"Die Entwicklung von Boxer-Dieselmotoren ist abgeschlossen"
Neues Design und emotionalere Autos sind die wesentlichen Eckpunkte der strategischen Neuausrichtung des Subaru-Mutterkonzerns Fuji Heavy Industries (FHI), eines global operierenden Mischkonzerns, der neben der Automobilproduktion in den drei weiteren Unternehmensbereichen Entwicklung und Vertrieb von Luft- und Raumfahrt-Technologie, Industrieprodukte und Transporttechnologie aktiv ist. Automobile aber bringen FHI nicht nur den größten Umsatz, sondern auch die größte Rendite. all4engineers sprach mit Kyoji Takenaka, President und CEO von FHI.
Automobile sind das Kerngeschäft von FHI, der Fünfjahresplan Fuji Dynamic Revolution-1 (FDR-1) bezweckt die strategische Neuausrichtung des Konzerns. Mit welchen Zielen?
Erstens sieht FDR-1 vor, dass wir bis zum Jahr 2007 den Automobilabsatz weltweit von derzeit 600.000 auf 750.000 Fahrzeuge pro Jahr ausbauen. Im selben Zeitraum soll der Umsatz auf 1,84 Billionen Yen (rund 13,88 Milliarden Euro) steigen. Zweitens werden wir mit einem neuen Modell oberhalb des Legacy unser Produktportfolio ausweiten. Das tun wir gerade mit dem B9 Tribeca, der im Juni 2005 in den USA und genau ein Jahr später in Europa und Deutschland eingeführt wird.
Wie wird Subaru auf dem eingeschlagenen Weg der FDR-1 fortschreiten?
FHI wird das Subaru-Modell-Portfolio mit innovativem Design, neuen Plattformen und Hybridfahrzeugen erneuern und erweitern. In diesem Rahmen werden auch die Produktionsstätten und Vertriebsnetze im Heimatmarkt Japan und dem wichtigsten Exportmarkt USA optimiert, um die Wertschöpfungskette zu verbessern.
Was bedeutet innovatives Design konkret für die künftigen Modell-Generationen?
Die nächsten Modell-Generationen werden in jedem Sinne Premiumprodukte sein. Dazu gehören eine faszinierende äußere Erscheinung, ein stimmiges Innendesign und ein hoher Nutzwert. Der Kunde will kein Auto von der Stange, sondern er will seine Persönlichkeit in seinem Auto widergespiegelt sehen. Dazu muss man natürlich auch das Umfeld mitgestalten – ob es sich nun um bestimmte Accessoires wie Alufelgen oder um Farbtöne handelt. Der Kunde will das Fahrzeug interaktiv nach eigenem Geschmack und nach seinen Erwartungen formen können.
In der Vergangenheit stand Subaru für technisch ausgereifte Fahrzeuge, denen man ihre Qualität von außen nicht unbedingt ansah.
Das ändern wir. Unsere neue Formensprache zeigt der B9 Tribeca sehr klar und deutlich. Unsere globaler Marken-Slogan: "Think. Feel. Drive." – Denken. Fühlen. Fahren. fasst die Kernbotschaft zusammen, die drei elementare Komponenten des automobilen Mobilität miteinander verbindet: ein höchst angenehmes Fahrerlebnis, einen sehr hohen Sicherheitsstandard und vorbildliche Umweltfreundlichkeit. Diese drei Begriffe enthalten die gesamte Ambition des Konzerns, denn sie reflektieren nicht nur das Fahrerlebnis mit Kopf und Gefühl, sondern auch die komplexen Strukturen von Produktentwicklung und neuer Formensprache. Wir sind dabei, Produktqualität mit Designqualität zu harmonisieren. Dies ist Teil der FDR-1 und wird sich nicht nur in höherem Markenimage, sondern auch in steigenden Zulassungszahlen niederschlagen. Subarus Zukunftsoffensive läuft auf Hochtouren.
Subaru führt im Sommer den Siebensitzer B9 Tribeca in den USA ein. Ein Jahr später soll er nach Europa kommen. Welche Rolle spielt er für die Entwicklung der Marke?
Der B9 Tribeca ist unser neues Flaggschiff und ein großer Schritt in die neue Richtung, die Subaru geht. Der geländegängige Siebensitzer ist ein völlig neuer Typ Fahrzeug – ein exzellenter Repräsentant der Subaru-Identität.
Welche Elemente prägen die Subaru-Identität beim neuen Top-Modell?
Das ist eine ganze Reihe von Merkmalen. Dazu zählen die ausgeprägte Balance, die Ausarbeitung von Kontrasten, die passgenauen, stimmigen Proportionen. Das Auto ist nicht zu groß, nicht zu klein. Es ist sehr funktionell und bietet in drei Sitzreihen Platz für bis zu sieben Personen. Es gehört zur Gattung der SUV und sieht auch so aus, dabei ist es aber auch außergewöhnlich sportlich. Ein sehr wichtiger Punkt des Design ist die Oberfläche des Fahrzeugs. Sie besitzt beim B9 Tribeca die Gene der Marke Subaru, die ja aus dem Flugzeugbau stammt. Und diese Gene zeigt der B9 Tribeca auch. Er hat etwas von einem Flugzeugrumpf, eine fließende, stilbruchfreie Konstruktion.
Wann bringt Subaru den Boxer-Diesel?
Die Entwicklung von Boxer-Dieselmotoren ist aus technischer Sicht abgeschlossen: Wir haben selbstzündende Boxermotoren mit vier und sechs Zylindern als Prototypen fertig entwickelt. Allerdings ist über den Einsatz der Motoren in der Serie noch nicht entschieden, denn Europa ist bislang der einzige Markt weltweit, der Dieselmotoren in großem Stil nachfragt. Bei einem Absatz von insgesamt 45.000 Einheiten pro Jahr in Europa und einem davon nicht zu quantifizierenden Anteil Diesel ist die Herstellung wirtschaftlich nur schwer darstellbar. Die Serienfertigung erfordert Investitionen von mehreren Zig-Milliarden Yen, und man kann derzeit nicht abschätzen, inwieweit sich diese Investition refinanzieren lässt.
Die Zielplanung für Europa sieht laut FDR-1 eine Zielgröße von 100.000 Einheiten vor. Das ist ohne Dieselmotor doch kaum zu erreichen.
Deshalb laufen zur Zeit die Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudien. Die Serienproduktion von Boxer-Dieselmotoren und die Einführung von Subaru-Dieselfahrzeugen wären noch vor Ablauf dieses Jahrzehnts möglich.
Welche Rolle spielen Hybrid-Systeme?
Sie sind eine Option für uns. Das haben wir mit dem Concept Car B9SC gezeigt. Der Roadster ist ein Sequential Series Hybrid Electric Vehicle (SSHEV), das den Allradantrieb Symmetrical AWD mit modernen HEV-Technologien kombiniert. Unsere Hybridlösung von Elektro- und Benzinmotor steht der Leistungsfähigkeit und Laufkultur der jetzigen Triebwerke in Nichts nach. Anders als bei bestehenden Hybridkonzepten besorgt der Elektromotor bis etwa 80 km/h den Vortrieb ganz allein. Erst danach greift der 140 PS starke Boxermotor ein. Dies macht den fundamentalen Unterschied aus: Die beiden Energiequellendes SSHEV arbeiten nicht parallel, sondern sequenziell.
Was erwarten Sie von Brennstoffzelle und Wasserstofftechnologie?
Natürlich bleiben die Alternativ-Technologien im Fokus. Wir beobachten die Entwicklung in den Bereichen Brennstoffzelle und Wasserstoffantrieb sehr intensiv.
Herr Takenaka, herzlichen Dank für das Gespräch.
Kyoji Takenaka wurde im Juli 2001 CEO und ist seit Juli 2002 President und CEO von Fuji Heavy Industries, Ltd. (FHI). Takenaka kam im April 1969 zu FHI und machte eine steile Karriere, die ihn bis an die Spitze des international agierenden Mischkonzerns führte, der Transportund Raumfahrttechnologie und Automobile der Marke Subaru herstellt. Im Sommer 2002 leitete Takenaka mit dem Fünfjahresplan Fuji Dynamic Revolution-1 (FDR-1) eine grundlegende unternehmerische Neuorientierung ein. Sie zielt auf eine Dynamisierung und Stärkung der Marke Subaru.
Autor(en): Rolf Peter Bleeker