Am gestrigen 25. März 2010 und heute, am 26. März 2010, öffnete die BMW Forschung und Technik GmbH anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens ihre Schatztruhe. Gezeigt wurden während eines Presseworkshops die Konzeptfahrzeuge des letzten Vierteljahrhunderts sowie Zukunftsinnovationen. Dazu zählen sowohl die mittlerweile historischen Forschungsfahrzeuge wie der Roadster Z1 (1988) und das Elektroauto Z11 (1991, weiterentwickelt zum E1 in 1993) als auch einige Weltneuheiten an Innovationen wie ein Engstellenassistent oder ein Prototyp mit Brennstoffzellen-Ottomotor-Hybridantrieb auf BMW-1er-Basis. Von 1985 bis 2003 wurden 29 Z-Forschungsfahrzeuge entwickelt, also vom Z1 bis Z29. Nicht alle geplanten Prototypen wurden auch gebaut, weil der Entwurf verworfen wurde, so dass es sie nur auf dem Reißbrett gibt.
Am 29. Januar 1985 wurde vom BMW-Vorstand, unter Leitung von Eberhard von Kuenheim, die BMW Technik GmbH - intern ZT genannt - in der Hanauer Straße in einem angemieteten Gebäude gegründet. Ulrich Bez wurde zum ersten Geschäftsführer bestellt, der hundert Mitarbeiter einstellen durfte. Als Aufgabenschwerpunkte wurden damals die Entwicklung und der Bau von Konzeptfahrzeugen definiert. In der GmbH wurden alle Forschungsaktivitäten, die im FIZ über die Abteilungen verstreut waren, zusammengeführt. Mit der Umbenennung zur BMW Forschung und Technik GmbH im Jahr 2003 wurde der Fokus auf eine fahrzeugübergreifende Technikentwicklung verlagert.
Auf Bez als Geschäftsführer der GmbH, heute bei Aston Martin, folgte ab 1992 Henning Wallentowitz und von 1994 bis 1999 Mario Theissen, heute BMW Motorsport. Er wurde von 1999 bis 2000 von Ulrich Mellinghoff, heute Daimler, abgelöst, auf den 2003 Raymond Freymann folgte. "Unsere projektbezogene Forschung ist nicht an die aktuelle Produktpalette gebunden, aber natürlich orientieren wir uns an dem Ziel, die charakteristischen Merkmale von Fahrzeugen der BMW Group permanent zu optimieren und unsere Projekte und Themen in die Serienentwicklung zu transferieren", erläuterte Prof. Dr. Raymond Freymann als heutiger Geschäftsführer der BMW Forschung und Technik GmbH.
Eines der ersten Projekte, die von der neuen Tochtergesellschaft umgesetzt wurden, ist der im Jahr 1988 entwickelte Prototyp eines BMW Z1 Coupé. Dieses Fahrzeug entstand im Rahmen einer Konzeptentwicklung auf Basis des allerersten Projekts der neuen Tochter, dem in einer Kleinserie gefertigten Roadster BMW Z1. Das Interesse der Entwickler richtete sich dabei auf Methoden und Technologien für eine möglichst effiziente Erweiterung eines Fahrzeugkonzepts auf zusätzliche Derivate. Eingesetzt wurden die damals gewonnenen Erkenntnisse unter anderem beim Serienmodell BMW Z3, das sowohl als Roadster als auch als Coupé produziert wurde, sowie beim BMW Z4 der ersten Generation, der ebenfalls in einer offenen und einer geschlossenen Variante angeboten wurde.
Neben dem Z13 wurde im gleichen Jahr 1993 der Z15 präsentiert. Dieses erste voll funktionstüchtige Konzeptfahrzeug mit reinem Elektroantrieb war die Weiterentwicklung des schon auf der IAA des Jahres 1991 gezeigten Elektrofahrzeugs BMW Z11. Als Prototyp mit der Modellbezeichnung BMW E1 stellt der sowohl unter aerodynamischen als auch ergonomischen Aspekten wegweisend gestaltete Viersitzer das auch im Alltagsbetrieb herausragend hohe Potenzial seiner emissionsfreien Antriebstechnik unter Beweis. Mit dem BMW E1 konnte eine Reichweite von bis zu 200 km erreicht werden, seine Höchstgeschwindigkeit betrug 120 km/h.
Basierend auf der Spurverlassenswarnung wird der so genannte Engstellenassistent anlässlich des 25-jährigen Bestehens der BMW Forschung und Technik GmbH erstmals öffentlich vorgestellt. Das System steigert die Souveränität beim Befahren von besonders schmalen Fahrspuren. Es hilft dem Fahrer beispielsweise im Bereich von Baustellen, eine Engstelle im Vorhinein richtig einzuschätzen, beim Befahren der schmalen Passage präzise den Kurs zwischen Leitplanke und Lkw zu halten und dabei den Sicherheitsabstand zu beiden Seiten möglichst optimal zu nutzen. Der Engstellenassistent nutzt einen neuen Laserscanner, der das Vorfeld des Fahrzeugs vermisst, sowie die vorhandenen Ultraschallsensoren, die den seitlichen Abstand zu Hindernissen wie Leitplanken oder anderen Fahrzeugen taxieren. Aus den gemeinsam erhobenen Daten wird ein Gesamtbild generiert und als Hinweis für den Fahrer ausgegeben, der es ihm erleichtert, die Fahrsituation vor der Einfahrt in die Engstelle einzuschätzen beziehungsweise während des Befahrens der Engstelle sicher den Kurs zu halten.
BMW forschte und forscht doch noch an der H2-Brennstoffzelle. Nach ein paar Jahren Funkstille wurde jetzt ein BSZ-Hybrid in einem BMW 1er mit 82 Kilowatt gezeigt. Das Forschungsfahrzeug auf Basis eines BMW 1er verfügt über einen Vierzylinder-Ottomotor und eine elektrische Maschine sowie über eine kleine Brennstoffzelle als Hilfsgenerator, der zusammen mit UTC als Auxiliary Power Unit (APU) entwickelt wurde. Die Kombination des Verbrennungsmotors mit einer Brennstoffzelle schafft die Möglichkeit, beide Antriebsarten mit einem jeweils optimalen Wirkungsgrad zu nutzen. Wasserstoff bietet die Vorteile des gewohnt schnellen Nachtankens und einer großen Reichweite. Die Brennstoffzelle ist bezüglich ihrer Größe auf den Einsatz bei niedrigen Geschwindigkeiten in der Stadt abgestimmt; auf Überlandfahrten mit höherem Tempo spielt der Verbrennungsmotor seine Leistungsvorteile aus. Im Stadtverkehr wird die von der APU erzeugte elektrische Energie kontinuierlich in 148 Hochleistungskondensatoren (Supercaps mit 200 Farad) gespeist. Diese Supercaps decken die Leistungsspitzen von 50 bis 60 Kilowatt für Beschleunigungsvorgänge und Ampelstarts ab. Die APU ist gemeinsam mit dem Verbrennungsmotor unter der Fronthaube platziert; der Elektromotor nimmt den Platz des Hinterachsgetriebes ein und treibt die Hinterräder an.
Zum Abschluss sagte Freymann: "Der größte Schatz sind unsere Mitarbeiter" und hob auf der Bühne den Vorhang für seine 200 Mitarbeiter, das Kapital und Know-how der Firma. So hoffen wir, dass auch in Zukunft weitere wegweisende Konzeptautos, Technologieträger und dann Serienfahrzeuge wie die Stilikonen Z1 und Z8 aus der Schatztruhe des Münchner Unternehmens "rollen". Metadaten anzeigen:Autor verbergen |
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