05.03.2010

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ZVEI-Kompetenztreffen Elektromobilität: Hinter den Kulissen brodelt es

So lange deutsche Akteure aus Politik und Wirtschaft - teilweise leider auch aus Forschung und Entwicklung - sich auf der Metaebene immer wieder coram publico selbst erklären müssen, warum und wie sie heimische Elektroautos auf die Straße bringen wollen, solange wird es eine Flut von Veranstaltungen zu diesem Thema geben. Mit einer festen Größe wird man langfrisig rechnen können: dem Kompetenztreffen Elektromobilität, veranstaltet durch den Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) und der Kölner Messe. Über 300 (Vorjahr 150) Experten und Entscheider aus der Politik, der Automobil-, Energie- sowie Elektro- und Elektronikindustrie und dem Umweltschutz informierten und diskutierten in dieser Woche über den Entwicklungsstand und die Perspektiven einer zukunftsgerechten Elektromobilität. Zur begleitenden Fachausstellung "elektro:mobilia" präsentierten 25 Unternehmen ihr Leistungsportfolio aus den Bereichen Infrastruktur, technische Komponenten, Elektrofahrzeuge und Dienstleistungen.

Die Spreu wird sich in Anbetracht der inflationären Kongress-Szene vom Weizen trennen müssen. Die Veranstalter in Köln handeln zurecht aus der Verantwortung und der Rolle des ZVEI heraus, wichtige industriepolitische Veränderungen mit einem Podium zu begleiten und in den Rängen des Verbandes aktiv zu gestalten. "Die Aufgabe von Politik und Wirtschaft ist es jetzt, diese Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts Hand in Hand voranzubringen", betonte Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. "Unsere Branche, die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, steht mit ihren Kernkompetenzen bereit, damit die Elektromobilität ihren Siegeszug aus Deutschland heraus antritt." In diesem Sinne äußerte sich ebenfalls Christa Thoben (Foto), Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, die das 2. Kompetenztreffen Elektromobilität eröffnete. In Nordrhein-Westfalen sollen sich für Elektromobilität zukünftig auch neue Automobilhersteller und -zulieferer ansiedeln, um den stattfindenden Marktumbruch als Chance für die Wertschöpfung des Industriestandortes Nordrhein-Westfalen zu nutzen. "Bis 2020 sollen in Nordrhein-Westfalen mindestens 250.000 Elektrofahrzeuge fahren", so die Ministerin.

Für Deutschland und heutige Maßstäbe sind das viele E-Fahrzeuge - im Vergleich zu ähnlichen Aktivitäten in internationalen Modellregionen allerdings verschwindend gering. "Befindlichkeiten können wir uns nicht leisten", bemängelt Rainer Bomba. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) mahnt damit zur Eile, den Konkurrenzdruck aus dem Ausland vor Augen. Wie stark dieser Druck ist, vergegenwärtigt Robert Stüssi, President AVERE ( European Association for Battery, Hybrid and Fuel Cell Electric Road Vehicles): "Zählt man allein die E-Fahrzeuge, die im in diesem Jahr in Deutschlands Modellregionen fahren, kann die Summe mit dem Faktor 100 bis 1000 für Aktivitäten in China multipliziert werden." 25.000 Taxis und 17.000 Busse fahren dort bereits elektrisch. 100 Millionen Elektroroller bereiten die Bevölkerung auf die Selbstverständlichkeit des elektrischen Fahrens vor, jährlich kommen 1,5 Millionen hinzu.

Warum brodelte es in Köln? Die genannten Zahlenvergleiche sorgen für Unruhe, die noch gedeckelt ist - jedenfalls in Plenarvorträgen und im Auditorium, das mit wenig Fragen und Thesen reagierte. Der ZVEI-Kongress bot allerdings gute Möglichkeiten für den informellen Diskurs - mit Fachleuten, die als Pragmatiker einen angenehmen Stallgeruch verbreiteten und die aus ihren aktuellen Projekten in den Modellregionen berichteten. Fazit einiger Gespräche mit der ATZelektronik: Der Dampf im Kessel steigt. Ein wunder Punkt, den einer der Teilnehmer als "mal wieder typisch deutsch" bezeichnete: Wir verlieren Zeit und verschwenden Ressourcen, weil die acht Modellregionen in den Konkurrenzkampf untereinander treten. Auch wenn in einigen Bereichen Konkurrenz das Geschäft belebt, sei Arbeitsteilung angesagt. Beispielsweise könnte eine Modellregion Spezialist für Messtechnik werden, und allen anderen ihr Know-how zur Verfügung stellen. National sollte Vorrang vor Regional haben und Doppelarbeit abgeschafft werden. Wie bündelt Deutschland beispielsweise die Messergebnisse, die mit Elektrofahrzeugen oder Hybridbussen eingefahren werden? Die heterogenen Datenstrukturen und Messungen lassen sich allein technisch nicht zusammenführen, jedenfalls noch nicht.

Wenn im nationalen Verbund ein offener Erfahrungsaustausch eingeschränkt ist, wie funktioniert der Know-how-Transfer international? "Das ist kein typisch deutsches Problem", sagt Stüssi, der weltoffene in Portugal lebende Schweizer. Der Mobilitätsexperte bemüht sich seit Jahren um internationale, auch durch Regierungen organisierte Kooperationen und einen Erfahrungsaustausch - meist vergebens: "Es ist schon verrückt, wie das Rad immer wieder neu erfunden wird."

Vielleicht trauen sich Referenten, zu diesen Brennpunktthemen auf dem Podium des 3. Kompetenztreffen Elektromobilität am 23. und 24. Februar 2011 Stellung zu beziehen.
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Autor(en): Markus Schöttle
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