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INTERVIEW

"Flexibilität durch Modularität"

Die Anforderungen an Produktivität, Flexibilität und Effizienz von Montageanlagen steigen weiter. Dieser Situation begegnet der Anlagenbauer Teamtechnik GmbH, Freiberg am Neckar, durch eine weitgehende Modularisierung seines Angebots. Stefan Roßkopf, geschäftsführender Gesellschafter und Michael Weis, Geschäftsbereichsleiter Automotive, erläutern die Vorzüge dieses Ansatzes.

Herr Roßkopf (rechts im Bild), Herr Weis (links im Bild), die vergangenen 36 Monate haben sehr konträre Anforderungen an Montageanlagen gestellt. Zunächst die Abbildung einer hohen Varianz, dann während der Krise möglichst geringe Kosten bei gleichzeitiger Unterauslastung und schließlich ein sehr steiles Volumenwachstum. Wie lässt sich ein derartiger Spagat konzeptionell und technologisch in einer Anlage abbilden?
ROSSKOPF _ Die Modularität ist der wichtigste Ansatzpunkt. Durch Modularisierung entstehen klar definierte Schnittstellen im Anlagenbau und in der Software, die ein Trennen und neu Zusammenfügen von Anlagenelementen flexibel ermöglichen. Diese Flexibilität nutzen unsere Kunden hinsichtlich Automatisierungsgrad, Variantenbeherrschung, schnellem SOP oder auch einer problemlosen Verlagerung der Anlagen an einen anderen Produktionsstandort. Weitere Aspekte sind die Bedienerfreundlichkeit oder auch Fernwartungskonzepte.

Welche Ansatzpunkte sehen Sie für eine weitere Steigerung der Anlageneffizienz, und wo liegt das "Ende der Fahnenstange"?
WEIS _ Das ist von vielen Einflussfaktoren abhängig und wird auch stark von den Vorstellungen und Wünschen des jeweiligen Kunden beeinflusst. Wichtig ist die Standardisierung. Wir verfügen über erprobte Standards, die in großen Stückzahlen laufen und hohe Effizienzen erreichen. Detailspezifikationen von Kunden können jedoch maßgeschneiderte Lösungen erforderlich machen, die entsprechend neu konstruiert werden müssen.

Der Anteil der Emerging Markets an Ihrem Auftragseingang wächst kontinuierlich. Was konkret können Sie den Automobilherstellern und ihren Zulieferern für ihre dort entstehenden Fertigungen anbieten?
ROSSKOPF _ Das Wichtigste in diesem Zusammenhang ist unsere lokale Präsenz. Wir verfolgen seit vielen Jahren die Strategie, in den bedeutenden Märkten mit eigenen Tochtergesellschaften vertreten zu sein. Diese werden zunächst mit Aufgaben in Vertrieb und Service betraut. Dann folgen eine Eigenwertschöpfung mit Produkten, die für den jeweiligen Markt relevant sind, und schließlich ein lokales Engineering. In den USA und in Osteuropa ist ein solches lokales Engineering bereits installiert. In China entsteht es derzeit. Durch dieses Vorgehen steigt die Kompetenz der lokalen Mitarbeiter kontinuierlich an. Unseren Kunden können wir neben einer Hochlaufunterstützung oder einer Produktionsbegleitung mit eigenem Personal auch einen umfassenden 24/7-Service anbieten.

Worin unterscheiden sich diese Angebote von Lösungen, die Sie beispielsweise in Europa installieren würden?
WEIS _ Da gibt es viele Varianten. Vom Grundsatz profitieren wir davon, dass große OEMs und Zulieferer weltweit nach den gleichen Standards produzieren. Nehmen Sie das Beispiel eines Prüfstands für das Getriebe aus dem Baukasten eines großen internationalen OEMs. Für einen Standort in China liefern wir diesen Prüfstand mit manueller Beschickung, für einen weiteren Standort auf einem anderen Kontinent mit automatisiertem Schnelleinzug. Prüfkonzept und Prozesstechnik sind jedoch identisch. In einem anderen Beispiel nutzt ein Zulieferer zwei absolut identische Anlagen an Standorten in Deutschland und China. Die Unterschiede - wenn es überhaupt welche gibt - liegen also in einem unterschiedlichen Automatisierungsgrad und manchmal auch in einer Anpassung von Komponenten der Peripherie an lokale Gegebenheiten.

Gerade in den Emerging Markets bleibt die Ausbildung der Mitarbeiter deutlich hinter den Fähigkeiten deutscher Facharbeiter zurück. Droht Ihrer Branche eine Hightech-Falle?
ROSSKOPF _ Nein. Unsere Anlagen und ihre Benutzerschnittstellen sind so weit optimiert, dass keine zusätzliche Maßnahmen für unterschiedliche regionale Märkte erforderlich sind. Allenfalls der Schulungsaufwand kann variieren.

Die Automobilindustrie verlagert mehr und mehr Aufgabenstellungen auf ihre Zulieferer. Welche Auswirkungen technischer und wirtschaftlicher Art hat diese Wertschöpfungsverschiebung auf Sie als Anlagenlieferant?
ROSSKOPF _ Bei Zulieferern sind der Automatisierungsdruck und der Zwang zur Optimierung der Prozesse ausgeprägter. Dafür spielen Hausnormen und interne Regelwerke oft eine weniger dominante Rolle als anderswo.

Stichwort Elektromobilität: Wie werden sich die Anforderungen an Montageanlagen für Elektrofahrzeuge ändern, und wie wollen Sie die mit der Hochvolttechnik verbundenen Herausforderungen meistern?
WEIS _ Da wir bislang schon stark auf den Antriebsstrang ausgerichtet sind, wollen wir auch bei den neuen Komponenten alternativer Antriebstechniken unseren Beitrag leisten. Gleichzeitig lassen wir auch das Thema Batterie nicht aus dem Auge und arbeiten an einem Projekt, in dem es um die Endmontage von Batterien geht. Dafür müssen hohe technische Vorleistungen erbracht werden, obwohl der Anlauf - und mithin ein Return on Investment - sehr langsam sein wird.

Inwieweit bot die Absatzkrise 2009/2010 nach Jahren der Überauslastung auch Chancen, beispielsweise für eine Innovationsoffensive?
ROSSKOPF _ Da hatten wir großes Glück. Der Rückgang 2009 betrug für uns nur die Hälfte des vom VDMA errechneten Branchendurchschnitts. Dies lag zum einen an unserem modular aufgebauten Angebot, aber auch an unserer starken Ausrichtung auf den Antriebsstrang. In diesem Bereich wurden die Investitionen auf Seiten unserer Kunden in den vergangenen Jahren deutlich geringer gekürzt, weil viele Innovationen durch Gesetze beziehungsweise Grenzwerte getrieben werden. Aber natürlich haben auch wir die Phase der Beruhigung genutzt, um bestimmte Dinge weiterzuentwickeln. Vor allem hinsichtlich einer weiteren Standardisierung und der Optimierung der Bestellabwicklungen.

Die technischen Einkäufer der Automobilindustrie werden unterschiedlich charakterisiert. Wie lauten Ihre Erfahrungen?
WEIS _ Der Umgang ist deutlich fairer und rationaler geworden, als noch vor einigen Jahren. Wir erleben Gesprächskulturen, die auf Basis von Kooperation und gemeinsamer Ziele geführt werden. Und auch das Thema Internet-Auktionen ist wieder vom Tisch . . .

Sehen Sie Unterschiede im Einkaufsverhalten von OE Ms und Zulieferern?
WEIS _ Die OEMs fragen ihre Anlagen wirklich international an. Deshalb müssen wir immer häufiger auch gegen koreanische oder amerikanische Wettbewerber anbieten. Die Zulieferer hingegen sind noch etwas lokaler ausgerichtet. Eine große Anzahl von ihnen nehmen ihre bewährten Anlagenlieferanten auch an neue Standorte mit, um Qualität und Ausbringung abzusichern.

Was würden Sie sich von Ihren Kunden aus der Automobilindustrie wünschen?
ROSSKOPF _ Wir haben die richtigen Themen gesetzt und bringen unsere Vorstellungen zur Umsetzung. Insofern sind wir auch ohne Wünsche zufrieden.

Herr Roßkopf, Herr Weis, vielen Dank für das Gespräch.

Bild: Teamtechnik


Autor(en): Stefan Schlott
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