18.01.2010

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Studie: Überkapazität und Kredite entscheiden über Zukunft der Automobilzulieferer

Deloitte und IHS Global Insight haben in ihrer Studie "Money vs. Technology 2009" die Branche der deutschen Automobilzulieferer unter die Lupe genommen und die Herausforderungen aufgezeigt, die sich durch die sich abzeichnende Erholung ergeben. So äußerten sich 195 Entscheider deutscher Zulieferbetriebe im Rahmen der Studie über die Schwierigkeit, Überkapazitäten abzubauen sowie an Bankkredite zu kommen, die für Neuentwicklungen und -investitionen benötigt werden. Der Branche steht laut Deloitte und IHS Global Insight ein harter Umbruch ins Haus: Zwar werden Überkapazitäten durch gezielte Unternehmensaufkäufe und Strategieanpassungen abgebaut, doch diese Veränderung werde nicht ohne Insolvenzen erfolgen.

Bis November 2009 mussten nach Angaben der Consultingunternehmen bereits 83 Zulieferer Insolvenz anmelden, was sich in 2010 weiter fortsetzen werde. "Wir sehen im Zuge des Branchenumbruchs noch einige Insolvenzen. Das ist zwar hart für die Betroffenen, aus Marktsicht aber unausweichlich. Nur so wird es gelingen, Überkapazitäten abzubauen und wieder auf einen Wachstumskurs zurückzufinden", erläutert Siegfried Frick, Partner Corporate Finance bei Deloitte.

Allerdings wird es nach Meinung der Autoren trotz der absehbaren Insolvenzwelle nicht zu einer umfassenden Konsolidierung der Zulieferindustrie kommen, da einerseits die Automobilhersteller zu große Konzentrationen auf Zuliefererseite vermeiden und andererseits sich die Zulieferer ihrerseits bemühen, jedem Hersteller individuelle Lösungen anzubieten, um Austauschbarkeit durch zu große Einheitlichkeit zu verhindern. Vielmehr zeichne sich ein Trend ab, gescheiterte Unternehmen in Teilen an unterschiedliche Wettbewerber zu verkaufen, um existierende Technologien und Produktionskapazitäten zu erhalten.
Die Problematik der Überkapazität habe sich über die vergangenen Jahren aufgebaut. So besteht nach Ansicht von rund der Hälfte der Befragten ein Überangebot von 30 Prozent im Chassisbau und im Bereich der Fahrzeugelektronik - Gleiches gilt für den Antriebsbereich. Am schwärzesten sehen die Experten den Bereich Innenausstattung - hier wird das Überangebot sogar auf 40 Prozent geschätzt. 57 Prozent der Betriebe planen daher, Kapazitäten abzubauen, außerdem rechnen 54 Prozent der Befragten mit einer Übernahmewelle ab 2011. Die wird laut Studie vor allem Hersteller von Antriebsteilen und -systemen betreffen sowie Chassisbauer und Innenausstatter.

Größtes Hindernis beim Abbau der Überkapazitäten sind nach Einschätzung der Befragten die Banken. Sie vergeben kaum noch Kredite, sodass vielen Unternehmen das Geld für Sanierung oder Übernahmen fehlt. 87 Prozent gaben an, nur noch unter erschwerten Bedingungen an Bankkredite zu kommen. An erster Stelle alternativer Investoren sehen die Zulieferer strategische Investoren, gefolgt von Private-Equity-Gesellschaften und den eigenen Anteilseignern. Auch bei der Geldbeschaffung für Betriebsmittel gehen die Zulieferer laut Studie mit Staatsbürgschaften neue Wege. Allerdings bezeichneten 75 Prozent der Befragten deren Vergabe als unzureichend - was ebenfalls häufig aus der Zurückhaltung der beteiligten Banken resultiere.

Die Problematik der fehlenden finanziellen Mittel beschreibt Siegfried Frick, Partner Corporate Finance bei Deloitte: "Die Krise hat die Finanzdecke kleiner Betriebe stark angegriffen - sie haben jetzt kaum mehr Mittel, auch weil Banken sich bei der Kreditvergabe nach wie vor zurückhalten. Sie können somit nicht vom einsetzenden Aufschwung profitieren, sondern werden im Gegenteil davon sogar bedroht."

Der beginnende Aufschwung birgt noch andere Herausforderungen: Der Markt verlangt nach neuen, energiesparenden Technologien, die noch erhebliche Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen erfordern. Gleichzeitig nehmen bei ausgereiften Technologien der internationale Wettbewerb und der Kostendruck zu. Laut Studie werden Zulieferer und Automobilhersteller diese Herausforderungen nur bewältigen, wenn sie enger als bisher, beispielsweise in der Entwicklung, zusammenarbeiten.

"Unsere Marktuntersuchung zeigt eine wachsende Nachfrage vor allem nach neuer Elektronik, aber auch nach neuer Chassis- oder Antriebstechnik. Hier liegt die Chance europäischer Zulieferer, denn sie verfügen hier über herausragende Expertise. Diese müssen sie weiter ausbauen, um ihre Marktstellung zu verbessern. In keinem Fall darf an Forschung und Entwicklung gespart werden - sonst eröffnen sie branchenfremden Elektronikunternehmen die Chance auf einen Markteintritt", so Christian Müller, Automotive Consultant bei IHS Global Insight.
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Autor(en): Caterina Schröder
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