11.08.2010

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Der Flügeltürer für die Rennstrecke

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Pünktlich zur kommenden Motorsportsaison wird der neue Mercedes-Benz SLS AMG GT3 parat stehen. Entwickelt wird der Flügeltürer für die Rennstrecke nach dem GT3-Reglement des Automobil-Weltverbandes FIA (Fédération Internationale de l' Automobile). Konzipiert ist er als als Kunden-Sportfahrzeug für Sprint- und Langstreckenrennen. Die Straßenversion, der SLS AMG, ist in diesem Frühjahr auf den Markt gekommen.

Bei den Modifikationen an der Karosserie für die AMG SLS GT3-Version stand die aerodynamische Performance im Fokus: Sichtbar nicht nur an der neuen Frontschürze mit Splitter, der Motorhaube mit zentralem Kühlluftaustritt, den verbreiterten Kotflügeln vorn und hinten, sondern auch an den seitlichen Radhausentlüftungen, den Seitenschwellern mit Kühlkanälen für die Hinterachsbremsen, dem glatten Unterboden mit Heckdiffusor und dem verstellbaren Heckflügel. Alle Maßnahmen sorgen für geringen Luftwiderstand sowie aerodynamische Effizienz. Und sie garantieren eine effektive Kühlung der thermisch hoch belasteten Komponenten. In der C-Säule befinden sich die genormten Tankstutzen für die Schnelltankanlage.

Die Höchstleistung des AMG 6,3-Liter-V8-Frontmittelmotors wird von der FIA gemäß der "Balance of Performance" bestimmt. Dies soll die Chancengleichheit der teilnehmenden Rennfahrzeuge gewährleisten. Die Einstufung, bei der unter anderem auch das Leergewicht festgelegt wird, erfolgt im Frühjahr 2011. Wie vom FIA-GT3-Reglement vorgeschrieben, entspricht der 6,3-Liter-V8-Motor nahezu dem des Serienfahrzeugs. Dank seines geringeren Gewichts wird der GT3 die Beschleunigungswerte des Serienfahrzeugs - 3,8 Sekunden für den Spurt von null auf 100 Kilometer pro Stunden - deutlich unterschreiten. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt je nach Übersetzung über 300 Kilometer pro Stunde.

Der Motor verfügt auch im Rennfahrzeug über Trockensumpfschmierung. Der Einsatz von Saug- und Druckpumpe sowie eines externen Öltanks ermöglicht den Verzicht auf die sonst übliche Ölwanne. Diese Technik gewährleistet eine zuverlässige Schmierung des Motors selbst bei hohen Querbeschleunigungen, wie auf Rennstrecken üblich. Die Trockensumpfschmierung erlaubt zudem eine tiefe Einbaulage des V8-Triebwerks. Die Lösung, den Achtzylinder möglichst tief und als Frontmittelmotor hinter der Vorderachse zu installieren und mit einem Getriebe in Transaxle-Anordnung zu kombinieren, führt zu einem günstigen Gewichtsverhältnis.

Im Gegensatz zur Serie ist im SLS AMG GT3 ein Sechsgang-Renngetriebe mit sequenzieller Schaltung für die Kraftübertragung verantwortlich. Dank seiner kompakten Bauweise bietet das rennsporterprobte Getriebe Vorteile beim Packaging - schließlich hat die GT3-Version eine geringere Bodenfreiheit als das Serienfahrzeug. Geschaltet wird mithilfe zweier Schaltpaddles am Lenkrad. Das Getriebe ist direkt an der Hinterachse montiert und mittels einer Torque Tube biege- und drehmomentsteif mit dem V8-Motor verbunden. Damit sind entscheidende Vorteile in puncto Fahrdynamik verbunden, denn diese aufwendige Lösung erlaubt es, den kompletten Antriebsstrang deutlich spielfreier auszulegen. Ein im Getriebe integriertes Lamellen-Sperrdifferenzial sorgt in Verbindung mit der Traktionskontrolle für gutes Beschleunigungsvermögen. Im Innern der Torque Tube rotiert eine Antriebswelle mit Motordrehzahl. Wie beim Serienmodell und bei den Mercedes-Benz C-Klasse DTM-Renntourenwagen besteht die Welle aus Carbonfasern.

Kürzeste Bremswege, hohe Standfestigkeit und optimale Dosierbarkeit stellt die AMG-Rennsport-Bremsanlage sicher: Rundum kommen Bremsscheiben in der motorsporterprobten Verbundtechnologie zum Einsatz. Hierbei sind die Graugussscheiben radial und axial schwimmend über Edelstahl-Verbundelemente auf einem Aluminiumtopf fixiert. Diese aufwendige Technik ermöglicht eine perfekte Wärmeableitung und somit eine verlässliche Standfestigkeit. Zudem verfügt der Wagen über exakt berechnete Kühlkanäle: Öffnungen in der Frontschürze und vor den Hinterrädern versorgen die Bremsscheiben mit kühlem Fahrtwind. Alle vier Bremsscheiben sind belüftet, genutet und gelocht. Sechskolben-Festsättel an der Vorderachse und Vierkolben-Festsättel hinten in Anthrazit erlauben üppige Bremsbelagflächen. Ein Antiblockiersystem mit spezieller Rennstrecken-Abstimmung ist serienmäßig.

Im Interieur dominiert funktionelle Rennwagen-Atmosphäre: Wie beim Serien-Flügeltürer sorgt auch im Rennfahrzeug die Instrumententafel in Form eines kraftvollen Flügelprofils für optische Breite. Der Überrollkäfig aus Stahl bietet nicht nur Sicherheit für den Fahrer, sondern versteift auch den Aluminium-Spaceframe zusätzlich. Ähnlich wie in den DTM-Fahrzeugen von Mercedes-Benz befindet sich die Sitzschale in einer Sicherheitszelle aus hochfestem Carbon (CFK). Durch ihre spezielle Form bietet die mit dem Überrollkäfig und dem Aluminium-Spaceframe verschraubte Sicherheitszelle einen deutlich verbesserten Schutz für Schultern, Hüfte und Beine des Fahrers. Die Sitzschale wird individuell geschäumt, verfügt über das HANS-System (Head and Neck Support) sowie einen Sechspunktgurt und ermöglicht damit höchste Insassensicherheit. In Verbindung mit dem auf der Hinterachse positionierten, 120 Liter großen CFK-Sicherheitstank mit Innenblase sowie der optimierten Feuerlöschanlage bietet der Rennwagen laut Hersteller ein vorbildliches Sicherheitsniveau, das von keinem aktuellen GT3-Fahrzeug erreicht wird.

Die neue Rennversion wird von AMG in Zusammenarbeit mit der HWA AG entwickelt und produziert. HWA ist im Auftrag und in steter Abstimmung mit Mercedes-Benz Motorsport für Entwicklung und Einsatz der AMG-Mercedes DTM-Teams verantwortlich. Die Entwicklung des Wagens verläuft planmäßig, heißt es; das Testprogramm wurde im Juni 2010 auf dem Eurospeedway Lausitz gestartet. Als Testfahrer konnten der langjährige Mercedes-Benz Werksfahrer und AMG Markenbotschafter Bernd Schneider (46) sowie Thomas Jäger (33) gewonnen werden.

Außer auf dem Eurospeedway Lausitz und dem Sachsenring wird das Auto auch auf der Nürburgring-Nordschleife getestet - und dies bei realistischen Rennbedingungen. Neben reinen Test- und Abstimmungsfahrten wird der Flügeltürer im Rahmen der VLN-Langstreckenmeisterschaft noch in diesem Jahr in erste Rennen gehen.

Im Fokus des umfangreichen Entwicklungs- und Testprogramms stehen unterschiedliche Fahrwerkeinstellungen, Motor-Mappings, Reifenmischungen und Aerodynamik-Konfigurationen. Außerdem muss sich das Gesamtpaket hinsichtlich der Standfestigkeit und der Servicefreundlichkeit unter Beweis stellen. Parallel laufen der V8-Motor sowie das Sechsgang-Renngetriebe mit sequenzieller Schaltung auf den Prüfständen der HWA AG. Das Gesamtfahrzeug wird zusätzlich auf einem Fahrdynamik-Prüfstand getestet.

Eingesetzt werden kann der neue SLS AMG GT3 bei allen Rennserien nach dem FIA GT3-Reglement, beispielsweise in der FIA GT3-Europameisterschaft, den ADAC GT-Masters, der VLN-Langstreckenmeisterschaft (Veranstaltergemeinschaft Langstreckenpokal Nürburgring, mit zehn Motorsportclubs) sowie bei den 24-Stunden-Rennen am Nürburgring oder in Spa-Francorchamps (Belgien). Ab sofort ist der SLS AMG GT3 bestellbar und wird pünkltich zur kommenden Motorsportsaison ausgeliefert.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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