28.06.2010

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Recaro: Bionisches Sitzkonzept für Elektrofahrzeuge

Mit einem neuen Sitzkonzept namens Pure Seating reduziert der Sitze-Anbieter Recaro radikal Gewicht durch intelligente Konstruktionsideen, um Stadtfahrzeuge und Elektroautos besser realisieren zu können. Die Idee dahinter ist die Konzentration auf das Wesentliche, der Gedanke nach Vereinfachung, Gewichtsreduktion, einem höheren Raumangebot und einem attraktiven Design. So werden drei Verstellwege, die bislang einzeln eingestellt wurden, im neuen Konzept durch eine gewichtsreduzierte, kombinierte Verstellmechanik ersetzt.

Es kommt eine leichte, einteilige Sitzschale zum Einsatz, die bereits über eine ergonomisch-geformte Kontur ausreichend Komfort für kurze Strecken bietet. Das macht weitere Komfortmerkmale überflüssig. Schaum und Bezug kommen als Sitzpads dort zum Tragen, wo es für den Komfort notwendig ist. Dies lässt einerseits ebenfalls eine zusätzliche Gewichtsreduktion zu, erlaubt andererseits ein ansprechendes Design. Durch das schlanke Sitzdesign entsteht mehr Lebensraum für die Insassen; daneben ermöglicht es den Automobilherstellern, die Fahrzeugabmessungen zu reduzieren.

Bei der Gestaltung der Schale ließen sich die Konstrukteure durch Vorbilder aus der Natur inspirieren (Bionik). Was einem Reptilienpanzer die überlebenswichtige Stabilität verleiht, wurde an der Schale in Form einer konkav-konvex durchstrukturierten Oberfläche realisiert. Das Resultat ist eine hohe Formstabilität, die weitere Verstärkungselemente überflüssig macht. Die in diese Oberfläche eingefügten, kiemenartigen Öffnungen dienen der Durchlüftung und tragen wesentlich zu einer Verbesserung des Mikroklimas im Körperkontaktbereich des Sitzes bei. Um den Leichtbaugedanken mit minimiertem Materialaufwand zu realisieren, wurde noch ein anderes Konstruktionsprinzip aus der Natur entlehnt. Der strukturelle Aufbau eines Vogelknochens wurde in dieser Studie zu einem intelligenten Hohlkammeraufbau der Schale weiterentwickelt und erreicht so eine hohe Stabilität bei geringem Gewicht.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in der Stadt. Grund genug für den Sitzspezialisten Recaro die Sitzanforderungen für Stadt- und Elektrofahrzeuge unter die Lupe zu nehmen. Weltweit zieht es die Menschen vom Land in die Städte. Der Anteil der Stadtbevölkerung soll sich innerhalb von 100 Jahren mehr als verdoppeln - 1950 lag der Anteil noch bei etwa 30 Prozent. Mit dieser Entwicklung verändern sich die Anforderungen der Menschen an die Mobilität - eine neue Generation urbaner Fahrzeuge entsteht. Es sind Kurzstrecken- und Elektrofahrzeuge, die als Stadtautos für eine attraktive, individuelle Mobilität zu sorgen haben. Die Stadtfahrzeuge beanspruchen wenig Parkraum. Daneben ist trotz geringerer Fahrzeugmaße das Nutzvolumen Hauptaugenmerk der Fahrzeugentwickler. In den hektischen Städten wird für die Insassen der Wohlfühl-Faktor im Fahrzeug immer wichtiger, entwickelt sich das Fahrzeug doch immer mehr zu einem dritten Lebensraum neben dem Zuhause und dem Büro.

Betrachtet man die bisherigen Fahrzeugsitz-Entwicklungen, so waren diese durch die Langstreckentauglichkeit charakterisiert - komplexe, schwere Fahrzeugsitze mit zahlreichen Komfortfunktionen und einem hohen Grad an Elektrifizierung. Daher hatten sich die Entwickler von Recaro mit der elementaren Grundfunktion des Sitzens, mit dem Kern des Sitzens, beschäftigt. Die zentralen Fragestellungen lauteten - immer aus Sicht des Insassen: Was ist dem Endkunden wichtig? Was benötigt er tatsächlich?
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Autor(en): Michael Reichenbach
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