschule Darmstadt das Fach Kunststofftechnik mit dem Schwerpunkt Werkzeug- und Formenbau und machte 1988 seinen Dipl.-Ing. (FH). Ein Jahr später gründet er die Kegelmann Technik GmbH in Hanau, die heute in Rodgau etwa 55 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von etwa 7,5 Millionen Euro erwirtschaftet.

Autor(en): Jens Büchling
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