24.08.2010

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
BOOKMARK
RSS-Feed
NEWSLETTER

Materialforscher machen Motorblöcke leichter

Im Automobilbau werden vor allem Motorblöcke aus Gusseisen verwendet. Gesucht wird nach Verfahren, mit deren Hilfe sich Gusseisen dünnwandiger bei weiterhin hohen Festigkeiten produzieren lässt. Dabei spielt Grafit eine wichtige Rolle. Denn Grafit beeinflusst die Materialeigenschaften von Gusseisen. Wissenschaftler von der Universität des Saarlandes ist es nun gelungen, mithilfe der so genannten Nano-Tomographie vorherzusagen, in welcher Form das Grafit vorliegt und wie es das Gusseisen verändert. Mit diesen Erkenntnissen ließen sich künftig, so erklärt die Universität, wesentlich leichtere Motorblöcke herstellen. Für ihre Forschungsarbeit wurden die Wissenschaftler Frank Mücklich, Professor für Funktionswerkstoffe der Saar-Uni, und Alexandra Velichko nun mit dem Werner-Köster-Preis der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) ausgezeichnet.

Materialforscher interessieren sich für die chemische Zusammensetzung eines Werkstoffes sowie für seine innere Struktur. "Mit verschiedenen Methoden können wir heute die oft komplexe Geometrie eines Materials sichtbar machen und diese nicht nur in winzigen Mikro- und Nanodimensionen untersuchen, sondern bis zum einzelnen Atom hin", erläutert Professor Mücklich. Dafür verwenden die Forscher die Nano-Tomographie, die ähnlich wie die Computer-Tomographie funktioniert. Der Körper wird durch einen Ionenstrahl systematisch in Nano-Scheibchen zerlegt und mit einem Elektronenstrahl abgetastet. Die dabei erfassten Bildserien werden anschließend im Computer wieder zum exakten räumlichen Abbild zusammengefügt. "Durch die extrem hohe Auflösung der Nano-Tomographie und der unterschiedlichen Kontrastverfahren können wir nicht nur chemisch analysieren, welche Atome enthalten sind, sondern wir können auch die Gitterstruktur der Kristalle veranschaulichen und zeigen, welche Nanostrukturen daraus geformt wurden", erklärt Mücklich.

In der Forschungsarbeit zur Grafitmorphologie konnten die Wissenschaftler erstmals zeigen, wie sich bei der Herstellung von Gusseisen die chemische Zusammensetzung, die Kristallstruktur und das Wachstum des Grafits verändern lassen. Durch diese detaillierte Analyse konnten die Forscher in einem weiteren Schritt vorhersagen, wie sich die dreidimensionalen Strukturen auf die Materialeigenschaften von Gusseisen auswirken und wie man diese auf dem klassischen zweidimensionalen Schliff eindeutig erkennen kann. "Diese Erkenntnisse spielen bei vielen Anwendungen eine wichtige Rolle, etwa für Motorblöcke, Kurbelwellen oder auch Castor-Behälter, in denen das Gusseisen eine sehr hohe Festigkeit aufweisen muss. Schon geringe Veränderungen in der Grafitstruktur können dazu führen, dass sich die Bauteile unterschiedlich verhalten", betont Alexandra Velichko. Die Gießereien hätten mit diesen neuen Erkenntnissen jetzt eine objektive Grundlage, um mit ihren Kunden in der metallverarbeitenden Industrie genau zu definieren, wie das Gusseisen beschaffen sein muss, um bestimmte Eigenschaften zu erzielen. Die Forschungsarbeit wurde vom Bundesforschungsministerium und verschiedenen Firmen wie Volkswagen und Halberg Guss unterstützt.

Der Werner-Köster-Preis wird jährlich international ausgeschrieben. Er wird von der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) zusammen mit dem Carl Hanser Verlag an den besten Aufsatz des Jahres verliehen. Professor Frank Mücklich und die promovierte Wissenschaftlerin Alexandra Velichko erhielten den Preis für ihren Artikel "Quantitative 3D-Charakterisierung von Graphitmorphologie in Gusseisen - Zusammenhang zwischen Herstellung, Mikrostruktur und Eigenschaften", der im International Journal of Materials Research (Zeitschrift für Metallkunde) erschienen ist.
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Katrin Pudenz
   mehr Beiträge vom 24.08.2010:
» Nachrichten:

start
DOSSIERS ZUM THEMA
Strategien für Großmotoren
Strategien für Großmotoren 14.10.2011 - Die Extreme in der Großmotorenentwicklung liegen nicht nur in den räumlichen Dimensionen. Im Lastenheft kollidieren insbesondere die hohen Anforderungen an Emissionsverhalten und Langlebigkeit mit der Wirtschaftlichkeit trotz niedriger Stückzahlen. Ein Schlüssel zur... » mehr
Werkstoff: Innovative Werkstoffkonzepte für das Automobil von morgen (29.03.2011)

Elektrofahrzeug: Aufwand und Nutzen von Elektroautos (26.10.2010)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
FACHARTIKEL ZUM THEMA
Elektrischer Radnabenmotor
Elektrischer Radnabenmotor 03.02.2012 - Einige technische Hürden gilt es bei der Entwicklung von elektrischen Radnabenmotoren noch zu überwinden. Mehrere Fraunhofer-Institute, maßgeblich das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen, stellten sich den... » mehr
Werkstoff: Verbundzahnräder mit Hochleistungspolymeren (27.01.2012)

Bordnetz: Leichtbau-Strategien im Hochvolt-Bordnetz (09.12.2011)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
INTERVIEWS ZUM THEMA
"Elektrogeräusche können zum Statussymbol werden"
"Elektrogeräusche können zum Statussymbol werden" 04.01.2012 - Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs stellt auch die Akustikentwicklung vor zahlreiche neue Fragen. Gleichzeitig gehen die klassischen Aufgaben zur Akustikoptimierung weiter. Für mehr Schlagkraft in der Akustikentwicklung fordert Prof. Dr. techn. Hartmut Bathelt,... » mehr
Motorenentwicklung: "Wir müssen dem Trend zum Downsizing nicht folgen" (15.11.2011)

Großmotor: "Der Entwicklungsschwerpunkt liegt auf hoher Zünddruckfähigkeit" (14.10.2011)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
WebTV ZUM THEMA
Kraftstoff-Einsparpotenzial bis zu 20 Prozent - Volvo testet Schwungradspeicher
Kraftstoff-Einsparpotenzial bis zu 20 Prozent - Volvo testet Schwungradspeicher 26.05.2011 - Volvo plant im Herbst dieses Jahres ein Schwungradspeicher-System im öffentlichen Verkehr zu testen. Diese Technologie soll einem Vierzylinder-Motor die Leistung eines Sechszylinders verleihen. Und dies bei einer gleichzeitigen Kraftstoffersparnis von bis zu 20... » mehr
Genf 2011: Einblicke (04.03.2011)

RWTH Aachen erhält SAMPE-Preis 2009: Leichtbau aus der Natur (02.04.2009)

 
start
NACHRICHTEN ZUM THEMA
Niedriges Gewicht bei hoher Festigkeit: Mazda entwickelt Kunstharz für Stoßfänger
Niedriges Gewicht bei hoher Festigkeit: Mazda entwickelt Kunstharz für Stoßfänger 10.02.2012 - Gleiche Festigkeit bei geringerem Gewicht: Mazda hat ein neues Material aus Kunstharz für Fahrzeugteile entwickelt. Mithilfe der Neuentwicklung sollen sich Fahrzeugteile leichter und dünner produzieren lassen. Das neue Material soll künftig in neuen Modellen des... » mehr
Aufprallschutz: Neue Schaumstruktur durch Öl-in-Wasser-Emulsionen (09.02.2012)

Motorsport: BMW Alpina bringt limitiertes Sondermodell mit Rennsport-Genen auf die Straße (08.02.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
EVENTS ZUM THEMA
Aachener Karosserietage 2012
Aachener Karosserietage 2012 25.09.2012 - Die Aachener Karosserietage haben sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Treffpunkt für Karosserieentwickler etabliert. Das Themenfeld Karosseriebau ist aktueller denn je, da es aufgrund seiner Bedeutung für die gesamte Fahrzeugentwicklung, der Einführung... » mehr
Messtechnik: Strukturanalyse - Theorie und Praxis (11.09.2012)

Leichtbau: Kunststoff-Trends fürs Automobil (22.03.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
BÜCHER ZUM THEMA
Der neue BMW 7er
Der neue BMW 7er 18.06.2009 - Entwicklung und Technik Aus der Reihe: ATZ/MTZ-Typenbuch Die vollständige Dokumentation der technischen Fahrzeugentwicklung Aus dem Blickwinkel der Fahrzeugentwickler wird die Technik des neuenBMW 7er ausführlich und kompetent... » mehr
 
start
PREMIUM PARTNER
start
LOGIN FACHARTIKEL-ARCHIV
 
start
NEUES THEMENDOSSIER ONLINE
Effizienz - elektrischer Systeme - Standards und Maßnahmen

ThemendossierMit den Online-Themendossiers für automobile Ingenieure greift ATZonline Titelstrecken der Fachmagazine der ATZ-Familie auf und erweitert sie um aktuelle Nachrichten, Fachbeiträge und Interviews aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung beim Hersteller & Zulieferer zum Thema Auto und Technik.

Aktuell: Effizienz elektrischer Systeme - Standards und Maßnahmen
start
ATZonline @ FACEBOOK + TWITTER
ATZonline ist jetzt auch im Social-Web. Informieren Sie sich bei Facebook oder twitter über aktuelle Nachrichten, Themendossiers, Interviews und Fachbeiträge auf ATZonline.

ATZonline on twitterTwitterATZonline auf FacebookFacebook
start
LESEPROBE KOSTENLOS ONLINE BLÄTTERN

Lesen Sie hochaktuelle Beiträge zu den Themen Auto & Technik auf technisch wissenschaftlichem Niveau aus Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Produktion der Automobilindustrie.

» ATZ: Seit 1898 in der Automobilindustrie die Zeitschrift für Auto & Technik

» MTZ: In der Auto-Motor-Entwicklung die Zeitschrift für Ingenieure

» ATZelektronik: Die Auto-Zeitschrift für Elektronik & Elektrotechnik

» ATZproduktion: Die Technik-Zeitschrift für die Automobilindustrie-Produktion
start
AUTOMOTIVE AGENDA IST NOMINIERT
Automotive Agenda ist mehrfach nominiert:

Innovationspreis 2011Design Preis
start
NEWSLETTER
Mit dem Newsletter erhalten Sie zwei Mal in der Woche aktuelle News, Berichte, Events und Interviews aus der Automobiltechnik und Automobilentwicklung. Natürlich kostenlos!

Exklusiv für Newsletter-Abonnenten:
regelmäßig kostenlose Fachartikel

  
start
BUSINESS PARTNER
BorgWarnerTE Connectivity
start
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE
Das Wissen der Experten:
Qualitätsgeprüft. 25.000 Stichwörter. Kostenlos.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen
start
KOOPERATIONEN
eCarTecElektro-Mobil Kongress
 
RSS Home Springer Automotive Media Mediadaten AGB/Datenschutz Impressum Kontakt

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012