13.07.2010

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Erste Fahrt mit dem Mercedes-Benz Vito E-Cell

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Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2010 wird Mercedes-Benz den Vito E-Cell vorstellen. Der Transporter mit batterieelektrischem Antrieb soll insbesondere im innerstädtischen Bereich sowie in umweltsensiblen Gebieten eingesetzt werden. Der Presse gewährte Mercedes-Benz eine erste Probefahrt, obwohl die bislang aufgebauten Fahrzeuge noch nicht in serienfertigem Zustand sind. Insbesondere die Rekuperation erfolgt derzeit lediglich im Schubbetrieb, für die Energiewandlung beim Bremsen wird noch eine neue Ausbaustufe des ESP benötigt. Ab August will der Hersteller aber mit den ersten Auslieferungen an Kunden beginnen. Ziel ist es, 40 Prozent Energie-Rekuperation zu erreichen.

In einer ersten Stufe wird eine Kleinserie von 100 Fahrzeugen in den Modellregionen Berlin und Stuttgart zur Kundenerprobung verteilt. Bis Ende 2011 sollen 2000 Fahrzeuge produziert sein. Gefertigt wird der E-Cell - wie auch der Vito mit Verbrennungsmotor - im spanischen Vitoria. Dass er vom gleichen Band läuft, ist nicht selbstverständlich. Insbesondere die große Batterieeinheit erfordert einen neuen Schritt in der Fertigung. Zur Gewichtseinsparung und aus Package-Gründen wird der Vito E-Cell auf Frontantrieb umgerüstet. Über der Vorderachse sind E-Motor und Getriebe montiert. Der Motor leistet maximal 70 Kilowatt, seine Dauerleistung liegt bei 60 Kilowatt. Sein maximales Drehmoment beträgt 280 Newtonmeter.

Was in Anbetracht des Leergewichts von zirka 2150 Kilogramm (etwa 200 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber einem Vito mit Verbrennungsmotor) und einer Zuladung von rund 900 Kilogramm nach eher mäßigem Temperament klingt, entpuppt sich bei der ersten Testfahrt als absolut ausreichend. Da das Drehmoment des E-Motors ab der ersten Umdrehung anliegt, startet der Vito ohne Anfahrschwäche und zieht sehr zügig durch. Zumindest im Stadtverkehr. Viel höhere Geschwindigkeiten sind nicht vorgesehen: zugunsten der Reichweite wird die Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt. Bis zu 130 Kilometer verspricht Mercedes ohne Ladepause - und dies auch noch nach der derzeit angesetzten Testphase von vier Jahren. Im Neuzustand sollten die Batterien also noch deutlich länger halten. Die Testfahrt erfolgte im Stuttgarter Stadtverkehr, inklusive der dort typischen Steigungen und bei hohem Verkehrsaufkommen. Ausgehend vom Stand der "Tanknadel", erschien die genannte Reichweite als durchaus realistisch, trotz besagter Einschränkung in der Rekuperation. Allerdings müssen die Nutzer grundsätzlich auf eine Klimaanlage verzichten. Projektleiter Andreas Pohl will zunächst derzeit Beherrschbares umsetzen. Zusätze wie eine Klimaanlage wären später eventuell mithilfe einer kleinen Brennstoffzelle denkbar.

Bei den Stromspeichern handelt es sich um Lithium-Ionen-Batterien mit einer Nominalspannung von 360 Volt. Die Gesamtkapazität der Batterien beläuft sich auf 36 Kilowattstunden, davon stehen 32 Kilowattstunden für den Fahrbetrieb zur Verfügung. Das Batteriepaket setzt sich aus 16 Modulen mit insgesamt 192 Zellen zusammen. Jede dieser Zellen wird durch ein Batteriemanagementsystem überwacht. Um unnötige Stromverluste sowie Gefahren durch Unbefugte an abgestellten Fahrzeugen zu vermeiden, legt ein Sicherheitssystem das Hochvoltnetz bei Nichtbenutzung still. Batterien, Elektromotor, Konverter und die weiteren elektrischen Komponenten des Antriebs sind wassergekühlt.

Die Stromversorgung der Batterien erfolgt über Ladestationen. Sie werden den Pilotkunden von den beiden Energieversorgern EnBW und Vattenfall zur Verfügung gestellt. Sie sind als Kooperationspartner in den Regionen Berlin (Vattenfall) und Stuttgart (EnBW) am Kundenversuch beteiligt. Die Ladestationen sind auf den jeweiligen Betriebshöfen der beteiligten Fuhrparks installiert. Die Ladesteckdose des Vito E-Cell wird über ein siebenpoliges Standard-Ladekabel mit der Station verbunden. Die Batterien des Vito E-Cell werden am 380/400-Volt-Netz geladen. Die eingebauten Ladegeräte leisten 6,1 Kilowatt. Abhängig vom Ladezustand der Stromspeicher dauert das Laden daher maximal sechs Stunden bei völlig entladener Batterie. Darüber hinaus kann der Vito E-Cell bei Bedarf ebenfalls über ein zusätzliches Ladekabel über ein 230-Volt-Stromnetz mit dem üblichen Schuko-Stecker geladen werden. Dies kann notwendig werden, sofern der Transporter über Nacht nicht an der vorgesehenen Ladestation steht. Die Ladezeit verdoppelt sich dann allerdings.

Zu kaufen gibt es den Vito E-Cell zunächst nicht. Die Fahrzeuge werden grundsätzlich über Nutzungsgebühren vergeben. Die Kundenerprobung des Vito E-Cell ist auf vier Jahre und etwa 80.000 Kilometer pro Fahrzeug festgelegt, danach gehen die 100 Transporter zurück an Mercedes-Benz.
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Autor(en): Ruben Danisch
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