15.01.2010

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Kolloquium Elektromobilität: Sich auf den Systemgedanken konzentrieren

"Will man Elektrofahrzeugen zum Durchbruch verhelfen, reicht es nicht aus, einzelne Komponenten zu entwickeln. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, zuverlässige und bezahlbare Gesamtsysteme zu entwickeln." Prof. Rik W. De Doncker, Direktor des E.ON Energy Research Centers (E.ON ERC) und des Instituts für Stromrichtertechnik und elektrische Antriebe (ISEA) zeigte sich auf dem Kolloquium "Elektromobilität" davon überzeugt, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge eine große Zukunft haben. Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft trafen sich am 15. Januar 2010 zu diesem vom ISEA zusammen mit der Forschungsgemeinschaft für Leistungselektronik und Elektrische Antriebe e. V. (FGLA) und dem E.ON ERC veranstalteten Kolloquium im SuperC der RWTH, um zu erfahren, was Antriebs- und Batterieentwickler, Wirtschaftswissenschaftler, Netzexperten und die Energiewirtschaft beim Thema Elektromobilität zu bieten haben und welche Möglichkeiten gesehen werden, die breite Markteinführung dieser automobilen Antriebstechnik zu forcieren.

Konzepte für moderne Elektrofahrzeuge standen im Fokus des Einführungsreferats von Prof. De Doncker. Die meisten der für die Elektromobilität notwendigen Komponenten wie Umrichter, Ladegeräte und auch leistungsstarke Batterien werden, so der Ingenieurwissenschaftler, seit Jahren erfolgreich eingesetzt und stetig weiterentwickelt. Nun gehe es vor allem darum, sich stärker als bisher auf den Systemgedanken zu konzentrieren. Dazu gehöre ganz sicher die enge Verzahnung der weiteren Entwicklungsarbeit mit den Erkenntnissen anderer Fachgebiete aus der Elektrotechnik, aber auch mit den Unternehmen der Automobil- und Energiewirtschaft. In der aktuellen Forschung ist das ISEA unter anderem am BMBF-Projekt "ePerformance", am BMWi-Projekt "Europahybrid" und am RWTH-Projekt "StreetScooter" beteiligt. Darüber hinaus erarbeitet das Institut in Kooperation mit dem Institute for Future Energy Needs an Behavior (Prof. Reinhard Madlener) des E.ON ERC Geschäftsmodelle für den Bereich Elektromobilität.

Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Reinhard Madlener vom E.ON ERC müssten, um die vorhandenen Potenziale der Elektromobilität ausschöpfen zu können, neben technischen, ökonomischen und rechtlichen Hindernissen vor allem die Bedenken der Konsumenten überwunden werden. Madlener sieht im Konzept des Plug-in-Hybrid-Fahrzeugs eine kurzfristig umzusetzende Lösung: Ein solches Fahrzeug verbinde bereits heute die Vorteile reiner Elektrofahrzeuge mit der praktisch uneingeschränkten Reichweite konventioneller Fahrzeuge und könne daher den Weg zu einer langfristig vollständigen Elektromobilität ebnen.

Die Sicht des Energieversorgers verdeutlichte Dr. Jürgen Kruhl von der E.ON Energie AG, München. Für ihn liegen die wesentlichen Herausforderungen in der Verfügbarkeit und Technologie der Ladeinfrastruktur sowie in der Begrenzung der Kosten zukünftiger Elektrofahrzeuge. "Die Menschen wollen sicher sein, dass das teuer erworbene Fahrzeug auch überall aufgeladen werden kann." Um jedoch Dienstleistungen rund um den "neuen Verbraucher Auto" zu gestalten und attraktive Produkte zu entwickeln seien für den Energieversorger etablierte Standards auf Fahrzeug- und Netzseite unabdingbar. Somit müsse der technische Schwerpunkt der Entwicklung auf der zeitlichen Steuerung des Ladevorgangs liegen. Dann könnten Fahrzeugbatterien zusätzlich einen Beitrag zur Integration "überschüssiger" erneuerbarer Energien und damit zur Stabilisierung der Stromversorgungsnetze liefern. Entscheidend sei daher eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern und Energieversorgern an der technischen Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Netz.

Neben den angesprochen Problemfeldern wurden im Verlauf des Kolloquiums auch technische Lösungen und Lösungsansätze zu speziellen Fragestellungen und Projekten der Elektromobilität angesprochen. Beispielsweise ging es um Konzepte für bidirektionale Ladegeräte, Prof. Dirk Uwe Sauer referierte zur Technologie und zur Auslegung von Batteriesystemen. Die Auslegung eines Antriebsstrangs für Hybridfahrzeuge im Rahmen des Europahybrid-Projektes war ebenso ein Thema wie das fakultätsübergreifend entwickelte modulare Fahrzeugkonzept der RWTH "StreetScooter".
(Foto (v. l. n. r.): Prof. Dr. Dirk Uwe Sauer, Prof. Dr. ir. Rik W. De Doncker, Dr. Jürgen Kruhl, Prof. Dr. Reinhard Madlener, RWTH Aachen University/E.ON ERC)
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Autor(en): Caterina Schroeder
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