14.09.2009

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Technik im Alltag: BMW 750i

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Noch vor ein paar Jahren hätten wohl die Meisten, bis auf wenige Ingenieure in den Forschungsabteilungen, abgewunken, wenn man sie nach der Realisierbarkeit des autonomen Fahrens gefragt hätte. Heute sieht das etwas anders aus. Zwar benötigen wir immer noch den Fahrer als letzte Entscheidungsinstanz, die Assistenzsysteme nehmen ihm aber bereits einen großen Teil der Arbeit ab. Zumindest, wenn es sich um eine Oberklasse-Limousine wie dem BMW 7er handelt.

Das Testfahrzeug, ein 750i, hat so ziemlich alles, was derzeit in Serie umsetzbar ist. Selbst, wenn man den Umgang mit den Systemen einigermaßen gewohnt ist, muss man vor Fahrtantritt die entsprechenden Knöpfe erst einmal gedanklich ihren Funktionen zuordnen. Sind dann alle vorhandenen Assistenzsysteme aktiviert, geht es besonders auf der Autobahn beinahe autonom weiter: ACC hält den Abstand zum Vordermann und regelt somit die Geschwindigkeit, im neuen und mittlerweile sehr gut ablesbaren Head-up-Display ist mahnend das momentane Tempolimit angezeigt. Kameras erfassen hierzu Begrenzungsschilder; das hat im Testwagen meistens, aber nicht immer einwandfrei funktioniert. So hat der 7er auch schon mal mitten in der Baustelle die Geschwindigkeitsbegrenzung für aufgehoben erklärt - eigentlich ein sympathischer Zug. Beim Spurwechsel wird der Totwinkel überwacht und gegebenenfalls vor Hindernissen gewarnt, gleichzeitig versichert sich das Auto, ob der Spurwechsel auch gewollt ist und warnt, wenn der Blinker bei Überrollen der Leitlinien nicht aktiviert ist. Es bleibt dem Fahrer also noch das Lenken.

Soviel Unterstützung birgt allerdings auch Gefahren. Denn bei allem Vertrauen in die Technik, muss der Fahrer im Ernstfall doch wieder übernehmen. Da heißt es, trotz der Untätigkeit aufmerksam zu bleiben. Dazu kommt, dass der 7er extrem komfortabel und mit diesem Antriebsstrang kultiviert unterwegs ist. Das lässt kaum Gespür für die tatsächlich Geschwindigkeit aufkommen. So kommt auch der elektronische 250 km/h-Riegel subjektiv deutlich zu früh, erst der Blick auf den Tacho gibt ihm recht.

Dafür ist auch der vehemente und doch für den Fahrer fast unauffällige Vortrieb verantwortlich. Die bekannte Sechsgang-Automatik von ZF schaltet weich und flüssig, der V8-Turbomotor mit 300 kW Leistung ist selbst unter Last nur entfernt zu hören. Das kräftige Bullern, über das wir uns im X6 mit gleichem Antrieb gefreut haben, ist hier - der Oberklasse angemessen - zurückgenommen. Es reist sich gediegen und sehr zügig. Und doch kommt selbst in der seriösen Oberklasse auch der Fahrspaß nicht zu kurz. Fahrwerk und Lenkung vermitteln hohe Agilität. Es entsteht nicht der Eindruck, in einer Zwei-Tonnen-Limousine unterwegs zu sein. Bei Regen-bewässerter Fahrbahn ertappt man sich plötzlich bei Gasstößen vor dem Kurvenscheitel. Und der 7er spielt mit. Bei abgeschwächter ESP-Funktion zeigt er, dass die Fahrsicherheit nicht allein am elektronischen Sicherheitsnetz hängt, sondern auf einem sehr ausgewogenen Fahrwerk basiert. Trotz der Masse jederzeit beherrschbar, macht der 750i auch auf Landstraßen richtig Spaß.

Beim Test mit dem X6 bemängelten wir noch den Verbrauch des Bi-Turbo-V8. Im 7er zeigt er dagegen sein Potenzial: 13,05 Liter ermittelten wir im Gesamtschnitt, bei dem wir wie immer auch sehr zügig gefahrene Autobahn-Etappen mit einrechnen. Für diesen sehr guten Wert ist im Alltag wesentlich die niedrige Drehzahl (1.750 bis 4.500 1/min), bei der das maximale Drehmoment von 600 Newtonmetern bereit steht, verantwortlich. Auch ohne Kickdown verfügt er so in fast allen Fahrsituationen über souveräne Kraftreserven.

Technische Daten

Fazit:
Ruben DanischDer 750i ist von Antriebs- und Fahrwerksseite ein Auto für Selbstfahrer: Neben des sehr hohen Komforts, überzeugt er auch unter fahrdynamischen Aspekten. Der Verbrauch ist dabei für eine Limousine dieser Größe und Leistungsklasse sehr gut. Die im Testwagen enthaltenen Assistenzsysteme zeigen auf, was derzeit möglich ist.

(Ruben Danisch)
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Autor(en): Ruben Danisch
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