17.11.2009

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Weiterer Ausbau der bioliq-Pilotanlage am KIT

Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte bioliq-Verfahren ermöglicht es, aus Stroh und anderen land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen vollsynthetischen Diesel- oder Ottokraftstoff herzustellen. Nach den bereits finanzierten Ausbaustufen I und II der Pilotlinie kann das KIT nun auch die noch fehlenden Stufen der Gasreinigung und der Kraftstoffsynthese realisieren. Bund und Land fördern den Ausbau der Pilotanlage auf dem KIT-Campus Nord mit insgesamt elf Millionen Euro.

In dem vierstufigen bioliq-Verfahren wird am KIT ein Kraftstoff hergestellt, dessen Qualität über dem herkömmlicher Biotreibstoffe und selbst der Mineralölprodukte liegen soll. Für den Ausbau der Stufen III und IV im Verfahrensprozess, der Gasreinigung und der Kraftstoffsynthese, überreichte Staatssekretär Gert Lindemann aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gestern, 16. November 2009, dem KIT-Vizepräsidenten für Forschung und Innovation, Dr. Peter Fritz, einen Förderbescheid über zehn Millionen Euro. Das KIT erhält das Geld aus dem Sondervermögen "Investitions- und Tilgungsfonds" des Bundes, das im Rahmen des Konjunkturprogramms II unter anderem Maßnahmen in der Forschung und Entwicklung im Bereich Mobilität vorsieht. "Der vom Karlsruher Institut für Technologie entwickelte bioliq-Prozess verspricht viele Vorteile gegenüber anderen Biomass-to-Liquid-Verfahren. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir die Fertigstellung der Pilotlinie abschließen können", erklärte Gert Lindemann, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Berlin.

Darüber hinaus fördert das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg das Verfahren mit einem Zuschuss von einer Million Euro aus Mitteln der EU-Strukturförderung "Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (RWB)" - Bereich Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

In einem ersten Schritt wird beim bioliq-Verfahren Biomasse durch eine so genannte Schnellpyrolyse dezentral in ein transportfähiges flüssiges Zwischenprodukt mit hoher Energiedichte (bioliqSynCrude) umgewandelt. Stufe II sieht die Vergasung des bioliqSynCrude in einem Hochdruck-Flugstromvergaser und die Erzeugung von Synthesegas vor. Die Anlage dafür befindet sich derzeit im Bau auf dem KIT-Campus Nord.

Als dritte Stufe planen die KIT-Forscher ein dreistufiges Verfahren zur Gasreinigung. Dies habe den Vorteil, beispielsweise gegenüber der Rectisolwäsche, dass das Gas nicht abgekühlt beziehungsweise der Systemdruck nicht verringert werden muss. "Dies bietet enorme Energieeinsparungen, da die anschließende Kraftstoffsynthese wieder bei höheren Temperaturen und Drücken ablaufen muss", erklärt Dr. Nicolaus Dahmen, der das bioliq-Projekt leitet.

Beim anschließenden Syntheseprozess verwenden die Wissenschaftler eine Route über das Zwischenprodukt Dimethylether mit der anschließenden Umwandlung in Kohlenwasserstoffe mit Benzin- oder Dieseleigenschaften. Dieses vergleichsweise einfache Syntheseverfahren wird nach Angaben der Forscher erstmals auf die Verarbeitung von Biomasse angewendet. Es erlaube eine preisgünstigere Herstellung des Kraftstoffs als bei bisherigen Verfahren. "Wenn wir alle Stufen umgesetzt haben, wird es auch eine bioliq-Zapfsäule am KIT geben", betont Dr. Peter Fritz, KIT-Vizepräsidenten für Forschung und Innovation.
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Autor(en): Caterina Schroeder
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