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INTERVIEW

"Der Smart Forfour setzt eigene Akzente"

Mit dem Forfour, den Smart in nur 33 Monaten gemeinsam mit Kooperationspartner Mitsubishi entwickelt hat, tritt der Hersteller in einem hart umkämpften Segment an. Über die Positionierung des Viertürers im Markt und seine Besonderheiten sowie über künftige Schritte der Marke sprach die ATZ mit Dr. Helmut Wawra, Geschäftsführer Entwicklung und Design bei der Smart GmbH.

Herr Dr. Wawra, worauf lag der Fokus der Entwicklung beim Smart Forfour?
Der Forfour ist der erste Smart für mehr als zwei Personen: Die Marke Smart stand bisher für den Fortwo und den Roadster. Wir hatten uns vor diesem Hintergrund die Aufgabe gestellt, ein Fahrzeug zu entwickeln, das alle typischen Merkmale eines Smart aufweist, aber Platz für vier oder gar fünf Personen bietet. Damit begeben wir uns in ein ganz neues Wettbewerbsumfeld, in dem es gilt, sich mit den gebotenen technischen und gestalterischen Eigenschaften zu behaupten und zu differenzieren. Zudem operieren wir hier in einem sehr preissensiblen Marktsegment. Nachdem wir uns vorgenommen hatten, das Projekt Forfour in ehrgeizigen 33 Monaten zu realisieren, kam es darauf an, einen Kooperationspartner zu finden, mit dem wir gemeinsam Bauteile rationell entwickeln konnten und mit dem zusammen man auf entsprechende Stückzahlen für die notwendigen Skaleneffekte kommen würde.

Sie sagten gerade, der Forfour sei in lediglich 33 Monaten entwickelt worden. Worin lagen hierbei die besonderen Herausforderungen – auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Mitsubishi?
Die Entwicklungszeit von lediglich 33 Monaten stellt schon für sich genommen eine echte Herausforderung dar. Es galt dabei, eine hohe Kooperationsfähigkeit beider Partner gerade im Hinblick auf die Prozesswelt unter Beweis zu stellen. Bedenken Sie zudem, über welche Distanzen hinweg die Arbeiten koordiniert werden mussten: Entwicklungsabteilungen in Okazaki und Böblingen, Produktionsstandorte im thüringischen Kölleda für Ottomotoren und im niederländischen Born für das Gesamtfahrzeug. Last not least mussten beide Partner auch über eine Vielzahl von kulturellen Unterschieden hinweg Brücken schlagen.

Was sind die wesentlichen technischen Innovationen an diesem Fahrzeug?
Wir haben gemeinsam mit unseren Partnern fünf neue, sehr sparsame Motoren entwickelt – drei Benziner und zwei Diesel. Wir haben ein aufwändiges Elektronikkonzept realisiert, das mit verschiedenen Daten-Bus-Systemen arbeitet und unter anderem den Einsatz komplexer Multimedia-Optionen erlaubt. Wir machen damit Navigationssysteme, Bordcomputer und Multifunktionslenkrad – Systeme die bisher nur weit höheren Fahrzeugklassen vorbehalten waren – für das Kleinwagensegment verfügbar. Hierbei konnten wir auf die Ressourcen der Mercedes-Car-Group zurückgreifen. Ein weiteres Highlight des Forfour stellt sicher auch das neue automatisierte Schaltgetriebe dar, das Zugkraftunterbrechungen dank seiner Doppelschaltwalzentechnologie auf ein Minimum reduziert. Zudem senkt das kurz AMT2 genannte Getriebe den Kraftstoffverbrauch und erhöht den Geräuschkomfort. Und schließlich bieten wir als einziger in dieser Klasse serienmäßig das Fahrdynamikregelsystem ESP 8.0 und Scheibenbremsen rundum an.

Sind für den Forfour weitere Motoren vorgesehen?
Wie auch zu den anderen Baureihen wird es eine Smart-Brabus-Variante des Forfour geben, die neben modifizierten Karosserie- und Interieurteilen auch spürbar mehr Motorleistung bieten wird.

Der Smart Forfour tritt an gegen etablierte Fahrzeuge in seinem Segment, etwa den VW Polo. Wie sehen Sie den neuen Smart auf diesem Markt positioniert?
Der Smart Forfour setzt im Kleinwagensegment neue, eigene Akzente. Er hebt sich von den Mitbewerbern durch seinen emotionalen Charakter und seine hohe Funktionalität ab, wie etwa durch seine variable Rücksitzanlage, unterschiedliche Dachvarianten, Kunststoffkarosserie und vieles mehr. Mit diesen Lösungen und den für unsere Marke typischen Designaussagen erweist er sich als echter Smart. Auch mit den bereits genannten Ausstattungen und Technologien, die man zum Teil bisher nur aus der Oberklasse kennt, macht er auf sich aufmerksam.

Ist ein offener Viersitzer auf Basis des Forfour geplant?
Nach heutigen Maßstäben der Karosseriesteifigkeit ist ein viertüriges Cabriolet kaum darstellbar. Daher wäre ein neuer Rohbau unumgänglich, was aus wirtschaftlicher Sicht kaum Erfolgsaussichten hätte.

Wird Smart seine Fahrzeugpalette in Zukunft noch erweitern, und sollen noch andere Segmente bedient werden?
Für das Jahr 2006 haben wir uns die Markteinführung eines Sport Utility Vehicles vorgenommen. Den Smart Formore werden wir in unserem hochmodernen Werk in Juiz de Fora, Brasilien, bauen und zusätzlich zu den übrigen Märkten auch in den Vereinigten Staaten anbieten. Damit reicht unser Angebot von Fortwo und Roadster bis hin zu Forfour und Formore. Der Markt wird letztlich darüber entscheiden, ob, und wenn ja, welche Baureihen oder Varianten noch nötig sind, um uns als Multiproduktmarke zu konsolidieren.

Smart tritt mit einem sportlichen Image auf. Kommt für Sie da vielleicht auch ein Einsatz in einer Rennserie in Frage?
Motorsportliches Engagement macht für einen Automobilhersteller in erster Linie im Hinblick auf das Marken-Image Sinn. Exemplarisch wird dies bei der Formel 1 sichtbar: Die Werbewirksamkeit ist hier ebenso hoch wie der dafür notwendige finanzielle Aufwand. In weniger bedeutenden Sparten des Rennsports ist es um die werbliche Effizienz dagegen bei weitem nicht so gut bestellt. Aber auch dort muss man erhebliche Budgets zur Verfügung stellen, um den gewünschten Erfolg zu ermöglichen. Aufwand und Nutzen für das Image stehen aus unserer Sicht nicht in einem günstigen Verhältnis zu einander, zumindest nicht in den infrage kommenden Rennserien. Als junger, aufstrebender Hersteller konzentrieren wir uns daher zunächst darauf, unseren Kunden ein sportliches Fahrerlebnis im automobilen Alltag zu ermöglichen. Die entsprechende Botschaft können wir, so denke ich, auch abseits der Rennstrecke vermitteln. Gerade im Segment des Forfour war Fahrspaß ja bisher nicht eben ein Schlüsselwort.

Herr Dr. Wawra, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.


Zur Person:
Dr. Helmut Wawra (58) studierte Anfang der 70er-Jahre Maschinenbau an der Universität Karlsruhe, wo er auch promovierte. Seine berufliche Karriere begann er als Berechnungsingenieur in der Pkw-Vorentwicklung bei der damaligen Daimler-Benz AG. 1993 wurde Wawra in den Oberen Führungskreis der Mercedes-Benz AG berufen, in dem er ab Mitte der 90er-Jahre unter anderem für die C-Klasse und den CLK verantwortlich zeichnete. 1998 wurde er Geschäftsführer Entwicklung und Design bei der damaligen Micro Compact Car Smart GmbH. In gleicher Funktion ist Wawra bei der neufirmierten Smart GmbH tätig, die seit Januar 2003 Mitglied der Mercedes Car Group ist.

Autor(en): Kirsten Beckmann und Ruben Danisch
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