10.12.2009

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Technik im Alltag: Audi RS6 Avant

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Ein Kombi der oberen Mittelklasse mit 426 kW Leistung und über zwei Tonnen Leergewicht birgt Zündstoff. Nicht nur fahrdynamisch, sondern auch für durchaus berechtigte Diskussionen. Auch wenn er sich rein äußerlich bemüht, sein Leistungspotenzial zu kaschieren und sich verhältnismäßig unauffällig gibt, durchschaut ihn der Kenner. Und der Laie wird spätestens durch den akustischen Beitrag der Endrohre misstrauisch. Also kommt der Fahrer nicht drum herum, sich zu stellen. Das muss allerdings nicht immer negativ sein - der RS6 hat auch viele Fans. Und die Eckdaten lösen bei affinen Mitmenschen durchaus Faszination oder gar Ehrfurcht aus. Doch hartnäckig kommt immer wieder die gleiche Frage: Braucht die Welt so ein Auto? Und darauf kann es nur eine Antwort geben: Das ist Ansichtssache.

Geht man rational an die Fragestellung, ergibt es auf den ersten Blick wenig Sinn, gut zwei Tonnen in 4,6 Sekunden auf 100 km/h zu katapultieren und am Ende mit bis zu 280 km/h über die Autobahn zu fahren. Im alltäglichen Verkehr ist die volle Leistung kaum nutzbar und der Verbrauch schockiert den umweltbewussten Bürger: Der Normverbrauch liegt bei 14 Litern, wir ermittelten auf gut 1500 Testkilometern einen Durchschnitt von 17,81 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer. Das klingt viel und ist es auch, wenn die C02-Bilanz pro Kopf oder Fahrzeug angesetzt wird.

Bleiben wir jedoch bei der rationalen Ebene und klären die Frage: Warum werden solche Autos gebaut? Der RS6 ist ein Technologieträger. Und das ausgerechnet auch auf der umstrittensten Seite, nämlich beim Antrieb. Löst man sich beim Verbrauch nämlich vom absoluten Wert und setzt ihn ausschließlich in Abhängigkeit von Gewicht und Leistung, wird der doppelt aufgeladene V10 plötzlich zum Spritsparkönig. Bricht man den Normverbrauch des RS6 mit diesen Voraussetzungen auf einen Kompaktwagen der 60-Kilowatt-Klasse mit etwa 1,2 Tonnen Gewicht herunter, hat man kaum mehr als einen Liter beim Normverbrauch stehen. Zugegeben, eine extrem theoretische Rechnung. Dennoch vermittelt sie zumindest ansatzweise die Effizienz des Zehnzylinders und gewährt einen Blick in die Zukunft der Ottomotoren - auch in kleineren Fahrzeugklassen.

In der Diskussion kann dieses Argument den Fürsprechern helfen, ganz zu schweigen von den vergleichsweise homöopathischen Stückzahlen, die von Audis derzeit stärkstem Serienmodell auf den Straßen unterwegs sind und somit den Emissions-Anteil in engen Grenzen halten. Der potenzielle Käufer wird sich mit diesen Denkspielen aber wohl eher selten beschäftigen. Für ihn dürfte der emotionale Aspekt im Vordergrund stehen. Und der ist beim RS6 nicht unerheblich, wenn auch - wie schon erwähnt - nicht auf den ersten Blick. Vielleicht ist es gerade die Diskrepanz zwischen äußerlicher Zurückhaltung inklusive maximalem Nutzwert und dem fahrdynamischen Potenzial des RS6, die den Reiz ausmacht. Denn spätestens beim ersten Kick-down ist es mit der Zurückhaltung vorbei. Wie ein explodierender Biedermann mausert sich der Audi vom Lastenesel und Familienkombi zum Supersportler, von der Drehzahl kaum abhängig, schiebt er dank Allradantrieb ohne Traktionsverluste heftig voran, Schaltvorgänge werden mit finsterem Lastwechsel-Grollen dokumentiert. Verantwortlich für den vehementen Vortrieb ist neben der Leistung auch das Drehmoment, das mit maximal 650 Newtonmetern ein Plateau zwischen 1.500 und 6.250 1/min bildet. Eben dieses Plateau sorgt aber auch dafür, dass der Audi nicht zum hektischen Rasen verleitet. Grundsätzlich lädt er dazu ein, mit niedriger Drehzahl zwar zügig, aber entspannt zu reisen.

Natürlich geht es auch anders. Und zwar überraschend anders - nämlich auch in der Querdynamik. 1,2 g gibt Audi als mögliche Querbeschleunigung an. Das klingt ambitioniert, ruft man sich insbesondere das Gewicht des Allrad-Kombis ins Gedächtnis. Doch tatsächlich fährt sich der RS6 nicht wie ein Zweitonner. Äußerst agil und trotz Zehnzylindermotor auf der Vorderachse kaum untersteuernd, lässt er sich sehr exakt um enge Kurvenradien bewegen. Dabei bleibt er auch ohne aktiviertes Regelsystem lange neutral und bis in den Grenzbereich beherrschbar. Und als geradezu unbesiegbar wähnt sich der Fahrer dann beim Herausbeschleunigen. Viel Hilfe kommt bei sportlicher Fahrweise vom Sportfahrwerk mit Stoßdämpfer-Regelsystem und natürlich dem Allradantrieb mit asymmetrisch-dynamischer Momentenverteilung. Auch hier könnte der RS6 Vorreiter sein und dafür sorgen, dass die derzeit noch sehr teure Technik später auch Modellen günstigerer Fahrzeugklassen zugute kommt.

Technische Daten

Fazit:
Ruben DanischDer Audi RS6 fasziniert durch seine Vielseitigkeit und fahrdynamisches Potenzial, das man anhand der Optik nicht erwarten würde. Als eine Art komfortabler Extremsportler zeigt er, was auf Fahrwerks- und Antriebsseite für Spannweiten in einem Fahrzeug umsetzbar sind.

(Ruben Danisch)
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Autor(en): Ruben Danisch
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