30.10.2009

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BMW und Toyota behaupten sich mit ressourceneffizientester Autoproduktion

Finanzkrise, Energiekrise und Klimakrise bedingen wie nie zuvor den sparsamen Umgang mit Ressourcen seitens der Automobilhersteller. Immer noch führend darin sind BMW und Toyota, wobei die Daimler AG aufschließt; grundlegend sind die Effizienzunterschiede in der Automobilproduktion nach wie vor beträchtlich. So lautet das Fazit der Neuauflage der internationalen Studie "Sustainable Value in der Automobilproduktion", in der das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) bewertete, wie effizient 17 der weltweit führenden Automobilhersteller über den Zeitraum von 1999 bis 2007 mit Umweltressourcen, Menschen und Kapital wirtschafteten. Eine Vorgängerstudie hatte die Branchendaten bis 2005 analysiert.

Laut Untersuchung zeichnen sich BMW und Toyota durch einen deutlich effizienteren Umgang mit ihren ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen im Vergleich zur Konkurrenz aus. Im Jahr 2007 erwirtschaftete Toyota demnach einen absoluten nachhaltigen Mehrwert ("Sustainable Value") von 5,26 Milliarden Euro. Toyota hat demnach mit seinen Ressourcen 5,26 Milliarden Euro mehr Gewinn erzielt als die Branche mit diesen Ressourcen im Durchschnitt erwirtschaftet hatte. Zwischenzeitlich erreicht das Branchenschwergewicht im Jahr 2006 sogar den höchsten im Rahmen der Studie gemessenen Wert in Höhe von 7,44 Milliarden Euro.

Neu im Bunde der effizientesten Hersteller befindet sich die Daimler AG: Nachdem das Unternehmen in den Vorjahren - noch als DaimlerChrysler - im Herstellervergleich eher im Mittelfeld zu finden war, erreichte es nach der Abspaltung von Chrysler im Jahr 2007 noch vor BMW mit 3,92 Milliarden Euro den zweithöchsten nachhaltigen Mehrwert. Mit deutlichem Abstand folgt BMW mit 2,82 Milliarden Euro Sustainable Value auf Rang drei. Dies ist allerdings in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass BMW ein erheblich kleineres Unternehmen als Toyota und Daimler ist.

Um den Größenunterschied zu berücksichtigen, berechneten die Wissenschaftler die Nachhaltigkeitseffizienz und setzen den Sustainable Value eines Unternehmens mit dem Umsatz ins Verhältnis. "Berücksichtigt man die Unternehmensgröße, kann sich BMW in sieben der neun betrachteten Jahre als Branchenerster knapp vor dem Wettbewerber Toyota platzieren. Insgesamt liefern sich beide Hersteller aber ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen", erläutert Andrea Liesen vom Berliner IZT.

Am unteren Ende des Rankings findet sich mit deutlichem Abstand General Motors (GM): Der US-amerikanische Hersteller verzeichnet im Jahr 2007 pro Euro Umsatz einen negativen nachhaltigen Mehrwert von -7,5 Cent. Als ebenfalls deutlich ineffizienter als der Branchendurchschnitt erweisen sich laut Analyse Ford und Fiat mit einem Verlust von jeweils -2,6 Cent Sustainable Value pro Euro Umsatz.

Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg fällt auf, dass sich die meisten asiatischen Hersteller über dem Branchendurchschnitt bewegen und mit einem durchgängig positiven Sustainable Value aufwarten: Neben Toyota auch Hyundai, Nissan, Honda und - mit leichten Abstrichen - Suzuki. Im Gegensatz dazu geben die europäischen Hersteller ein durchwachsenes Bild ab: Im Gegensatz zu BMW zeigen sich bei den weiteren europäischen Herstellern DaimlerChrysler/Daimler, PSA, Renault und Volkswagen Licht und Schatten. Fiat weist durchgehend negative Werte auf. Den größten Aufholbedarf zeigen jedoch die nordamerikanischen Hersteller: Während sich Ford auf niedrigem Niveau stabilisiert, befindet sich GM laut Studie im freien Fall.

Die vorliegende Studie betrachtet insgesamt ein Indikatorenset von neun ökologischen, ökonomischen und sozialen Ressourcen - darunter: Kapitaleinsatz, Wasserverbrauch, Gesamtabfallmenge, Emissionen von Kohlendioxid, Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden sowie von flüchtigen organischen Verbindungen. Des weiteren wurde die Anzahl der Arbeitsplätze und der Arbeitsunfälle einbezogen. Die Bewertung basiert auf Daten und Informationen, die von den Unternehmen selbst veröffentlicht wurden. 17 der 20 weltweit größten Autobauer - sie decken laut Dr. Tobias Hahn (Euromed Management School) etwa 80 % der weltweiten Automobilproduktion ab - konnten so in dem Ranking berücksichtigt werden: BMW, Daihatsu, DaimlerChrysler/Daimler, Fiat Auto, Ford, GM, Honda, Hyundai, Isuzu, Mitsubishi, Nissan, PSA, Renault, Suzuki, Tata, Toyota und die Volkswagen Gruppe.

Eine ernüchternde Erkenntnis der Untersuchung ist nach Angaben der Autoren, dass sich die Datenlage auch in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt nicht verbessert habe. Zwar konnte der indische Hersteller Tata im Jahr 2007 erstmals berücksichtigt werden - und weist eine knapp überdurchschnittliche Nachhaltigkeitseffizienz auf - bei anderen Autobauern wie Porsche, Kia oder den chinesischen Herstellern sei die Datenlage jedoch nach wie vor unzureichend. Daihatsu konnte sogar im Gegensatz zu den Vorjahren aufgrund mangelnder Datenverfügbarkeit nicht mehr berücksichtigt werden.

Erstellt wurde die Studie von Wissenschaftlern des Berliner IZT, der Queen's University Belfast und der Euromed Management School Marseille. Die Bewertung erfolgt durch einen Vergleich der einzelnen Unternehmen mit dem Branchendurchschnitt mittels des Sustainable-Value-Ansatzes. Dieser wurde von den beteiligten Wissenschaftlern Prof. Dr. Frank Figge von der Queen's University Belfast und Dr. Tobias Hahn, entwickelt. Der Ansatz wurde in der Zwischenzeit in verschiedenen Studien angewandt. Auftraggeber waren und sind unter anderem die EU-Kommission, das Bundesforschungs- und das Bundeswirtschaftsministerium. Einen öffentlich finanzierten internationalen Branchenvergleich gab es bisher nicht. Die BMW Group hat die Automobilstudie inklusive der vorliegenden Aktualisierung daher selbst in Auftrag gegeben und maßgeblich finanziert.
Die komplete Studie finden Sie hier als PDF-Download.
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Autor(en): Caterina Schröder
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