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INTERVIEW

"Ein hoher Qualitätsanspruch war schon im Lastenheft verankert"

Mit dem Crafter hat die Nutzfahrzeugsparte von VW einen neuen, auffallenden Transporter im Markt, der den bisherigen LT2 ablöst. Wie schon bei diesem Modell kooperierten VW mit dem Crafter und Mercedes-Benz mit dem Sprinter bei der Entwicklung. all4engineers sprach mit Erwin Pape (rechts), Mitglied des Markenvorstandes Volkswagen Nutzfahrzeuge, und Andreas Schneider, Technischer Projektleiter für den Crafter, über das neue Konzept.

Seit zwei Generationen wird der VW LT in Zusammenarbeit mit dem Mercedes Sprinter entwickelt. Die Autos unterschieden sich nur durch das Markenemblem. Nun kommt der LT-Nachfolger Crafter mit völlig anderer Optik. Bedeutet das, dass beide OEMs mehr eigene Wege gehen und wie sieht die Kooperation heute aus?
Pape: Mit dem Crafter wird die beim LT2 begonnene erfolgreiche Kooperation mit Mercedes-Benz unter vergleichbaren Randbedingungen fortgeführt. Die Optik des Crafters lehnt sich an die Designlinie des Constellation an und steht für das neue VW Truck Design, charakterisiert durch die markante Form des Kühlergrills und die senkrecht angeordneten Doppelscheinwerfer.

Wie hat sich die Zahl der Gleichteile verändert und was wurde verbessert?
Schneider: Beim Umfang der Gleichteile und der Verfremdung haben wir uns an der LT2-Kooperation orientiert. Im Front- und Heckbereich wurde die Differenzierung jedoch intensiver herausgearbeitet, so dass sich der Crafter jetzt deutlicher an VW-Vorgaben orientiert. Auch der Interieurbereich entspricht jetzt VW-Vorstellungen.
Die wesentlichste Differenzierung betrifft jedoch den Motor. Hier kommen neu entwickelte VW-Fünfzylinder-Dieselmotoren mit modernster Common-Rail-Technologie zum Einsatz. Mit den neu entwickelten Motoren, den damit verbundenen Verbräuchen, Fahrleistungen und Wartungsintervallen sowie der deutlich verbesserten Akustik stellt sich der Crafter noch markanter als eigenständiges VW-Produkt dar.

Mit 39 Derivaten bietet der Crafter, was Radstände, Längen, Höhen und Aufbauten betrifft, eine enorme Variationsbreite für den Kunden. Wenn nun VW und Mercedes-Benz Ende März gleichzeitig ein Fahrzeug mit sehr ähnlichen Eigenschaften auf den Markt bringen, dann stellt sich die Frage nach gegenseitiger Konkurrenz und Zielgruppe.
Pape: Schon seit Markteinführung des LT2 besteht die Wettbewerbssituation zum Sprinter von Mercedes-Benz. Durch die VW typischen Eigenschaften des Crafters wie Zuverlässigkeit, Ökonomie, Sicherheit und Werthaltigkeit möchten wir nicht nur die bisherigen LT2-Kunden ansprechen, sondern auch neue Kunden gewinnen.

Bleiben wir bei der Optik des Crafters: Mit dem selbstbewussten, Kühler-betonten Design bricht der Crafter aus der bislang eher braven Designlinie aus und erinnert stark an amerikanische Vans und Muscle-Cars. Ist das ein Hinweis, dass VW nicht nur in Europa seine Erfolgsgeschichte weiter schreiben will?
Pape: Spielen Sie auf die Design-Ähnlichkeit zum Constellation an, der überwiegend in Südamerika verkauft wird? Selbstverständlich haben wir vor, den Crafter auch außerhalb Europas zu vertreiben.

Wie sieht es mit der Platzierung im VW-eigenen Nutzfahrzeugsegment aus? Gibt es da Überschneidungen mit Multivan und VW Bus oder der nächst höheren Klasse bis 7,5 Tonnen?
Pape: Der Crafter schließt sich mit seinen Tonnage-Klassen von drei bis fünf Tonnen nahtlos an den T5 an und rundet damit das VW-Transporterangebot bis fünf Tonnen nach oben ab. VW-Nutzfahrzeuge oberhalb fünf Tonnen werden in Europa zur Zeit nicht angeboten.

Crafter bedeutet soviel wie "Einer, der mit anpackt". Dazu zählt auch, dass es wenig Ausfälle gibt. VW hat nun mit neuen Motoren die Wartungsintervalle verlängert und auch die Unterhaltskosten gesenkt. Wie wurde das erreicht?
Schneider: Auf Basis des im LT2 und T4 bewährten Motors wurden alle Motorkomponenten neu gestaltet beziehungsweise grundlegend überarbeitet. Dabei wurden besonders die Lebensdaueranforderungen an leichte Nutzfahrzeuge berücksichtigt. Dadurch konnten die Wartungsintervalle um 50 bis 70 Prozent verlängert werden. Dank der weiterentwickelten Einspritz- und Aufladeverfahren konnte der Motor hinsichtlich Verbrauch und damit Unterhaltskosten optimiert werden.

Wird auch über eine Hybrid-Variante nachgedacht?
Pape: Nein, das ist derzeit für den Crafter nicht geplant.

VW bewirbt den Crafter unter anderem mit den Begriffen höherer Komfort, bessere Qualität und Erhöhung der Fahrzeugsicherheit. Was verbirgt sich hinter diesen Angaben?
Schneider: Hinter dem Begriff höherer Komfort verbirgt sich im Wesentlichen die deutliche Aufwertung des Interieurs. Dazu gehört ein modernes, Pkw-ähnliches Cockpit-Design mit übersichtlicher Instrumentenanordnung. Der Schalthebel wurde durch eine ergonomisch angeordnete Joystick-Schaltung ersetzt. Dadurch ist jetzt ein einfacher Durchgang in den hinteren Fahrzeugbereich möglich. Zahlreiche Ablagen im Dach, in den Türen und im Cockpit sowie hochwertige Materialien runden das Bild ab.
Die Erhöhung der Fahrzeugsicherheit war eine der wichtigsten Zielsetzungen für die Crafter-Entwicklung. Diesem Anspruch wurde durch entsprechende Fahrwerksabstimmung, eine ergonomische, für unterschiedliche Körpergrößen konzipierte Fahrer-Sitzplatzgestaltung sowie serienmäßigen Systemen zur Erhöhung der aktiven und passiven Fahrsicherheit - wie ESP, Airbags, Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer - Rechnung getragen. Die konsequente Umsetzung des hohen VW-Qualitätsanspruchs wurde bereits zum Beginn der Entwicklung in den Lastenheften verankert. Die VW-Freigabe erfolgte in enger Abstimmung zwischen VWN-Entwicklung und VWN-Qualitätssicherung auf Basis umfangreicher eigener Dauerlauferprobungen und Absicherungsläufe.

Neben Sprinter und Crafter sind auch weiterhin potente Konkurrenten im Markt. Womit wird sich der Crafter durchsetzen?
Pape: Die bisher genannten Punkte werden dazu beitragen: drehmomentstarke Fünfzylinderdieselmotoren, herausragende Fahrleistungen und hervorragendes Fahrverhalten, hohe Anforderungen an die Qualität, geringe Betriebskosten und hohe Wertstabilität.

Mercedes beziffert für den neuen Sprinter die Investitionen am firmeneigenen Produktionsstandort Düsseldorf auf 550 Millionen Euro und am Standort Ludwigsfelde auf 300 Millionen Euro. Was hat denn VW in die Entwicklung des Crafters investiert und wo liegen die Schwerpunkte?
Pape: Die VW-Entwicklungskosten bewegen sich im dreistelligen Millionenbereich. Ein wesentlicher Anteil von Volkswagen an der Entwicklung des Crafters ist zunächst das Design, das den Crafter eindeutig vom Schwesterprodukt Sprinter abhebt. Beim Crafter kommen die für den Nutzfahrzeugbereich von Volkswagen neu entwickelten Motoren zum Einsatz. Weiterhin war es uns wichtig, ein wettbewerbsüberlegenes automatisiertes Schaltgetriebe anzubieten. Zusätzlich haben wir bei der Abstimmung des Fahrwerks hinsichtlich VW-typischer Eigenschaften wie Sicherheit und Fahrkomfort sowie beim Korrosionsschutz ganz wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung genommen. Insgesamt sind vor allem die strengen Qualitätsvorgaben von Volkswagen in die Entwicklung des Crafters mit eingeflossen, so dass der Crafter heute alle Volkswagen-Sicherheitsanforderungen erfüllt und höchsten Ansprüchen an Zuverlässigkeit, Werthaltigkeit und Sicherheit genügt.

Autor(en): Ulrich Knorra
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