08.07.2010

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Bosch stellt langfristige Strategie für Elektromobilität vor

Beim gestrigen Presseworkshop von Bosch wurde deutlich, mit wie viel Aufwand und Vorleistung, aber auch mit wie viel Zuversicht sich der Automobilzulieferer in dem noch "unsicheren" Markt für Hybrid- und Elektrofahrzeuge bewegt. Unsicher ist beispielsweise die künftige Rollenverteilung bei der Zulieferung von Komponenten. Einige Automobilhersteller planen, Elektromotoren in Eigenregie zu entwickeln und zu fertigen. "Wir werden gute Argumente dafür haben, uns hier mit der langjährigen Expertise und intelligenten Optimierungen weiter zu behaupten", sagt Dr. Rolf Bulander, Vorsitzender des Bereichsvorstands Gasoline Systems bei der Robert Bosch GmbH.

Spannend sind weitere strategische Weichenstellungen, beispielsweise im Markt der Energiespeicher: "In den kommenden zwei Jahren wird sich das heute noch sehr heterogene Feld der Anbieter konsolidieren und auch konsolidieren müssen", prognostiziert Dr. Joachim Fetzer, Executive Vice President von SB Limotive, einem Gemeinschaftsunternehmen von Bosch und Samsung SDI. Viele Zellen-Anbieter würden von der Bildfläche verschwinden, einige werden von den größeren geschluckt. Mit Kooperationen unterstütze man die hier und heute notwendigen Maßnahmen zur Standartzelle in der Lithium-Ionen-Technik. Mit Samsung nutzt Bosch das Fertigungs-Know-how eines der weltgrößten Batteriehersteller, das sich auch für automobilspezifische Fabrikationen anwenden lässt. SB Limotive dürfte damit zu "den Großen" zählen.

Trotz Zuversicht halten sich Bosch und SB Limotive mit Stückzahl-Prognosen zurück. Derzeit konzentriert man sich im Joint-Venture und in den jetzt anstehenden kleinen Fertigungen von Lithium-Ionen-Zellen auf die sogenannte Energiezelle, also auf die Variante für Elektrofahrzeuge. Leistungszellen, wie sie für Hybridfahrzeuge benötigt werden, stehen scheinbar hinten an. Erste Wahl für Hybridfahrzeuge ist derzeit die Nickel-Metallhydrid-Batterie von Sanyo, die in den Hybrid-Fahrzeugen Porsche Cayenne S und Volkswagen Touareg für elektrische Kraft sorgt.

Mit diesen beiden Fahrzeugen sind im Jahr 2010 die weltweit ersten Fahrzeuge mit der Parallel-Hybridtechnik von Bosch auf den Markt gekommen. Weiterhin hat PSA Peugeot Citroen mit Bosch eine Entwicklungskooperation für Diesel-Hybridfahrzeuge mit elektrischem Allradantrieb gegründet, die ab 2011 in Serie gehen werden. "Hierfür entwickeln und fertigen wir die Leistungselektronik sowie Elektromotoren", sagt Matthias Küsell, Leiter Entwicklung und Kundenprojekte Elektrofahrzeug- und Hybridsysteme. Weitere Projekte aus dem 2009 bei Bosch etablierten Produktbereich werden folgen. Im Jahr 2004 startete das damalige "Projekthaus Hybridtechnologie" mit rund 100 Mitarbeitern. Heute entwickeln bei Bosch weltweit rund 800 Mitarbeiter Technologien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Hinzu kommen die rund 650 Mitarbeiter im Joint-Venture SB Limotive. Erster Kunde des 2008 gegründeten Unternehmens ist BMW. Der bayerische Automobilhersteller wird bei SB Limotive die Batteriezellen für das rein elektrisch angetriebene Megacity Vehicle beziehen.

Für Hybrid- und elektrische Antriebe hat Bosch bereits ein vollständiges Produktportfolio aufgebaut. Dazu zählen Kernkomponenten wie die Leistungselektronik, die die Energieströme im Hybrid- und Elektrofahrzeug steuert, und drehmomentstarke Elektromotoren. Für Leistungselektronik entsteht derzeit am Standort Reutlingen eine erste Serienfertigung, für Elektromotoren in Hildesheim. Hinzu kommen Ladegeräte, die bei Plug-in-Hybriden und Elektroautos ein Aufladen an der Steckdose ermöglichen. "Zielsetzung bei der Weiterentwicklung dieser Komponenten ist es nun, deren Gewicht und Bauraum zu reduzieren sowie deren Wirkungsgrad zu steigern, um mit der vorhandenen Batteriekapazität eine möglichst große Reichweite des Elektrofahrzeugs zu erzielen", ergänzt Küsell. Rund 400 Millionen Euro fließen im Jahr bei Bosch in Entwicklungen für die Elektrifizierung des Antriebs. Die Nutzung von Hybrid- und elektrischen Antrieben hat Einfluss auf viele weitere Komponenten und Systeme im Fahrzeug. Bosch investiert auch hier. Dazu zählen effiziente Nebenaggregate, wie elektrisch angetriebene Lenkunterstützungen. Hinzu kommen speziell auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge abgestimmte Brems- und ESP-Systeme, die die Bremsleistung zwischen konventioneller Reibbremse und generatorischem Bremsen koordinieren. Dazu gehören weiterhin ein effizientes Thermomanagement für Heiz- und Kühlsysteme im E-Fahrzeug oder Navigationssysteme, die die optimale und energiesparendste Route berechnen.

"Elektromobilität bedeutet mehr als nur Antriebskomponenten", führt Küsell weiter aus. Zur Erforschung und Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen engagiert sich Bosch gemeinsam mit weiteren Unternehmen in drei von öffentlicher Hand geförderten Projekten, die die wesentlichen Entwicklungsfelder der Elektromobilität abdecken: "e performance" im Bereich des Elektrofahrzeugs selber, "MeRegio-Mobil" mit der Einbindung des Elektrofahrzeugs in eine künftige Lade-Infrastruktur und mit neuen Mobilitätsdienstleistungen, wie die, die im Projekt "BeMobility" erprobt werden. Bosch leistet im Rahmen dieser Projekte mit seinem Know-how einen Beitrag, Technik, Infrastrukturen und Mobilitätskonzepte zu erforschen, zu bewerten und weiterzuentwickeln, um damit die Voraussetzungen für die sukzessive Markteinführung von Elektrofahrzeugen zu schaffen. So erwartet Bosch für das Jahr 2020 weltweit rund drei Millionen Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride sowie etwa sechs Millionen Hybridautos bei rund 100 Millionen neu produzierten Fahrzeugen. Allerdings könnte diese Zahl in Abhängigkeit von künftigen gesetzgeberischer Vorgaben, steigenden Kraftstoffpreisen und den Fortschritten bei der Batterietechnik variieren, schließt Bulander.

"Auch wenn dem Elektrofahrzeug auf lange Sicht die Zukunft gehört, wird deutlich, dass der Verbrennungsmotor in den kommenden 20 Jahren noch der dominierende Antrieb sein wird."
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Autor(en): Markus Schöttle
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