20.09.2010

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Hagenmeyer: "Wir spalten bei Getrag sogar das My"

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Mit einem Plädoyer für mehr Präzision, Leidenschaft und Zusammenarbeit eröffnete Tobias Hagenmeyer (Bild), Präsident der Getrag-Gruppe, vergangene Woche (16. September 2010) die vierte Hausveranstaltung "Drivetrain Forum" in Untergruppenbach nahe Heilbronn. "Wir haben mit unseren Produkten die höchste Präzision im Fahrzeug, noch höher als bei Motorkomponenten. Beim Getriebe spalten wir sogar das My", sagte Hagenmeyer vor 450 Teilnehmern. Damit nahm er Bezug auf die hohe Genauigkeit - im My- oder Mikrometerbereich (µm) -, wie sie bei der Entwicklung und der Fertigung von Zahnradgetrieben erforderlich ist. Getrag bietet seit 75 Jahren hochpräzise Bauteile an, die in enger Zusammenarbeit mit den Kunden entstehen.

Mihir Kotecha, Vorstandsvorsitzender der Getrag-Gruppe, nahm einen Rückblick auf die letzten fünf Jahre und einen Ausblick auf die nächsten zehn Jahre vor. Er gewährte einen Einblick in die Strategie des Konzerns im Kontext der Marktprognosen und Rahmenbedingungen, nachdem das Autokrisenjahr 2009 deutliche Spuren im Geschäft des schwäbischen Zulieferers hinterlassen hatte. Konnte 2008 noch ein Umsatz von 2,577 Milliarden Euro von 13.449 Mitarbeitern erzielt werden, waren es 2009 nur 2,000 Milliarden Euro bei 12.700 Mitarbeitern. Doch für das noch laufende 2010 rechnet Kotecha schon wieder mit 2,500 Milliarden Euro bei 14.200 Mitarbeitern. Diese Entwicklung spiegelt auch die Zahl der verkauften Einheiten beim Produkt Achsgetriebe wider: 2008 waren es bei 1.210.000 Achsen, 2009 nur 740.000 und 2010 sollen es schon wieder 1.100.000 werden. Für 2015 ist wieder der Stand von 2008 mit 1.200.000 geplant. Dieses Achsengeschäft hat man laut Kotecha ohne Zukäufe eigenständig vor zehn Jahren in den USA begonnen und zur internationalen Erfolgsgeschichte weiterentwickelt. Das Produkt Doppelkupplungsgetriebe DCT steht dem in nichts nach: Das Auftragsbuch ist gut gefüllt, steigen die Werte doch von heute 252.000 (2010) über enorme 1.222.000 (2013) auf 1.500.000 (2015) Einheiten.

Matthias Wissmann, Präsident des VDA, hob in seinem Gastvortrag hervor, dass kein anderes Land so viele hochqualifizierte Leute eingestellt habe wie das Hochtechnologie-Land Deutschland. Die Zahl der Mitarbeiter mit Hochschulabschluss habe sich von 1995 bis 2008 von 50.000 auf 100.000 verdoppelt. Und Hochqualifizierte würden weiterhin eingestellt. Das es gelungen sei, in der Wirtschaftskrise die Reduzierung der Stammbelegschaft so gering zu halten (Rückgang nur um zwei Prozent), ist ein tolles Ergebnis der deutschen Automobilindustrie. Sie habe nicht den Fehler der letzten Krise von 1992/93 begangen, Mitarbeiter zu entlassen, die dann im Aufschwung wieder händeringend gesucht würden. Der Weg von Getrag sei typisch für ein deutsches Familienunternehmen, wie man sich behaupten könne, wenn man durch eine dramatische Krise geht.

Alexander Strube zeigte als Getrag-Chefingenieur für Elektroantriebe in seinem Plenumsvortrag das Spannungsfeld der unterschiedlichen Anforderungen zwischen Verbrennungsmotor, Hybrid- und elektrischem Antrieb auf, wenn man sie gegenüberstellt. Dabei versuchte er, vor allem die Fragen zu beantworten: Wird die Elektrifizierung eine nachhaltige Mobilität sicherstellen? Von den Rahmenbedingungen Nachhaltigkeit, Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Rohstoffressourcen ausgehend, nahm Strube zwei Anleihen aus der Technikgeschichte, um den zurzeit angezweifelten Erfolg der Batterie und des Elektroautos besser einschätzen zu können. Denn dafür müsse die Batterie noch viel leistungsfähiger und kostengünstiger werden. Schon oft konnte man sich Quantensprünge in der Technologieentwicklung kaum vorstellen. Kaiser Wilhelm II. lag falsch, als er sagte: Das Automobil ist eine temporäre Erscheinung; ich glaube an die Zukunft des Pferdes. Oder wer hätte gedacht, dass sich die Rechnertechnik von den ersten Geräten 1949, die 1,5 Tonnen schwer waren, heute zum 9,3 Kilogramm leichten iMac von Apple platzsparend weiter entwickelt? So sei er für das Automobil optimistisch, dass sich die heutige Batteriegröße von drei Kisten Bier auf einen Sechser-Karton Wein reduzieren lasse. Die Frage wollte Strube damit so beantwortet wissen, dass die Elektrifizierung die Nachhaltigkeit zwar nicht sicherstellt, aber enorm unterstützt.

Das vierte Forum hatte auch einen klaren Schwerpunkt im 75. Firmenjubiläum. Die Ludwigsburger Firma wurde 1935 vom Vater Hermann Hagenmeyer gegründet, wo zunächst Getriebe für Motorräder und für Rührwerke in Küchenmaschinen konstruiert und hergestellt wurden. Nach dem Krieg nahm man zunächst am Boom der Motorräder (zum Beispiel Adler, Ardie und Horex) teil, als 1952 das erste Automobil, ein Goggomobil von Glas in Dingolfing, und dann der Porsche 356 mit einem Getrag-Getriebe samt halbautomatischer elektromagnetisch betätigter Vorwählschaltung ausgerüstet wurde. Bereits im Jahr 1982 verstarb der Firmengründer, so dass Tobias Hagenmeyer im Alter von 27 Jahren das Familienunternehmen mit nur fünf Jahren Firmenerfahrung leiten musste. Heute ist die Getrag Corporate Group einer der größten Systemlieferanten für Getriebe- und Antriebssysteme weltweit mit 12.700 Mitarbeitern an 23 Standorten.

Die Teilnehmer des Forums hatten Gelegenheit zu Probefahrten mit rund 30 Fahrzeugen, die mit Getrag-Produkten bestückt waren. Ein emotionales Highlight war dabei die Vorstellung des 481-Doppelkupplungsgetriebes, das im Ferrari 458 Italia oder auch im Mercedes-Benz AMG SLS eingesetzt wird. Eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wie machen wir E-Mobilität zum Business-Case?" rundete die Veranstaltung ab. Das nächste Getrag Drivetrain Forum soll in zwei Jahren 2012 stattfinden.
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Autor(en): Michael Reichenbach
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