15.07.2010

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TU München will preisgünstiges E-Fahrzeug zur IAA 2011 bringen

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Bis zur IAA 2011 wollen 19 Lehrstühle der TU München in einem Pilotprojekt den Prototyp eines fahrfertigen Elektrofahrzeugs präsentieren, der auch wirtschaftlich überzeugen soll. Ebenfalls bis zu diesem Zeitpunkt sollen das finale Design, die Auswahl eines OEM zur Serienproduktion und nicht zuletzt 10.000 Bestellungen vorliegen.

Das als "Subcompact Car" konzipierte E-Mobil soll nach den Worten von Markus Lienkamp, Inhaber des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München, "attraktive Individualmobilität zu einem günstigen Preis" bieten. Das "Mute" (zu Deutsch: gedämpft, leise) genannte Fahrzeug soll Platz für zwei Personen nebst zwei Gepäckstücken bieten, 100 Kilometer nonstop fahren können und bei Bedarf 120 Kilometer pro Stunde schnell sein. Sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt soll der Mute den Käufer nicht teurer zu stehen kommen als ein Smart mit konventionellem Antrieb.

Eine große Herausforderung für die Münchner Wissenschaftler stellt die Auswahl eines elektrischen Energiespeichers mit ausreichender Energiedichte dar. Nicht zuletzt deshalb, da es sich hierbei um den größten Kostenfaktor handelt. Der Mute soll eine deutliche Reduzierung der Kosten bei gleichbleibender Reichweite des Fahrzeugs vor allem über die Minimierung des Gesamtfahrzeuggewichts erreichen. Auch ein geringer Rollwiderstand und eine gute Aerodynamik sollen ihren Teil dazu beitragen. Hierdurch können die Entwickler Größe und Leistung der für ein Elektrofahrzeug kostenintensiven Komponenten wie Akku, Antriebsmaschine und Leistungselektronik niedrig halten. Das Mute-Team hat sich daher zur Entwicklung eines Elektrokleinfahrzeugs der Zulassungsklasse L7E (maximales Leergewicht 400 Kilogramm, 15 Kilowatt Antriebsleistung) entschieden.

Als Energiespeicher wird im Mute letztlich ein Lithium-Ionen-Akkumulator mit einem neu entwickelten Batteriemanagement sowie Sicherheits- und Kühlsystem eingesetzt werden. Die Reichweite wird durch die Integration eines elektrischen Range-Extenders erhöht. Eine mögliche Variante hierfür ist die Verwendung einer Zink-Luft-Batterie.

Ein differenzialbasierter Antrieb mit einer Torque-Vectoring-Einheit soll die Fahrsicherheit erhöhen und die Energierückgewinnung beim Bremsen verbessern.

Betrieben mit Strom aus dem heutigen deutschen Stromnetz entspricht sein Kohlendioxid-Ausstoß 42 Gramm pro Kilometer. Im Rahmen des Projekts sollen aber auch Szenarien entwickelt werden, wie das Fahrzeug zu 100 Prozent mit regenerativ erzeugtem Strom betrieben werden kann.

Bei der Sicherheit soll der Mute mit sehr viel schwereren Konkurrenten mithalten können: Ein integrales Sicherheitskonzept, das unter anderem leichte und kostengünstig produzierbare CFK-Crash-Systeme und Airbags einsetzt, soll ein hohes Sicherheitsniveau schaffen.

Hinter Mute steckt allerdings noch ein umfassendes Mobilitätskonzept. Eine Mobilfunkanbindung des Fahrzeugs an einen zentralen Server soll es ermöglichen, IT-basierte Mehrwertdienste anzubieten. Für die Elektromobilität sind dies Services wie Sicherheitsfunktionen durch Verkehrslagedaten verschiedener Fahrzeuge, eine energieoptimale Routenführung, eine adaptive Reichweitenprognose oder eine flexible Anpassung der Ladestrategie. Aufgrund der Client-Server-Infrastruktur sind diese Mehrwertdienste für den Kunden personalisiert einsetzbar und nachträglich in das Fahrzeug integrierbar. Darüber hinaus sind Konzepte für den Einsatz von Elektrofahrzeugen für den individuellen Transfer zwischen zwei Orten (Car-on-Demand) oder Konzepte mit einer Kopplung von öffentlichem Nahverkehr und Individualverkehr mit Elektrofahrzeugen angedacht.

In den kommenden zwölf Monaten soll das Mute-Fahrzeugkonzept den Stand eines serienfähigen Prototyps erreichen, der von Industriepartnern anschließend zu einem marktfähigen Angebot weiterentwickelt werden kann. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten sollen nach Wunsch der Wissenschaftler von den beteiligten Industriepartnern zu marktfähigen Lösungen weiterentwickelt werden. Als weitere Ziele nach der IAA-Präsentation 2011 nannte Lienkamp den Produktionsstart im Jahr 2015 sowie ein integriertes E-Mobil-Konzept für die Olympischen Winterspiele 2018.
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Autor(en): Moritz-York von Hohenthal
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