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INTERVIEW

"Wir helfen, Entwicklungen möglichst schnell in die Serie zu bringen"

Die Schneider Prototyping GmbH hat in den vergangenen Jahren ein dynamisches Wachstum erlebt und bewegt sich vom Hersteller einzelner Prototypenteile zunehmend in die Richtung eines Unternehmens mit Gesamtprojektverantwortung. Mit welchen Zielen und Strategien man auch zukünftig erfolgreich sein will, darüber sprach Automotive Engineering Partners mit Henri-Jacques Topf, Mitgeschäftsführer der Schneider Prototyping GmbH.

Herr Dr. Topf, wie definieren Sie das heutige Profil und die Kernkompetenzen der Schneider Prototyping GmbH?
Wir sehen uns mittlerweile als ein Engineering-Partner mit angegliederter Fertigung, aber nicht als ein klassischer Konstruktionsdienstleister. Unsere Kunden entwickeln Produkte, und wir helfen ihnen dabei, diese Entwicklungen möglichst schnell in die Serie zu bringen. Zu den wesentlichen Kernkompetenzen unseres Unternehmens gehört die anwendungstechnische Beratung und deren schnelle Umsetzung. Die wenigsten Konstruktions- und Ingenieurbüros verfügen über eine Produktionshalle und können die Lehre für ein Prototypentbauteil erstellen. Wir können das, und wenn sich ein Problem im Teilezusammenbau ergibt, können wir in relativ kurzer Zeit die Lehre anpassen, ändern und verbessern und so die Konstruktionsdaten entsprechend optimieren.

Das Unternehmen wird heute von zwei Geschäftsführern geleitet. Wie sind die Aufgaben verteilt?
Ich kümmere mich selbst um die Kunden, die vertriebliche Bearbeitung neuer Märkte und um die strategischen Angelegenheiten. Als Mitgeschäftsführer ist Herr Kappler für den Vertrieb, das Tagesgeschäft und die Mitarbeiterentwicklung verantwortlich.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht der Markt für Prototypendienstleistungen im Automotivebereich entwickeln?
Wir haben Mitte der 90er-Jahre Wachstumsraten zwischen 30 und 50 Prozent verzeichnen können. Mittlerweile befinden wir uns in einem gesättigten Marktumfeld, in einigen Bereichen sogar mit einem Überangebot. Das hat auch dazu geführt, dass wir seit einiger Zeit mit einem Preisverfall zu kämpfen haben. Es gibt Studien in USA, die in den vergangenen zwei Jahren einen Preisverfall zwischen 20 und 30 Prozent nennen. Hinzu kommt ein stetig steigender Wettbewerb.

Wo sehen Sie die Wettbewerbsvorteile Ihres Unternehmen?
Einer unserer wesentlichen Wettbewerbsvorteile ist, dass wir für unsere Kunden Zeit in der Produktentwicklung gewinnen. Zudem haben wir bereits in den vergangenen Jahren eine hohe kompetente anwendungstechnische Beratung und die Fähigkeit für eine komplette Projektleitung aufgebaut. Wir können heute ein Projekt abwickeln, bei dem beispielsweise 40 Teile gleichzeitig durch die Fertigung laufen müssen, ohne dass es zu Verzögerungen kommt.

Wie vermeiden Sie diese Verzögerungen?
Die Durchlaufzeiten im Werkzeug- und Formenbau sind zu 80 Prozent von Liegezeiten beeinflusst. Bei uns hat kein einziges Projekt eine Liegezeit von mehr als zehn Prozent. Das ist vornehmlich ein Ergebnis einer auf Durchlaufzeit optimierten Organisation, straffe Projektleitung, und einer Fertigungstiefe von über 85 Prozent. Zudem haben wir dank unserer internen Strukturen eine Flexibilität geschaffen, die es ermöglicht die jeweiligen Projekte zu beschleunigen.

Können Sie hierfür ein Beispiel nennen?
Ein konventioneller Werkzeug- und Formenbauer beispielsweise maximiert seine Maschinen auf optimale Auslastung. Er hat im Vergleich zu uns eine ganz andere Fertigungssteuerung. Wir optimieren hinsichtlich einer Minimierung der Durchlaufzeiten. Das bedeutet zum Beispiel, dass unsere Projektleiter gemeinsam mit dem Fertigungsleiter das gleiche Projekt an einem Tag durchaus zweimal terminieren würden, wenn ein neuer Änderungsstand vorliegt.

Wie würden Sie die Arbeitsweise in Ihrem Unternehmen beschreiben?
Wir arbeiten im Ansatz grundlegend pragmatisch, und wir schauen sehr genau welche Technologien bei einem Projekt die geeigneten sind. Deshalb haben wir sämtliche modernen Techniken installiert. Wir arbeiten nach der Philosophie, dass wir nach den vorgegebenen Qualitätsanforderungen den größten Zeitgewinn bei einem guten Kosten-/Nutzenverhältnis gewährleisten.

Wer sind die wichtigsten Kunden im Automotive- und in anderen Geschäftsbereichen?
Im Geschäftsbereich Automotive, mit dem wir etwa 80 Prozent unserer Umsätze tätigen, sind die Systemlieferanten unsere wichtigsten Kunden. Wir arbeiten darüber hinaus auch für die Flugzeug- und Telekommunikationsindustrie sowie für Hersteller von Haushalts-, Handwerker- und Gartengeräten. Hinzu kommt noch die Medizinindustrie, die für uns zunehmend wichtiger wird.

Wie hat sich Ihre Mitarbeiterzahl zuletzt entwickelt?
Wir haben im vergangenen Jahr aufgrund unseres stetigen Wachstums das Personal um etwa 20 Prozent auf 60 Mitarbeiter aufgestockt. In nächster Zeit wollen wir noch weitere zehn Mitarbeiter einstellen.

Verfügen Sie neben dem neuen Betrieb über weitere Niederlassungen und wollen Sie neue eröffnen?
Wir führen noch eine Handelsvertretung in Israel und ich denke, dass wir im Laufe der nächsten Jahre in Deutschland und eventuell in Österreich weitere Satellitenstandorte, vornehmlich mit Fertigungskapazitäten nahe der großen OEMs, aufbauen werden.

Welche strategische Ausrichtung haben Sie für das Unternehmen definiert?
Eine wesentliche strategische Ausrichtung ist, dass wir die Fertigungstiefe im Unternehmen sehr hoch halten wollen. Wir haben eine interne Wertschöpfung von etwa 85 Prozent, und arbeiten daran diese auf über 90 Prozent zu bringen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wenn wir in der anwendungstechnischen Beratung kompetent sein und unseren Kunden dabei helfen wollen, möglichst schnell zum Ziel zu gelangen, dann müssen wir über hohes internes Know-how verfügen und in der Lage sein kurzfristig und flexibel zu handeln. Beides kann man nur schwer mit externen Lieferanten und Kapazitäten. Außerdem denke ich, dass wir künftig mehr im Betriebsmittelbau aktiv sein werden. Diesen Trend sehen wir bereits bei heutigen Projekten. Es könnte durchaus sein, das wir künftig auch Montagevorrichtungen für die Serienproduktion liefern werden. Das passt zu unserer Philosophie, denn wir sehen uns im gesamten Entwicklungsprozess bis zum Serienanlauf zunehmend in der Pflicht.

Herr Dr. Topf, vielen Dank für das Gespräch.


Zur Person:
Dr. Henri-Jacques Topf absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann, studierte danach das Fach Informatik an der Hebräischen Universität in Jerusalem in Israel und machte 1986 seinen Bachelor of Science. 1990 erhielt er zudem seinen Master of Science im Fach Management und absolvierte danach sein Doktorat im Fach Biochemie. Christoph Kappler absolvierte eine Ausbildung zum Werkzeugmacher und studierte danach an der FH Bingen das Fach Maschinenbau. Dr. Henri-Jacques Topf und Dipl.-Ing. Christoph Kappler leiten als geschäftsführende Gesellschafter gemeinsam die Schneider Prototyping GmbH.



Autor(en): Jens Büchling
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