12.07.2010

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Technik im Alltag: Aus Sechs mach Vier - der VW Golf R

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Über Downsizing reden alle, den mutigen Schritt, auf einige Zylinder zu verzichten, vollziehen wenige. Insbesondere wenn es sich um Hochleistungsfahrzeuge handelt. Mit dem Golf R, der jüngst den ATZ-Praxistest durchlief, beweist Volkswagen, dass weniger durchaus mehr sein kann.

Die aktuelle R-Version ist auf dem Papier der stärkste Golf, den Volkswagen jemals auf die Menschheit losgelassen hat. Die Eckdaten, 199 Kilowatt Nennleistung und 350 Newtonmeter maximales Drehmoment, sind an sich schon beeindruckend. Besonders, wenn man weiß, dass der Antrieb durch einen Vierzylindermotor mit 2,0 Liter Hubraum erfolgt. Der Vorgänger, basierend auf dem Golf V, benötigte noch sechs Zylinder und 3,2 Liter Hubraum, um mit 184 Kilowatt und 330 Newtonmeter dem aktuellen Spitzenmodell nahe zu kommen.

Wie fährt es sich mit einer Literleistung von rund 100 Kilowatt je Liter Hubraum, ein Wert der vor zwanzig Jahren noch Rennmotoren vorbehalten war? Da wir die Möglichkeit zu einem direkten Vergleich nicht hatten, fuhren wir mit dem Golf R zur Donau Classic, an der wir im Team des Ingenieurdienstleisters Edag in einem Jaguar E-Type, Baujahr 1970, teilnahmen. Der E-Type holt aus seinem Zwölfzylindermotor mit 4,2 Litern Hubraum 265 PS (195 Kilowatt) -ziemlich exakt die gleiche Leistung und ist damit das Gegenteil von Downsizing.

Die Kraftentfaltung des Golf R erfolgt, für uns überraschend, beinahe saugmotorartig harmonisch, obwohl der Abgasturbolader bei Volllast mit bis zu 1,3 bar Ladedruck arbeitet. Ab einer Motordrehzahl von 1200 1/min baut sich das Drehmoment scheinbar linear auf, bei 2500 1/min ist bereits das Maximum erreicht, das dann über einen weiten Drehzahlbereich konstant bleibt. In der Folge sind Schaltungen äußerst selten notwendig, der zu Testbeginn angesichts des zwar lieferbaren, aber nicht vorhandenen DSG vermutete Phantomschmerz hielt sich also in Grenzen. Den Jaguar fuhren wir übrigens ebenfalls schaltarm, was erstens daran liegt, dass er nur vier Gänge hat, und zweitens daran, dass die Synchronisation des zweiten Ganges defekt war, so dass wir diesen mieden.

Sinn des Downsizing ist ja vor allem, soziale Akzeptanz in Form eines niedrigen Kraftstoffverbrauchs zu erzeugen. Auf dem Papier ist der Sprung gewaltig: 199 Gramm CO2 oder 8,5 Liter verspricht der Normwert. Mangels Beherrschung auf den Hochgeschwindigkeitsetappen fuhren wir einen Verbrauch von rund elf Litern heraus (wegen eines Messfehlers ist eine genauere Angabe dieses Mal nicht möglich). Der E-Type verbrauchte natürlich erheblich mehr, obwohl wir kaum je über 100 Stundenkilometer kamen, waren fast 20 Liter auf 100 Kilometer fällig. Wer will da noch behaupten, es gäbe keine Fortschritte?

Dass das gewaltige Moment des TFSI-Motors im Golf stets auf der Straße ankommt, ist nicht nur den Niederquerschnittsreifen (235/35, leider etwas unkomfortabel auf schlechten Wegen) zu verdanken. Vielmehr hat VW den Allradantrieb überarbeitet. Die Allradkupplung zwischen Vorder- und Hinterachse arbeitet nämlich auch dann, wenn keine Drehzahlunterschiede zwischen den Achsen vorhanden sind. Möglich wird dies durch den Einsatz einer elektrischen Hydraulikpumpe, die auf Weisung eines Steuergeräts stets so viel Druck an der Lamellenkupplung erzeugt, wie für eine optimale Momentverteilung sinnvoll erscheint. Der Traktionsgewinn ist spürbar, da es kaum mehr möglich ist, mit hohem Schlupf - vulgo quietschenden Reifen - anzufahren.

Damit der Golf R trotz der Zylinderstutzung sein Potenzial der Umwelt kund tut, haben die Volkswagen-Entwickler ein Klangbild erarbeitet, bei dem tiefe Frequenzen, vor allem im Leerlauf, dominieren. Allerdings ist es so gleichmäßig und reproduzierbar, dass es ein wenig künstlich klingt, wenn man nach drei Tagen Fahrt in einem Jaguar E-Type wieder in den Golf R steigt.

Das tut man allerdings doch mit einer gewissen Erleichterung, wenn man eine lange Strecke vor sich hat, denn der R bietet den Komfort und die Solidität, den man von einem Großserienprodukt mit VW-Emblem erwartet.

Technische Daten

Fazit:
Johannes Winterhagen

Wer die Vorteile eines Großserienproduktes, beispielsweise die exzellente Verarbeitung, genießen und trotzdem sehr schnell unterwegs sein will, wird mit dem Golf R glücklich werden. Dass Downsizing technisch der richtige Weg ist beweist der stärkste Golf aller Zeiten auf jeden Fall.


(Johannes Winterhagen)
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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