26.01.2010

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acatech: Wie Deutschland zum Leitanbieter der Elektromobilität werden kann

Wer Elektromobilität in Deutschland nachhaltig voran bringen möchte, sollte vor allem in Forschung und Entwicklung investieren, um marktfähige Komponenten und Systeme sowie die zugehörige Infrastruktur zu schaffen. Konsumanreize nach dem Muster der sogenannten Umweltprämie allein sind kein Weg, hochgesteckte Ziele wie die des "Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität" der Bundesregierung zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in einer Stellungnahme, an der Vertreter der für den Bereich Elektromobilität relevanten Forschungsinstitutionen und Industriezweige mitgewirkt haben. Sie zeigt auf, wie Deutschland Leitanbieter - und nicht nur Leitmarkt - der Elektromobilität werden kann.

Ziel des "Nationalen Entwicklungsplans" ist es, Elektromobilität in Deutschland so zu fördern, dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen fahren. Auch acatech bewertet die Elektromobilität als herausragende Chance für die deutsche Wirtschaft.

Allerdings warnt die Akademie vor überzogenen Erwartungen: Elektroautos werden dem Papier zufolge auch auf längere Sicht in erster Linie eine städtische Mobilitätsform bleiben, weil ihre lokale Emissionsfreiheit dort am besten zur Geltung komme, während ihre geringere Reichweite weniger ins Gewicht falle. Zudem biete die hiesige Verkehrsinfrastruktur in Städten und Ballungsräumen - dezentrale Siedlungsstruktur und gleichzeitig dichtes Verkehrsnetz - gute Voraussetzungen. Darüber hinaus habe Deutschland mit dem weltweit höchsten Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion beste Chancen, Elektromobilität auch als CO2-effiziente Technologie zu realisieren.

"Elektromobilität könnte der nächste Baustein der weltweit als führend angesehenen Umwelttechnologien "Made in Germany" werden", sagte Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. "Nur wenn wir in die Entwicklung der Technik investieren, erzeugen wir nachhaltiges Wachstum und damit Arbeitsplätze in Deutschland. Elektromobilität ist eine Zukunftstechnologie - derzeit kann sie Verbrennungsmotoren nur ergänzen".

Studienleiter Dieter Spath sagte: "Investitionen sollten wir nutzen, um Elektroautos massentauglich zu machen, statt den Kauf von Batteriefahrzeugen zu subventionieren, die derzeit konventionellen Fahrzeugen noch hinterherfahren. Wir müssen die Technologie systemisch weiterentwickeln, also vom Einzelteil bis hin zum Gesamtsystem inklusive Infrastruktur."

Wird der Kauf eines Elektroautos mit 7.000 Euro gefördert – das entspräche laut Akademie dem europäischen Durchschnitt -, wären sieben Milliarden Euro rein rechnerisch notwendig, um auf die von der Bundesregierung geforderte Million Fahrzeuge im Jahr 2020 zu kommen. Direkte Kaufsubventionen allerdings kämen, anders als bei der "Umweltprämie", vor allem einer weniger preissensiblen Kundengruppe zugute, nämlich den Haltern von
Zweit- und Drittfahrzeugen zum Kurzstreckenverkehr in Städten, den so genannten First Movern.

acatech empfiehlt deshalb, weniger durch Kaufanreize zu stimulieren, sondern die im Rahmen der Konjunkturpakete bereit gestellten Mittel stärker in Forschung und Entwicklung zu investieren. Angesichts der angespannten konjunkturellen Situation fehlen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen die Mittel zur Erweiterung und Neuausrichtung des Geschäfts. Den Empfehlungen zufolge sollten sie daher, auch mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit, besonders unterstützt werden. In China, den USA und verschiedenen europäischen Ländern werde die Elektromobilität bereits massiv gefördert. Damit die Forschung – sie ist vor allem bei der Batterietechnik gefragt – nicht als isolierte Einzelinitiativen läuft, sieht die Akademie den Aufbau entsprechender Strukturen als notwendig an. Dazu müssten die Ausrichtung der Hochschulbildung angepasst und integrierte Forschungscluster geschaffen werden.

Ungeachtet der Wachstumschancen der Elektromobilität werden nach Einschätzung von acatech Motoren auf Basis fossiler und zunehmend auch biogener Kraftstoffe (Stichwort Biosprit) für mindestens zwei Jahrzehnte die Straßen dominieren - im Fern- und schweren Güterverkehr sogar noch länger.

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften berät Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen. Darüber hinaus hat es sich die Akademie zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Zu den Mitgliedern der Akademie zählen Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen.
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Autor(en): Caterina Schroeder
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