Mercedes-Zukunft: Dreizylinder in der C-Klasse denkbar
Dr. Thomas Weber stellte gestern (20. Juli 2009) auf der Vor-IAA-Pressekonferenz die SUVs des Daimler-Konzerns mit der sauberen Abgasreinigung BlueTec vor. Die in den USA bereits 2008 eingeführten Diesel-Baureihen der GL-, M- und R-Klasse kämen im Herbst 2009 auch in Europa auf den Markt, sagte das Vorstandsmitglied für Konzernforschung und Entwicklung Mercedes-Benz Cars in Malmsheim. Alle neuen BlueTec-Modelle erfüllten bereits heute die ab 2014 geltenden Emissionsgrenzwerte der avisierten Euro-6-Norm. Bis Ende 2009 würden es 58 BlueEfficiency-Modelle sein, 76 Modelle bis Ende 2010, die sich umweltfreundlich bewegen ließen. Bereits heute gäbe es bei Daimler 116 Fahrzeuge mit Euro 5 und 6.
Diese konkrete Markteinführung nutzte der Forschungsvorstand, um den Kurs der Stuttgarter auf dem Weg zur umweltfreundlichen Mobilität zu skizzieren. "Unser Ziel ist das emissionsfreie Fahren mit Elektroantrieben", erklärte Weber. Die ersten batteriegetriebenen Autos gab es zwar schon um 1908 von Mercedes. Sie konnten sich aber nicht gegen den Verbrennungsmotor im Fahrzeug durchsetzen. Das sei jetzt aus mehreren Gründen anders. Erstens sei ein Umsteuern wegen des Klimawandels notwendig, zweitens sind die Ölreserven endlich, und drittens gelte: "E-Antriebe sind in": 46 Prozent der Autofahrer sind nach einer Continental-Studie offen für den Erwerb eines Elektrofahrzeugs. Und viertens habe die Entwicklung des Elektroantriebs enorme Fortschritte gemacht, weil dank neuer Hard- und Software, innovativer Regelungstechnik sowie Erfolgen bei den Lithium-Ionen-Akkus neues Know-how zur Verfügung stünde.
Weber setzt statt eines Königswegs auf drei Schwerpunkte: die Optimierung des Verbrennungsmotors, die Effizienzsteigerung durch maßgeschneiderte Hybridisierung und das lokal emissionsfreie Fahren mit Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeugen. Die Brennstoffzellenflotte von Daimler hat 4,5 Millionen Testkilometer absolviert, seit 2007 hat man in London hundert Elektro-Smarts im Einsatz. In diesem Jahr 2009 startet noch die Kleinserienproduktion des Smart Fortwo Electric Drive und der B-Klasse F-Cell. In 2010 kommt dann noch die A-Klasse als batterieelektrisches Fahrzeug hinzu.
Als Trend sieht Weber das Konzept BlueZero bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs. Dafür habe Mercedes-Benz einen modularen Hybrid-Systembaukasten entwickelt, der in punkto Leistung und Einsatzspektrum vielfältige Ausbaumöglichkeiten biete: Hybridmodule verschiedener Leistungsstufen und Batterien mit entsprechender Kapazität können mit den Otto- und Dieselmotoren von Mercedes-Benz kombiniert werden. Alle Hybridmodule sind - wie die Vier- und Sechszylinder-Verbrennungsmotoren - mit dem Automatikgetriebe 7G-Tronic kompatibel. Auf dieser Basis könnten alle Varianten des Hybridantriebs realisiert werden: vom Mildhybriden bis hin zum Vollhybriden, der auch rein elektrisch fährt. Eine weitere Option sei der Plug-in-Hybrid, bei dem die Batterie zwecks Steigerung der "elektrischen" Reichweite zusätzlich an der Steckdose aufgeladen werden kann.
Mit diesem breit skalierbaren Modulbaukasten setze Mercedes-Benz Maßstäbe. Anders als andere Premium-Autohersteller hat Mercedes-Benz den Vorteil, dabei auch Synergien innerhalb des Daimler-Konzerns nutzen zu können - ein Beispiel für den Know-how-Transfer zwischen Nutzfahrzeug- und Pkw-Sparte.
Parallel werde das Downsizing plus Benzindirekteinspritzung, Start-Stopp-System und Aufladung bei den Verbrennungsmotoren vorangetrieben. "Mit unserem weltweit drehmomentstärksten Vierzylinder-Dieselmotor kann man sogar die S-Klasse souverän bewegen. Die S-Klasse ist mit weniger als vier Litern denkbar, wenn wir alle Register ziehen", sagte Weber. "Auch ein Dreizylinder in der C-Klasse ist durchaus denkbar. Auf der IAA wird mehr zu sehen sein".
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