17.09.2010

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Technik im Alltag: Lexus LS 600h und Mercedes-Benz S400 Hybrid

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Mit dem S400 Hybrid ist Mercedes einen ersten, behutsamen Schritt bei der Hybridisierung des Antriebsstrangs gegangen. Behutsam, da es sich bei der S-Klasse nicht um einen Vollhybriden handelt. Der Permanentmagnet-Elektromotor im Mercedes dient als Anlasser, Lichtmaschine und ermöglicht eine Boost-Funktion. Rein elektrisches Fahren ist nicht möglich. Inwieweit diese Technik zur Effizienz beitragen kann, zeigt ein Vergleich mit dem etablierten Vollhybriden Lexus LS 600h.

Neben der unterschiedlichen Hybrid-Konfiguration gehen die beiden Luxus-Limousinen auch beim Grundmotor verschiedene Wege: Während sich die S-Klasse mit einem 205 Kilowatt starken 3,5-Liter-V6-Ottomotor begnügt, schöpft der Lexus 290 Kilowatt aus einem 5,0-Liter-V8. Ebenfalls eine Leistungskluft herrscht bei den Elektromotoren. 15 Kilowatt in der S-Klasse stehen 165 Kilowatt im LS 600h gegenüber. Allerdings summieren sich die Leistungen der beiden Motoren Prinzip bedingt jeweils unterschiedlich. Während sich beim Mercedes einfach auf 220 Kilowatt Systemleistung addieren lässt, kommt der Lexus in Summe auf 327 Kilowatt.

Entsprechend beeindruckt der Lexus in der Längsdynamik, dank eines Anfahrdrehmoments von 300 Newtonmeter auch aus dem Stand heraus. Doch auch dem Mercedes merkt man den Elektro-Boost an, er wirkt - sicher auch dank dem kräftigen maximalen Gesamtdrehmoment von 385 Newtonmetern - deutlich agiler als der klassische V6. Im Vergleich verstärkt sich der agile Eindruck durch die Anmutung des Gesamtfahrzeugs. Obwohl der Lexus über alle vier Räder angetrieben wird, hat er querdynamisch zumindest subjektiv deutlich das Nachsehen gegenüber dem heckgetriebenen Mercedes. Fahrwerk und Lenkung der S-Klasse sind vorbildlich, hier wird das modernere Grundfahrzeug spürbar. Überraschend allerdings, dass der Lexus dafür den höheren Komfort bietet, in dieser Fahrzeugklasse ein mindestens ebenso tragendes Argument. Überrascht waren wir bei der S-Klasse, als wir das erste Mal kräftig bremsten: Das Umschalten zwischen elektromotorischer Rekuperation und dem Eingreifen der Betriebsbremse führt zu einem deutlich nicht-linearen Bremsgefühl - vulgo: Es fühlt sich sehr ungewohnt an.

Grundsätzlich eignen sich beide insbesondere für lange Strecken, allerdings schwindet der Effekt der Hybridsysteme insbesondere bei zügigen Autobahn-Etappen zunehmend. Hier resultierten unsere maximalen Verbräuche von 12,76 Liter bei der S-Klasse und 14,08 Liter beim Lexus. Nicht wirklich sparsam, allerdings in Anbetracht der sehr hohen Fahrzeuggewichte (1955 Kilogramm S400 Hybrid und mindestens 2290 Kilogramm LS 600h) und der gefahrenen Geschwindigkeiten noch in erträglichem Rahmen. Um einen wirklich vergleichbaren Wert zu erhalten, sind wir mit beiden Fahrzeugen parallel eine 130 Kilometer lange Etappe inklusive Fahrerwechsel zur Streckenhälfte gefahren. Sie beinhaltete zwei längere Stadtfahrten - zu Beginn mit Kaltstart und zum Ende der Etappe. Außerdem etwa 20 Prozent Überlandfahrt und einen höheren Anteil Autobahn. Grundsätzlich war nicht das Ziel, möglichst geringe Verbräuche zu erreichen, sondern unter realen Bedingungen zu ermitteln. Das heißt zügiges Beschleunigen, nach Möglichkeit immer nach Tempolimit fahren, bei freigegebener Autobahn bis zirka 180 Kilometer pro Stunde.

Der S400 Hybrid kam bei dieser Runde auf einen Verbrauch von umgerechnet 9,83 Liter pro 100 Kilometer. Ein sehr guter Wert, der durchaus als Orientierung für den Alltagsbetrieb gelten kann. Noch beeindruckender allerdings der Lexus, der trotz des Mehrgewichts und der höheren Leistung auf eine Durchschnittsverbrauch von 10,49 Liter pro 100 Kilometer kam. Dabei zeigten sich die Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme auf den unterschiedlichen Strecken. Die S-Klasse profitierte insbesondere auf den Autobahn-Abschnitten vom kleineren Motor und der rückläufigen Relevanz des Hybridantriebs. Der Lexus senkte seinen Verbrauch dafür - auch schön über den integrierten Verbrauchsmonitor abzulesen - insbesondere im Stadtverkehr. Bereits kurz nach dem Kaltstart waren kürzere rein elektrisch gefahrene Abschnitte auf der Haben-Seite, die sich mit zunehmender Fahrstrecke entsprechend steigerten. Der S400 Hybrid kann hier lediglich mit dem Start-Stopp-System dagegen halten.

Fazit:
Ruben Danisch

In Summe zwei sehr unterschiedliche Fahrzeuge: Der Mercedes begeistert mehr durch das modernere Gesamtfahrzeug und eine überragende Funktionalität der Assistenzsysteme als durch seinen Antrieb. Der ordentliche Verbrauch gibt dem technischen Ansatz dennoch seine Berechtigung. Der Lexus fasziniert dagegen durch den erlebbaren Hybridantrieb. Rein elektrisch gefahrene Abschnitte in einem derart schweren Fahrzeug begeistern. Insgesamt ist der LS 600h zudem das komfortablere Fahrzeug. Abstriche müssen aufgrund des alternden Fahrzeugkonzepts und beim eingeschränkten Gepäckraum gemacht werden.


(Ruben Danisch)

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Autor(en): Ruben Danisch
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