08.06.2010

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Technik im Alltag: Qualitäten des Peugeot 3008

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Erst einmal wirken lassen. Nicht Messungen und abgelesene Werte, sondern zunächst der gefühlte Eindruck soll das erste Urteil über den Peugeot 3008 geben. Im Schnelldurchlauf: Qualitätsanmutung im Innenraum, hier haben die Franzosen zugelegt. Sie mussten auch. Die Drehmomententfaltung des Benziners erfüllt die Erwartungen von verwöhnten Dieselfans. Beeindruckende Laufruhe, der Eindruck bestätigt sich auch bei forcierter Beschleunigung. Fahrstabililtät und Ansprechverhalten von Lenkung und Fahrwerk ist für den hochbauenden SUV überraschend gut. Spätestens jetzt platzt die Neugierde, welche Gründe wohl unseren Kollegen Ruben Danisch dazu bewegt haben, genau diese Ausstattungsvariante des 3008 in den Test zu schicken. Unter anderem ist es die Wankstabilisierung, die bisher der Oberklasse vorbehalten war.

Schneller als bei manch anderem Testwagen im Pool der ATZ-Redaktion erschließen sich die wichtigsten Charaktere des Franzosen, die den SUV nach vier Jahren der Entwicklung prägen sollten. Nicht hilfreiche Geister, sondern eine Wankstabilisierung namens Dynamic Rolling Control bringt den Peugeot auch in unseren schnell gefahrenen unebenen Standardkurven nicht aus der Ruhe. Basis des mit 20 bar arbeitenden dynamischen Wankausgleichs ist eine Art dritter Stoßdämpfer, montiert auf dem Querträger der Hinterachse, der als hydraulisches Verbindungsmodul zwischen den Stoßdämpfern am Radträger fungiert.

Das stabile Fahrverhalten lädt dazu ein, die Leistung des turboaufgeladenen 115-Kilowatt-Ottomotors abzufordern. Der 1,6-Liter-Motor (Euro-5-Norm) überzeugt mit 156 Newtonmetern, die bereits bei 1000 1/min für dieselähnliche Kraft sorgen. Das maximale Drehmoment erreicht das THP-unterstützte Aggregat (THP steht für Turbo High Pressure) bei frühen 1400 1/min. Serienmäßig kombiniert Peugeot ein Sechsgang-Schaltgetriebe mit diesem Motor, das präzise Gangwechsel ermöglicht. Die Verbrauchswerte des 1500 Kilogramm wiegenden SUV liegen zwischen 7,7 Liter (Drittelmix bei moderater Fahrweise) und 10,3 Liter (Hochgeschwindigkeit) auf 100 Kilometer. Ein Verbrauch von 8,5 Liter auf 100 Kilometer bei flotten Fahrten gilt als Richtschnur. Der Vierzylinder-Reihenmotor zeichnet sich durch eine auffallend angenehme Laufruhe aus, die bereits während der Kaltlaufphasen spürbar ist und sich auch bei Beschleunigungen weiter bestätigt.

Die Ingenieure entschieden sich trotz der Positionierung als SUV gegen einen Allradantrieb. Der soll ab 2011 ergänzt werden, in Form einer elektrischen Hinterachse im "3008 Hybrid4". Peugeot verspricht dann eine Senkung des heutigen CO2-Ausstoßes von 163 Gramm pro Kilometer um 35 Prozent und die Möglichkeit, auf wenigen Kilometern ausschließlich elektrisch zu fahren. Kein Allrad, dafür weniger Verbrauch, so lautet die Entscheidung der Franzosen. Somit pendelt sich Peugeot im Markt der Alleskönner auf den realen Nutzen im Alltag ein. Qualitäten eines SUV, eines Van und einer Limousine sind im variablen Raumkonzept eher zu spüren als beim Fahren auf der Straße oder im Gelände. Hier kann der Fahrer zwischen fünf verschiedenen Betriebsarten wählen: Standard, Schnee, Schlamm, Sand und "ESP ausgeschaltet". Basis der Spielmöglichkeiten ist eine patentierte Traktionshilfe namens Grip Control. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der Antriebsschlupfregelung, die optional erhältlich ist.

Ebenfalls aufpreispflichtig ist das sogenannte Innovationspaket in der Premiumausstattung unseres Testwagens. Es beinhaltet Abstandswarner, Reifendrucksensor und Head-up-Display. Mit dem Display geht Peugeot neue Wege und wartet mit einer pragmatischen Lösung nicht auf die zweite und dritte Generation aufwändiger Projektionstechniken, die sich nur ab der Oberklasse rechnen mögen. Die wichtigsten fahrrelevanten Informationen werden auf eine ausklappbare Polycarbonat-Scheibe im Sichtfeld des Fahrers projiziert. Die Technik unterstützt den Fahrer, auch wenn sie relativ einfach ausgeführt ist und premiumverwöhnte Fahrer etwas schmunzeln lässt. Etwas ernsthafter beäugt man die Sicherheitsfunktion des Abstandswarners. Wenn schon der technische Aufwand in Verbindung mit Tempomatfunktion betrieben wird, ist der Weg zum Adaptive Cruise Control nicht weit. ACC wird vermisst.

Technische Daten

Fazit:
Markus Schoettle

Der Peugeot 3008 regt zur erneuten Diskussion an: Einer oft geführten Auseinandersetzung, was Alleskönner können müssen, und vor allem, wie gut sie in den einzelnen Disziplinen abzuschneiden haben. Der Boden der Tatsachen ist die Straße und nicht das Gelände. Peugeot hat das gut gelöst. Interessant ist auch ein weitergehender Erfahrungsaustausch Otto- gegen Dieselmotor. Die Stärken des turbounterstützten Benziners im 3008 regen zum Nachdenken an. Genauso wie die pragmatische Lösung des Head-up-Displays. Warum muss alles immer perfekt sein?

(Markus Schöttle)

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Autor(en): Markus Schöttle
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