27.04.2010

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Vorausschauendes Notbremssystem von Bosch im A8 in Serie

Das vorausschauende Notbremssystem von Bosch geht erstmals in Serie. Und zwar im neuen Audi A8 (ATZonline berichtete über Licht und Navigation im A8). Das Notbremssystem soll den Fahrer in kritischen Situationen, in denen ein Auffahrunfall droht, wirkungsvoll unterstützen. Und zwar indem es dem Fahrer dabei hilft, besser zu reagieren. Technische Basis sind das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP und die Fernbereich-Radarsensoren LRR3 der adaptiven Geschwindigkeitsregelung ACC (Adaptive Cruise Control), die mit einem Videosensor ergänzt werden. Im A8 kommen die Funktionen erstmals als Teil der pre-sense-Optionen zum Einsatz.

Wie Bosch betont, sind 15 Prozent aller Unfälle mit Verletzten und Getöteten in Deutschland Auffahrunfälle. Vorausschauende Systeme, die die Verkehrssituation vor dem Fahrzeug interpretieren, den Fahrer warnen, unterstützen und schließlich selbsttätig reagieren, könnten die Zahl dieser Unfälle deutlich senken. Je früher und genauer die Szene vor dem Fahrzeug interpretiert werden kann, desto besser können die Fahrerassistenzfunktionen dem Autofahrer helfen. Die Entwickler des Zulieferers ermöglichen daher ein Zusammenspiel von Radar- und Videodaten, um Verkehrssituationen bestmöglich zu erfassen. Neben dem Bremsregelsystem ESPpremium nutzt der Automobilhersteller aus Ingolstadt bei seiner Limousine zwei Fernbereichs-Radarsensoren, die links und rechts im vorderen Stoßfänger untergebracht sind. Die Sensoren der neuen Generation 3 von Bosch können Objekte innerhalb eines Öffnungswinkels von rund 40 Grad bis zu einer Entfernung von etwa 250 Metern erkennen und deren Abstand und Geschwindigkeit ermitteln. Die Videokamera ist in Höhe des Rückspiegels hinter der Frontscheibe angebracht und hat einen Blickwinkel von 42 Grad. Vorteil der Videotechnik ist der hohe Informationsgehalt beziehungsweise der hohe Kontrastumfang, durch den sich Gegenstände wie Personen, Fahrzeuge oder Verkehrsschilder identifizieren lassen, sowie die Winkeldetektion der Objekte. Die Radarsignale liefern Daten über Abstand und Geschwindigkeit der Objekte. Werden beide Informationen mithilfe von Programmen zusammen gebracht, können Muster und Bewegungen schnell erkannt und so die Situation interpretiert werden.

Der A8 ist das erste Fahrzeug, das zur Erfassung des Fahrzeugvorfeldes die Daten von zwei Radarsensoren und einem Videosensor zusammenfasst. Dadurch entsteht eine gute Datenbasis, auf der das Verhalten von Systemen wie ACC und pre-sense-Funktion aufsetzen. Beispielsweise werden von der Seite kommende Fahrzeuge früher erkannt. So hat ein Radarsensor einen Blickwinkel von 30 Grad, zwei Sensoren kommen aber auf insgesamt 40 Grad. Dank des Videosensors lassen sich Objekte schneller klassifizieren.

Erkennt das vorausschauende Notbremssystem ein potenzielles Hindernis, beispielsweise ein sich stark verlangsamendes oder zum Stehen kommendes Fahrzeug, wird in einem ersten Schritt die Bremse auf eine eventuell folgende Notbremsung vorbereitet. Das Bremsregelsystem baut hierfür unmerklich einen leichten Druck auf, so dass sich die Beläge an die Bremsscheiben anlegen und bei einer eventuell folgenden Bremsung sofort für Verzögerung sorgen. Reagiert der Fahrer nicht und nähert sich das Fahrzeug weiter, folgt eine akustische Warnung und anschließend eine von einem kurzen Bremsruck eingeleitete automatische Teilbremsung. Dadurch soll die Aufmerksamkeit des Fahrers auf die Straße gelenkt werden. Erfolgt keine Reaktion und ist eine Kollision nicht mehr zu verhindern, bremst das System rund eine halbe Sekunde vor dem Aufprall selbsttätig mit größtmöglicher Verzögerung, um die Aufprallgeschwindigkeit zu reduzieren und so die Folgen des Unfalls zu mindern. Reagiert der Fahrer auf die automatische Teilbremsung und bremst selbst, erhöht das System den Bremsdruck selbst soweit, dass das Fahrzeug nicht auf das Hindernis aufprallt.

Zudem bietet die Videokamera weitere Assistenzfunktionen: Sie blenden im Bordinstrument beispielsweise das aktuell geltende Tempolimit ein. Ebenfalls erweitert wurde die ACC-Funktion. Mithilfe der Videodaten reagiert das System beispielsweise schneller beim Überholen von Fahrzeugen und beim Einscheren anderer Fahrzeuge in die eigene Fahrspur. Die Signale der Videokamera werden in der Limousine zudem für die automatische Lichtsteuerung sowie die Spurverlassenswarnung genutzt. Weiteren Komfort und Sicherheit bieten Zusatzfunktionen des ESP. Die Berganfahrhilfe beispielsweise unterstützt beim Starten an Steigungen, und im Gespannbetrieb erkennt ESP ein starkes Schlingern des Anhängers und hilft dem Fahrer, diesem entgegenzuwirken.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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