13.08.2010

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Fraunhofer IAO und Pricewaterhouse Coopers: Studie zur Elektromobilität

Mit welchen Geschäftsmodellen eine breite Akzeptanz der Elektromobilität möglich ist und wie Deutschland Leitmarkt der Technologie werden kann: Dies zeigt eine aktuelle Studie von Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und Pricewaterhouse Coopers.

Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden und eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen bringen - so die Forderungen von Bundesregierung und deutscher Industrie, erinnert das Fraunhofer IAO. Doch für einen Erfolg der Elektromobilität müssten alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das wichtigste Ziel laute, die Nutzer für die Elektromobilität zu begeistern. Aber wie können Energie- und Automobilindustrie dabei vorgehen? Und was hält von der Möglichkeit ab, künftig in einem Elektroauto zu fahren? Die Studie von Fraunhofer IAO und Pricewaterhouse Coopers möchte diese Fragen beantworten. Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen, die die Elektromobilität an Industrie und die öffentliche Hand stellt sowie Chancen und Risiken dieser Entwicklung.

Grundlage für die Studie bildet eine Befragung von etwa 500 potenziellen Nutzern von Elektrofahrzeugen sowie von Experten aus Politik, Energie- und Automobilwirtschaft. Ausgehend von deren Antworten identifizierten die Autoren Lücken zwischen den Erwartungen der Nutzer und den tatsächlichen technologischen Möglichkeiten und leiteten Thesen für die Zukunft der Elektromobilität ab. In der Studie präsentieren sie Lösungsmöglichkeiten, um diese Lücken zu schließen.

Die derzeitigen Nachteile des Elektrofahrzeugs im Vergleich zum Pkw mit Verbrennungsmotor sind laut Studie nicht zu übersehen. Das E-Auto sei zu teuer und mindere die gewohnte individuelle Mobilität. Und dieses Problem werde auch bis zum Jahr 2020 nicht behoben sein, schlussfolgert die Studie. Daher müssten innovative Mobilitätskonzepte mit neuen Features die Nutzer beeindrucken, um die Schwachstellen aufzuwiegen.

Bei der Realisierung von Elektromobilität sehen die Autoren Potenziale für neuen Unternehmersinn und wähnen urbane Zentren als Katalysatoren der Entwicklung. Im Fokus der Betrachtung stehen nachhaltige Kooperationen verschiedener Akteure. Die Automobilindustrie muss laut Studie für die Entwicklung von E-Fahrzeugen tiefgreifende Änderungen vornehmen. Und das sei sowohl technologisch als auch bezüglich der Geschäftsmodelle zu sehen. Ein weiteres Problem sehen die Autoren der Studie darin, dass Elektrofahrzeuge auf absehbare Zeit nicht die Marktabdeckung erreichen werden, mit der sich eine Fokussierung auf die mit großen Investitionen verbundene Technologie lohnen würde. Bezüglich der Marktabdeckung gingen Experten laut Studie von rund zwei bis sechs Prozent des Fahrzeugverkaufs im Jahr 2020 aus. Daher folgert die Studie, dass Kooperationen mit Unternehmen und Playern verschiedenster Herkunft der einzig gangbare Weg sind, um in der Elektromobilität Fuß zu fassen.

In Bezug auf die Energiewirtschaft, denn für die Elektromobilität wird vor allem Strom benötigt, stehen die möglichen Erträge in einem ungünstigen Verhältnis zu den hohen Investitionen zur Schaffung einer öffentlichen Ladestruktur, ist der Studie zu entnehmen. Laut Hochrechung seien dies zirka drei Milliarden Euro. Auch wenn kein flächendeckendes Angebot von Ladestationen in jeder Straße gefordert würde, so sei doch eine hohe Flexibilität wünschenswert. Diese lasse sich nur durch eine entsprechende Mischung aus privaten und öffentlichen Ladestellen gewährleisten, so die Studie. Zusätzliches Potenzial bietet zudem die Batterie. Sie könne laut Angabe der Autoren als weiterer Energiespeicher innerhalb eines intelligenten Energienetzes der Zukunft eingesetzt werden. Meine man es wirklich ernst mit dem Umweltschutz, müssen die E-Fahrzeuge komplett aus regenerativen Energien gespeist werden, führen sie weiter aus. Beim momentanen Strom-Mix seien kleine Stadtfahrzeuge mit Verbrennungsmotor schon heute emissionsärmer als ein E-Auto, das mit Ladestrom fahre, der nicht komplett aus regenerativen Energiequellen stamme. Dementsprechend wird laut Studie deutlich: Elektromobilität und regenerative Energieerzeugung müssen deutlich stärker als bisher miteinander zu gekoppelt werden.

Damit die Nutzer mit einem Elektroauto so uneingeschränkt mobil sein können, müssen Energiewirtschaft und Automobilindustrie eng zusammenarbeiten. Eine weitere Branche gewinnt hier nach Abgaben der Studie an Bedeutung: die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Sie ermögliche, dass sich das E-Fahrzeug mit seiner Umgebung und der Ladeinfrastruktur vernetzt. Kann man sich innerhalb dieses Netzes mit anderen nahtlos verknüpften Mobilitätsdienstleistungen - im Nahverkehr beispielsweise mit Mieträdern, Bus und Bahn, im Fernverkehr mit Zügen und Flugzeugen - bewegen, wird der heutige Pkw als "Offline-Vehikel" nicht mehr vermisst werden. Das Smart-Phone wäre der ideale Schlüssel zu diesem Netz. Somit gibt es laut Autoren Fakten, die belegen, dass dieser Trend bereits deutlich sichtbar ist und des Weiteren wird gezeigt, welche Vorteile nicht nur der einzelne Nutzer, sondern ganze Städte aus dieser Entwicklung ziehen können.

So viel Potenzial die Zusammenarbeit der Branchen auch bietet, das passende Geschäftsmodell müsse jedoch erst noch entwickelt werden. Dabei sei ein wesentlicher Baustein für das Geschäftsmodell, dass der Nutzer möglichst simpel die Leistungen in Anspruch nehmen könne. Eine Betrachtung der Total Costs of Ownership (TCO), bildet für jedes Geschäftsmodell die essenzielle Grundlage, wird erläutert. Um Deutschland als Leitanbieter für Elektromobilität zu etablieren, müsse auch die Politik Aufgaben übernehmen. Zunächst seien gezielte Fördermaßnahmen für die verschiedenen Phasen der Technologieentwicklung einzurichten, damit sich ein selbstragender, subventionsfreier Markt für Elektromobilität herausbilden kann.

Letztlich stünden die Anforderungen der potenziellen Nutzer im Vordergrund. Diese würden sich schon für das Elektroauto begeistern lassen, nur fehlt es vielen bislang auch an Möglichkeiten dazu. Die Studie zeigt auf, welche Geschäftsmodelle genügend Überzeugungskraft für größere Bevölkerungsteile haben und eine breitere Akzeptanz dieser neuen Technologie und Form der Mobilität schaffen könnten. An ersten Flottenversuche ist zu erkennen: Die Nutzer sind begeistert von Elektromobilität. Leider hätten bisher nur zu wenige Menschen die Möglichkeit besessen, sie zu erleben.

Daher müsse die öffentliche Hand Rahmenbedingungen schaffen und Infrastruktur bereitstellen. Nur integrierte Konzepte, die neben den genannten Akteuren auch die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie einschließen, werden auf lange Sicht erfolgreich sein - so lautet die zentrale These der Studie.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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