29.03.2010

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Am Verbrennungsmotor führt noch kein Weg vorbei

Unabhängig davon, ob das für 2020 geplante Ziel, eine Million Elektroautos in Deutschland auf die Straße zu bringen, erreicht wird oder nicht: Auf die Vorherrschaft des Verbrennungsmotors wird dies keinen Einfluss haben. Helmut Tschöke, Professor an der Universität Magdeburg und Leiter des Instituts für Mobile Systeme, stellte dies auf dem dritten EID-Kraftstoff-Forum in Hamburg (23. und 24. März) mit einer einfachen Gegenüberstellung klar: "Wir werden bis 2020 auf jeden Fall mehr als eine Million Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor haben, die mit 90 bis 100 Gramm je Kilometer eben so viel CO2 emittieren wie Elektroautos in der Gesamtbilanz." Tschöke unterstrich, dass bei vergleichbarer Anforderung an die Mobilität die niedrigen CO2-Werte von Verbrennungsmotoren von E-Fahrzeugen nicht erreicht würden. Diese hätten aber durchaus ihre Berechtigung in Millionenstädten wie Seoul oder Tokio mit permanentem Stop-and-Go-Verkehr, wäre da nicht ihr Preis. Für Tschöke steht fest: "Alternative Antriebe können wir uns nur leisten, wenn wir mit konventionellen Antrieben noch Geld verdienen." Dabei machte er auf Seiten der OEMs erschreckende Defizite hinsichtlich der Umstellung auf alternative Kraftstoffe aus und mahnte zu mehr Entwicklung. So sei beispielsweise der hohe Kraftstoffeintrag in das Motoröl und sein geringer Austrag bei der Verwendung von Ethanol ein noch ungelöstes Problem.

Gute Zeiten sieht indes Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München, auf die Automobilindustrie zukommen, denn "bis jetzt war noch jede Krise ein wahrer Segen für die Hersteller, was die Innovationsfreude anbetrifft. Insofern hat Bundespräsident Köhler Recht, wenn er höhere Benzinpreise fordert." Über die Verfügbarkeit des Erdöls in den kommenden 200 Jahren macht sich Becker keine Sorgen, allein der Preis am Markt sei maßgebend: "Wenn der Rohölpreis auf 200 Dollar steigt, wird uns das Öl aus allen Knopflöchern fließen."

Einen interessanten Ansatz, trotzdem schon vorher aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern auszusteigen, stellte Eckhard Dinjus, Leiter am Karlsruher Institut für Technologie, vor. Beim so genannten Bioliq-Verfahren kann jede Art von biogenen Reststoffen verwendet werden, die zunächst in einem dezentralen Verfahren zur Energieverdichtung aufbereitet wird, um dann zentral zu Kraftstoffen verarbeitet zu werden. Somit wird der Einzugsbereich zur Mobilisierung von Biomasse drastisch erhöht. Das CO2-Reduktionspotenzial ist beträchtlich, da die Prozessenergie aus der eingesetzten Biomasse bezogen wird. Nach der Errichtung einer Pilotanlage soll der Demonstrationsbetrieb die Grundlage für die weitere Entwicklung sein.

Ebenso nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung steht das Geschäftsmodell der Prokon Nord Energiesysteme. Die dortige Kuppelproduktion erzeugt aus Weizen Ethanol und Produkte für die Nahrungsmittelindustrie wie Gluten.
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Autor(en): Moritz-York von Hohenthal
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