"Wir wollen künftig zum Komplettanbieter avancieren"
Mit innovativen Lösungen und einer Erweiterung des bestehenden Produktportfolios um neue Innenraumelemente will die Fischer Automotive Systems GmbH ihre erfolgreiche Zukunft gestalten. Die Basis dafür legte das Unternehmen unter anderem mit einem neuen Werk, womit Entwicklung und Produktion nun an einem Ort konzentriert sind. Automotive Engineering Partners sprach mit Manfred Haage, Geschäftsführer von Fischer Automotive Systems, über die Unternehmensziele und künftigen Aufgaben.
Herr Haage, die Innenräume von Autos werden immer vielseitiger und flexibler. Sehen Sie in diesem Trend große Chancen für Fischer Automotive Systems?
Ja, die Autohersteller werden in die Innenraumvariabilität künftig viel mehr investieren als bisher. Das gilt besonders für die Fahrzeuge der oberen Segmente und für die höherwertig ausgestatteten Modellversionen. Das bedeutet natürlich neben erhöhter Herstellungskompetenz auch einen deutlich höheren Logistikaufwand. Die Anzahl der Nischenfahrzeuge wird weiter steigen, und diese Entwicklung verlangt auch von den Herstellern von Innenraumelementen eine hohe Flexibilität. Wir haben uns bereits in der Vergangenheit intensiv um Fahrzeuge gekümmert, die für andere nicht so lukrativ waren. Wir waren zudem im Zubehörgeschäft vertreten und ich denke, dass wir mit der neuen Niederlassung in Horb ein Werk aufgebaut haben, in dem wir gut mit niedrigen Stück- und hohen Variantenzahlen umgehen können und die Anforderungen des Marktes erfüllen werden.
Demnach ist der Erhalt und der weitere Ausbau einer hohen Flexibilität eine grundsätzliche Philosophie von Fischer Automotive?
Ganz sicher. Hinzu kommt unsere große Spontanietät. Die ermöglicht uns, dass wir Aufgaben sehr schnell umsetzen können. Man sieht unseren Produkten oft nicht an, wie viel Entwicklungsaufwand dahinter steckt. Der Cupholder, den wir für den Mercedes SL entwickelt haben, besteht aus insgesamt 44 Einzelteilen. Aufgrund der geringen vorhandenen Bauraumgröße war es erforderlich, sämtliche kinematischen Funktionen über sehr viele filigrane Einzelelemente zu realisieren. Meist werden die entsprechenden Baugrößen für Innenraumelemente relativ kurzfristig definiert, und es müssen schnell optimale Lösungen gefunden und fertigungsreif umgesetzt werden. Komplexere Elemente wie ABS oder Navigationssysteme haben vergleichsweise eine deutlich größere Entwicklungsspanne.
In der Vergangenheit gelangten weitere Sicherheitselemente wie die Vielzahl von Airbags in die Fahrzeuginnenräume. Wo sehen Sie noch Raum für neue Innenraumelemente?
Es ist dadurch sicherlich schwieriger geworden, in Fahrzeugen größere Bauräume zu finden. Die Kunst liegt in der Entwicklung neuer Lösungen. Die doppelten Bauraumnutzung gehört sicherlich zu den zentralen Lösungen. Die Bauräume werden von immer mehr unterschiedlichen Anwendungen beansprucht. Es gibt Navigations-systeme, die heute den Platz einnehmen, der früher einem großen Ablagefach zugedacht war. Die Türinnenseiten sind von Seitenaufprallschutzsystemen belegt. Man muss also immer wieder neue Räume suchen oder eben überlegen, wie man für den bereits belegten Raum zwei oder drei verschiedene Funktionen zuordnen kann.
Wird der bislang weitgehend ungenutzte Dachhimmel künftig als Bauraum für neue Lösungen erschlossen?
Dort gibt es ja bereits einige interessante Ansätze beispielsweise für Brillenaufbewahrungen, Garagentoröffner und ähnliche Dinge. Künftig könnten hier beispielsweise weitere Beleuchtungsmodule integriert werden. Sicherlich ist auch der Kofferraum noch ein interessantes Betätigungsfeld, für den wir bereits verschiedene Ideen umgesetzt haben.
An welchen Produkten werden Sie in naher Zukunft verstärkt arbeiten?
Hier bitte ich um Verständnis, dass ich dazu im Moment keine detaillierten Angaben machen kann. Aber natürlich gibt es noch eine Menge Ansätze, die wir verfolgen, und die auch bei den Automobilherstellern auf großes Interesse stoßen.
Welche Ziele haben Sie für die mittelfristigen Vorhaben von Fischer Automotive definiert?
Grundsätzlich wollen wir unser Kerngeschäft stabilisieren. Natürlich sehen wir hier gleichzeitig weitere Wachstumsmöglichkeiten. Wir wollen zudem unsere Kompetenzen im kinematischen Produktbereich weiter ausbauen und uns als Komplettanbieter etablieren. Wir werden mittelfristig in den uns betreffenden Produktbereichen auch die Kompetenzen für Oberflächentechniken und Elektrik, Elektronik aufbauen. Wir werden aber nicht – zumindest in absehbarer Zeit – darauf zusteuern, dass wir ganze Instrumententafeln anbieten oder gar komplette Innenräume ausstatten.
Herr Haage, vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person:
Dipl.-Ing. Manfred Haage studierte an der Fachhochschule Konstanz Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Konstruktionstechnik. Seine berufliche Laufbahn begann Haage als Entwicklungsingenieur für Befestigungselemente bei der Firma HILTI. 1984 wechselte Haage zur Fischer-Gruppe, wo er unter anderem für die Entwicklungsabteilung für Befestigungselemente zuständig war und parallel dazu den Unternehmensbereich Automotive mit aufbaute. Seit zwei Jahren ist Haage Geschäftsführer der Fischer Automotive Systems GmbH
Autor(en): Jens Büchling