04.08.2009

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Hintergrund Formel 1: Verpasste Chance

BMW beendet sein Formel-1-Engagement zum Saisonende 2009: "Natürlich ist uns diese Entscheidung schwer gefallen. Aber dies ist ein konsequenter Schritt vor dem Hintergrund der strategischen Neuausrichtung unseres Unternehmens", sagte Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender der BMW AG, während der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch, 29. Juli 2009, in München.

Den begehrten Titel des Weltmeisters hat BMW in der Formel 1 nicht einfahren können. In der Königsklasse des Motorsports hat die Marke mit dem sportlichen Image über zehn Jahre ihre Chance verpasst. 2009 wollte man endlich um den WM-Titel fahren; geblieben ist bis zum zehnten von insgesamt 17 Rennen eine magere Bilanz: Achter in der Konstrukteurs-WM (acht Punkte) sowie in der Fahrer-WM den 13. (Heidfeld: sechs Punkte) und 15. Platz (Kubica: zwei Punkte). Zu stark ist der Rückstand auf die Spitze, zumal beim vergangenen Rennen in Ungarn Ferrari und McLaren Mercedes zur bewährten Stärke zurückgefunden haben.

Vom Fahren an der Spitze kann BMW Sauber gegenwärtig nur träumen. "In der aktuellen Saison können wir die Erwartungen leider nicht erfüllen", musste Dr. Klaus Draeger, Entwicklungsvorstand bei BMW, anlässlich der Pressekonferenz zum Ende des Formel-1-Engagements gestehen. Die Bekanntgabe von BMW, der Formel 1 den Rücken zu kehren, schlug ungebremst ein. Mit dem Ausstieg von BMW hat wohl kaum jemand in der Branche gerechnet, eher sollten bei Toyota oder Renault die Lichter ausgehen.

Gerade in der diesjährigen Saison stellt sich der Erfolg bei BMW Sauber nicht ein. In einem Jahr, in dem man mehr wollte als den bloßen Sieg im Rennen - der WM-Titel sollte nach München geholt werden, möglichst mit dem in diesem Jahr eingeführten KERS Hybrid (Kinetic Energy Recovery System) an Bord. Schon nach wenigen Rennen mutierte die Technik zum millionenteuren Flop. Selbst BMW fährt nicht mehr mit KERS.

Ausgerechnet Wettbewerber Mercedes stürmte in Ungarn mit diesem System zum ersten "Hybrid"-Sieg in der F1-Geschichte. Hintergrund: Das Energierückgewinnungssystem wurde bekanntlich nur wegen des Vetos von BMW gegen ein Verbot in der Formel 1 eingeführt. Der Gedanke hinter diesem marketingwirksamen Schachzug war nicht schlecht: BMW wollte mit dieser Technik den idealen Bogen vom Motorsport zum Serienautos spannen. Fazit: Es ist nicht gelungen. Wer vor und während der Saison in der Entwicklungsarbeit verstärkt auf KERS gesetzt hat, fährt nun hinterher. Teams wie Brawn und Red Bull haben nicht auf KERS gesetzt.

"Die Formel 1 war für BMW stets die ideale Plattform, um wichtige Markenwerte zu demonstrieren", erklärt Draeger. "Das haben wir jahrelang betrieben und, was den Technologietransfer von der Formel 1 in die Serie angeht, so konsequent umgesetzt wie kein anderer Hersteller." - Nur mit KERS ist das nicht geschehen.

Nur wenige Stunden vor der Pressekonferenz - die Einladung ging erst zwölf Stunden vor deren Start heraus - wurde die Grundsatzentscheidung über die Neustrukturierung des BMW-Motorsport-Engagements in einer Vorstandssitzung getroffen. "Premium wird immer stärker auch über Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit definiert. Wir wollen hier eine Vorbildrolle einnehmen. Im Rahmen unserer Strategie "Number one" stellen wir deshalb alle Projekte unter dem Aspekt Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit auf den Prüfstand. Unser Engagement in der Formel 1 entspricht dabei nicht mehr unserer Hauptzielrichtung", verkündete BMW-Vorstandsvorsitzender Dr. Norbert Reithofer.

Die Münchner betonten, dass nicht die aktuelle Performance in der Formel 1 und die allgemeine wirtschaftliche Situation sie zum Ausstieg bewogen hätten. Hintergrund zur eher hastigen Entscheidung: Die Unterschrift alles F1-Teams unter das neue Concorde-Agreement steht in diesen Tagen an. Es bindet ein Team für drei Jahre, also 2010, 2011 und 2012 an die Formel 1. BMW wollte das nicht.

Aber BMW verabschiedet sich mit dieser Entscheidung nicht aus der Motorsportszene. 2010 wird BMW auch weiterhin im Tourenwagensport und in der Formel BMW starten. Hinzu kommen die Engagements in der ALMS, bei Langstreckenrennen und verstärkt im seriennahen Kundensport. Die Frage, ob BMW denn in der kommenden Saison als Motorenlieferant in der Formel 1 zur Verfügung stehe, antwortete Draeger mit einem deutlichen "Nein".
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Autor(en): Peter Hartmann / auto-reporter.net
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