11.05.2010

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Technik im Alltag: Mitsubishi Colt und Citroën C3

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Der Mitsubishi Colt und der Citroën C3 sind beide kompakte Autos mit knapp vier Metern Länge, die jedoch nicht ausschließlich als Stadtwagen konzipiert sind. Wir fuhren beide Modelle mit einem Ottomotor mit 70 Kilowatt und fünf Türen. Der Mitsubishi ist in seiner jetzigen Form bereits seit Ende 2008 auf dem Markt, während der Citroën C3 erst Ende 2009 in den Autohäusern stand.

Beginnen wir mit dem "Senior", dem Mitsubishi Colt Inform 1.3 MPI Polar. Die etwas höhere Karosserieform wirkt sich positiv auf das Raumgefühl aus, so dass selbst größer gewachsene Menschen ohne Platzangst vorne sitzen können. Beim Einsteigen stören einzig die nicht zeitgemäßen Klappgriffe an den Türen, ansonsten ist die Beulengefahr durch Anstoßen des Kopfes am Dachholm sehr gering. Das Cockpit ist nüchtern gehalten und übersichtlich. Die Bedienung ist logisch und wirft keine Fragen auf.

Beim Fahren enttäuscht der Motor mit den 70 Kilowatt jedoch. Für die angegebene Leistung ist er sehr spurtschwach und sehr laut - vor allem auf der Autobahn. Leistung bringt er erst in sehr hohen Drehzahlbereichen jenseits der 4000 1/min. Der Testverbrauch lag bei hohem Autobahnanteil mit knapp zehn Litern sehr deutlich über den angegebenen sechs Litern. Die Lenkung ist sehr direkt, das Fahrwerk nicht gerade straff abgestimmt. Auch die Schaltung könnte präziser und leichtgängiger sein.

Mitfahrer finden auch auf der Rückbank ausreichend Platz und viel Kopffreiheit. Fährt jedoch ein Kind mit Kindersitz für größere Kinder (Klasse III) mit, der nicht fest im Fahrzeug verankert ist, kippt der Sitz in Kurven stark zur Seite. Auch auf den vorderen Sitzen ist der Seitenhalt nicht gerade stark. Der Klappmechanismus der Rückbank ist simpel und sehr gelungen. Die Sitzlehnen klappen zu einem Drittel und zwei Dritteln geteilt einfach nach vorn und es entsteht eine ebene Ladefläche ganz ohne Ausbauen von Kopfstützen. Der Kofferraum hat einen doppelten Boden, der, wenn er nicht benötigt wird, einfach hinter die Rücksitze geschoben werden kann - so ist er nicht im Weg. Der Kofferraum selbst ist nicht gerade üppig, aber brauchbar (eine Literangabe konnten wir nur für das maximale Ladevolumen finden, welches 1032 Liter beträgt).

Beim Umsteigen in den Citroën C3 VTI 95 Tendance wird deutlich, dass es sich hier um das neuere der beiden Autos handelt. Alles ist moderner und wirkt deutlich hochwertiger und eleganter als im Mitsubishi. Hier gibt es ein phänomenales Raumgefühl, denn der Clou ist hier die bis zu den Fahrersitzen hochgezogene Frontscheibe. Bei zu viel Sonne kann ein Rollo vorgezogen beziehungsweise wieder zurückgeschoben werden. Dies muss jedoch immer mit dem Beifahrer abgesprochen werden, da man sonst bei herunter geklappter Sonnenblende dem anderen den Kopf zwischen Blende und Kopfstütze einklemmt, was sehr unbequem ist und die Sicht nach vorne nimmt (...für den Fahrer besonders unangenehm!). Was nach oben und vorne an guter Sicht vorhanden ist, fehlt, wenn man nach hinten schauen will, zum Beispiel beim Einparken.

Mit vier Personen kann man bequem auch längere Autobahnstrecken (Frankfurt/Main nach Köln) im C3 zurücklegen. Für längere Strecken wäre ein sechster Gang jedoch wünschenswert, um die Drehzahl verringern zu können und so mehr Ruhe und Sprit zu haben. Der Euro-5-Motor aus der PSA-BMW-Kooperation ist um einiges spritziger als der auf dem Papier gleichstarke Antrieb des Mitsubishi Colt (Euro 4). Man kommt mit ihm gut und zügig voran, nur bei größeren Steigungen kommt der Motor an seine Grenze. Er verbrauchte im Test nur 7,45 Liter pro 100 Kilometer.

Der Wermutstropfen ist hier das Fahrwerk. Es ist bei ruhiger Fahrt zwar kommod, aber wird dann schnell schwammig und führt bei Unebenheiten in Kurven zu einem gefährlichen Aufschaukeln, bis hin zum ESP-Eingriff.

Der Klappmechanismus der Bank ist nicht so gut wie im Colt, sie lässt sich zwar zu einem Drittel und zwei Dritteln umklappen, es entsteht jedoch durch die Wickeltechnik keine ebene Fläche. Auch stört hier die hohe Ladekante, die nicht durch einen doppelten Kofferraumboden umgangen werden kann. Der Kofferraum selbst hat mit minimal 300 Litern eine für diese Fahrzeugklasse durchaus akzeptable Größe.

Unser Testwagen war mit Navigationssystem ausgestattet, welches jedoch nicht ganz einfach zu bedienen ist und dadurch ablenkt. Praktisch ist die integrierte Bluetooth-Freisprecheinrichtung, die mit jedem bluetoothfähigen Handy genutzt werden kann. Beides ist für den Colt nicht erhältlich.

So wie insgesamt die Liste der Sonderausstattung beim C3 um einiges umfangreicher ist als beim Mitsubishi. Dieser erscheint insgesamt trotz etwa gleicher Dimensionen fast eine ganze Klasse unter dem Citroën. Preislich unterscheiden sich die Einstiegsmodelle kaum, der am einfachsten ausgestattete Citroën mit 44 Kilowatt und 1,1-l-Motor kostet 12.700 Euro, der entsprechende Colt 11.990 Euro, wobei hier das beim C3 serienmäßige ESP fehlt. Bei Citroën ist die Liste der Sonderausstattungen lang, was den Preis für das teuerste Modell mit 82-Kilowatt-Dieselmotor und Vollausstattung auf 22.000 Euro klettern lässt. Der schon sehr gut ausgestattete Testwagen für die ATZ-Redaktion kostete 18.770 Euro. Für den Mitsubishi sind nur Ottomotoren erhältlich, von denen der stärkste 70 Kilowatt leistet und voll ausgestattet zirka 16.000 Euro kostet. Nicht erhältlich sind hier beispielsweise elektrische Fensterheber hinten und eine Einparkhilfe.

Technische Daten

Fazit:
Michael Reichenbach

Der Citroën C3 wirkt trotz identischer Außenmaße eine ganze Klasse hochwertiger, das Fahrwerk stört meine Bilanz wenig. Der Mitsubishi Colt hat das cleverere Klappsystem. Insgesamt wirkt er einfacher gestrickt als der C3, der für mich den Vergleich klar gewinnt.

(Michael Reichenbach)

  
Weitere Stimmen aus der Redaktion:
Ruben Danisch

Für einen Kompaktwagen mutet der C3 sehr hochwertig an, auch durch sein tolles Panoramadach. Das angenehme und komfortable Fahrwerk neigt in Kurven bei Bodenwellen zum gefährlichen Aufschaukeln. Die Lenkung ist mir zu leichtgängig.

(Ruben Danisch)

Ulrich Knorra

Den Colt mag ich wegen seines guten Raumgefühls, das aggressive Frontdesign schreckt mich aber ab. Die Parfümierung im C3 ist nervig. Sein Motor war in den Kassler Bergen überfordert.

(Ulrich Knorra)

Markus Schoettle

Am C3 erfreut mich die "französische Weichheit" des Fahrwerks, aber die Radio- und Navi-Bedienung ist zu kompliziert. Der Colt punktet bei mir mit seinem auch guten Raumgefühl und endlich mal wieder problemlosem Umklappen der Rücksitze zu einer planen Ladefläche.

(Markus Schöttle)

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Autor(en): Michael Reichenbach
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