Volkswagen feiert auf der Los Angeles Auto Show (4. bis 13. Dezember 2009) die Weltpremiere des Up! Lite. Ein sparsamer Viersitzer mit Hybridantrieb. Mit einer Antriebskonzeption aus TDI, Elektromotor und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) sowie bester Aerodynamik (cw-Wert: 0,237) drückt Volkswagen nach eigenen Angaben die CO2-Emissionen auf 65 g/km bei einem Durchschnittsverbrauch von 2,44 l/100 km.
Das 2-Liter-Auto könnte , so Volkswagen, weltweit an den Start gehen. Der 695 Kilogramm leichte Volkswagen basiert in weiten Teilen auf Komponenten der künftigen New Small Family, die bereits Ende 2011 in den ersten Ländern auf den Markt kommen wird. Konzipiert wurde der Up! Lite sowohl für kurze Wege in der Stadt, für Berufspendler und für lange Reisen, obwohl der Kraftstofftank mit 20 Litern Fassungsvermögen im Hinblick auf das Gewicht sehr klein gehalten wurde. Dank des geringen Verbrauchs sollen dennoch große Reichweiten von mehr als 800 Kilometern realisierbar sein.
Antriebstechnisches Herzstück des Up! Lite ist der 55 Kilogramm leichte Zweizylinder-Turbodieselmotor 0.8 TDI mit einer Leistung von 38 kW sowie einem maximalen Drehmoment von 120 Newtonmetern (zwischen 1.800 und 2.250 1/min), dessen Derivat an Bord der Studie L1 zum Einsatz kam. Um jedoch den Durchschnittsverbrauch von 2,44 Litern realisieren zu können, muss über die "Eco"-Taste einen Betriebsmodus aktiviert werden, der die Leistung des Motors auf 26 kW zurücknimmt. Der Common-Rail-Motor treibt die Vorderachse an und geht technisch auf den neuen 1,6-Liter-TDI zurück, wie er unter anderem im Golf und Passat BlueMotion zum Einsatz kommt. Da konstruktiv eine Familie, weisen der 0.8 TDI und der 1.6 TDI den identischen Zylinderabstand (88 Millimeter) sowie identische Maße für Bohrung (79,5 Millimeter) und Hub (80,5 Millimeter) auf. Darüber hinaus teilen sich beide Motoren wichtige innermotorische Details zur Emissionssenkung, wie spezielle Kolbenmulden, die Mehrfacheinspritzung und die individuelle Ausrichtung der jeweiligen Einspritzstrahlen. Hier wie dort zählen Abgasrückführung, Oxidationskatalysator und Dieselpartikelfilter zum technischen Package. Das Aluminium-Kurbelgehäuse wurde zudem so konstruiert, dass hohe Formgenauigkeit und damit sehr geringe Reibverluste erreicht werden.
Darüber hinaus sorgt der als Impulsstartmodul (Anlasser, Lichtmaschine und E-Antrieb) ausgelegte Elektromotor (10 kW, bis zu 70 Newtonmeter Drehmoment) für eine Entlastung des TDI und für zusätzlichen Schub sowie die Rückgewinnung kinetischer Energie. Dieses Modul ist auf der Kurbelwelle zwischen dem TDI und dem Siebengang-DSG integriert. Während der Boost-Phasen - etwa beim zügigen Überholen - ergibt sich eine Gesamtleistung des TDI- und E-Motors von 48 kW. Die Studie ist 160 km/h schnell und beschleunigt in 12,5 Sekunden auf 100 km/h.
Der Antrieb des Up! Lite wurde als Vollhybridsystem ausgelegt, sodass die Studie in zwei Betriebsphasen ohne Antrieb des Dieselmotors auskommt: Beim sogenannten Segeln, aktiviert durch das Loslassen des Gaspedals (der Wagen rollt, der TDI-Motor ist abgeschaltet), und über kürzere Distanzen. Die nötige Energie liefert in diesem Fall eine Lithium-Ionen-Batterie. Die Schaltarbeit übernimmt dabei ein Siegengang-DSG, wie es auch im neuen Polo eingesetzt wird. Darüber hinaus ist der Volkswagen mit einem Start-Stopp-System ausgestattet.
Um einen cw-Wert von 0,237 bei einer Stirnfläche von 1,82 Quadratmetern zu realisieren, haben die Entwickler die gesamte Karosserie aerodynamisch optimiert. Flächenbündig eingearbeitet sind zum Beispiel sämtliche Scheiben. Kanten und Absätze wurden vermieden. Das aktive Thermomanagement sorgt zudem dafür, dass der Kühllufteinlass in der Frontpartie nur wenn nötig geöffnet wird. Die kompromisslose Optimierung zeigt sich auch im Wegfall der Außenspiegel. Ihre Funktion übernehmen zwei seitliche Kameras an der Spitze kleiner Winglets sowie eine Heckkamera im Dachkantenspoiler, die ihr Bild auf ein zentrales Display in der Dachkonsole übertragen.
Entscheidend für einen absolut niedrigen Durchschnittsverbrauch war auch die Minimierung des Fahrzeuggewichts auf 695 Kilogramm. So besteht die Karosserie des Up! Lite im wesentlichen aus hochfestem Stahl und Aluminium. Beispiel Plattform: Hier gibt es ein Grundgerüst, das aus warmumgeformten und damit sehr festen Stählen gefertigt wird. Dazu gehören unter anderem die Längsträger, der Mitteltunnel, die Sitzaufnahmen, Bereiche der A-Säulen und die Radhäuser. Aus leichtem Aluminium bestehen Komponenten wie die Böden im Passagier-Fußraum, der Boden hinten samt Reserveradmulde, die Stirnwand zum Motorraum, die hinteren Radhäuser und der Frontscheibenquerträger. Aus Kohlefaserverbundwerkstoff gefertigt wird der vordere Stoßfänger-Querträger.
Im oberen Bereich der Rohkarosserie kommt fast ausschließlich Aluminium zum Einsatz. Hier bestehen nur die Innenteile der B-Säulen und der Dachholme (seitlich vorne) aus hochfestem Stahl. Die sichtbaren Außenabdeckungen der Stoßfänger sind wie üblich aus Kunststoff. Alle anderen Komponenten inklusive der Türen und der Hauben sind aus Aluminium gefertigt. Als Leichtbau-Highlight kann das 1,7 Quadratmeter große Dach der Studie bezeichnet werden: Es wird aus Kohlefaserverbundwerkstoff "gebacken" und wiegt nur 3,3 Kilogramm. Zum Vergleich: Die identische Fläche in Stahlbauweise würde etwa 9,5 kg wiegen, ein Aluminiumdach dieser Größe käme auf ein Gewicht von 5,1 kg.
Optisch tritt der 3,84 Meter lange, 1,40 Meter hohe und 1,60 Meter breite Up! Lite futuristisch und formal eigenständig auf. Im Vergleich zur 2009 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt gezeigten Studie E-Up! (ATZonline berichtete) ist er einerseits flacher, andererseits aufgrund der nochmals höheren aerodynamischen Anforderungen länger und erreicht hier nahezu das Niveau des Polo (3,98 Meter).
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Karosserie und Leichtbau Hand in Hand
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