01.10.2010

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Untersuchung zur Umsetzung von Forschungs- und Entwicklungsförderprogrammen im Bereich Fahrzeugtechnologie

Förderprogramme für Forschung und Entwicklung für den Bereich der Fahrzeugtechnologie wurden nun von einer Forschergruppe analysiert. Die Wissenschaftler des Projektes "EAGAR" - das steht für European Assessment of Global Publicly Funded Automotive Research -, geleitet von Alexander Holleis von der AVL List GmbH in Graz (Österreich), untersuchten die Umsetzung der Förderprogramme. Sechs Empfehlungen haben die Autoren der Untersuchung ausgesprochen, die sich sowohl mit öffentlichen Investitionen, der Vergabe Forschungsförderungen, der Festlegung von Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkten, der Festlegung von Zielen zur Stärkung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit, der Verwaltung von Fördermitteln sowie mit der Information über Programminhalte sowie Budgets oder Teilnahmebedingungen befassen. Projektpartner waren neben AVL List, IDIADA Automotive Technology S.A. (Spanien), IFP Energies nouvelles (Frankreich), das Institut für Kraftfahrzeuge, RWTH Aachen (Deutschland), das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF (Deutschland), Ricardo UK Limited (Vereinigtes Königreich) sowie TNO Automotive (die Niederlande).

Den Hintergrund des Projektes, das von der Europäischen Kommission im Rahmen des 7. Rahmenprogramms für Forschung und Technologische Entwicklung gefördert worden ist und noch bis Oktober 2010 läuft, erklärt Projektleiter Alexander Holleis folgendermaßen: "Der Straßentransport und insbesondere der Bereich der Fahrzeugtechnologie hat wie wir wissen einen maßgeblichen Anteil an der heutigen Mobilität – im Gütertransport sowie im Personenverkehr." Die Fahrzeugindustrie gelte weltweit als einer der wichtigsten sowie forschungsintensivsten Wirtschaftszweige. In vielen Staaten werde sie als so genannter "Lead Sector" angesehen. "Dementsprechend werden nationale Visionen und Ziele veröffentlicht und entsprechende Forschungs- und Entwicklungsprogramme initiiert", fährt Holleis fort. Für die Untersuchung seien die Umsetzung der Förderprogramme vor dem Hintergrund der bekannten Herausforderungen, Visionen und technologischen Ziele analysiert worden, so Holleis. Also insbesondere hinsichtlich Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Schadstoffen, Lärmminderung, Verkehrssicherheit, Verbesserung von Mobilität und zur Förderung der globalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Fahrzeugindustrie. Die Untersuchungen wurden jeweils für die Europäische Kommission und die auf diesem Gebiet wichtigsten Mitgliedstaaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Spanien, Tschechien, Vereinigtes Königreich, sowie für die USA, Kanada, Brasilien, China, Japan, Süd-Korea, Russland und Malaysia durchgeführt.

Aus den Analysen von über 350 Ausschreibungen von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen der Jahre 2006 bis 2009 sowie aus Meinungen von mehr als 30 erfahrenen Forschungs- und Entwicklungsmanagern haben die Autoren ihre Erkenntnisse in sechs Empfehlungen manifestiert. Zum einen sollen nach Meinung der Autoren öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung für Fahrzeugtechnologien im internationalen Vergleich "wettbewerbsfähig" sein. Hier zeigt sich für den untersuchten Zeitraum, dass der Anteil der Automotive-Forschung und Entwicklung, bezogen auf die gesamten nationale Forschungs- und Entwicklungsausgaben in den meisten Ländern etwas höher liegt, als das Verhältnis des Automotive-Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum Gesamt-BIP. Es liegt zwischen 0,4 Prozent in Russland und 15,3 Prozent in Deutschland. Der Anteil der direkten Forschungs- und Entwicklungsförderungen variiert zwischen 1 Prozent und 25 Prozent.

Des Weiteren ist nach Angaben der Autoren die Vergabe von Forschungsförderungen am effizientesten, wenn nur wenige (ideal: eine) Organisationen verantwortlich sind. Tatsächlich sind in den meisten Ländern drei bis vier Ministerien in Automotive-Forschung und Entwicklung involviert. Diese Ministerien wiederum betreuen jeweils selbst Programme oder beauftragen Agenturen. Dazu kommen oft regionale Initiativen. Das führt laut Autoren zu inhaltlichen und terminlichen Überschneidungen und erschwert Kommunikation und Koordination.

Um die Schwerpunkte für Forschung und Entwicklung festzulegen, empfehlen die Autoren des Reports einen regelmäßigen Konsultationsprozess mit Vertretern aller Interessensgruppen. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass in vielen Ländern diese Konsultationen nur gelegentlich und zumeist nur mit ausgewählten Experten stattfinden und nicht transparent kommuniziert werden.

Von den bereits genannten Themen steht in Europa CO2 ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Forschung und Entwicklung wird dementsprechend unterstützt. Angesichts der Pläne der außereuropäischen Staaten empfehlen die Autoren, dass auch auf europäischer Ebene konkrete, verständliche Ziele zur Stärkung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit festgelegt und ebenfalls mit entsprechenden Fördermitteln unterstützt werden.

Als fünften Punkt betonen die Autoren, dass die Organisationen und Agenturen, die die Fördermittel verwalten, den Stand-der-Technik im Bereich Administration, Programmabwicklung und Organisation implementieren sollten. Denn ein interessantes Ergebnis der Studie seien die weit auseinanderklaffenden Zeiträume von Projekteinreichung bis zum Projektstart bei den verschiedenen Förderinitiativen, die von einem Monat bis zu zwei Jahren reichen würden.

Schlussendlich sprechen die die Autoren des Reports eine Empfehlung zu umfassender online Information über Programminhalte, Budgets, Teilnahmebedingungen und auch über laufende Projekte aus, die idealerweise durch persönliche Beratungsmöglichkeiten ergänzt wird. Diese verbessere die Abläufe in allen Bereichen, reduziere Überschneidungen, erhöhe die Erfolgswahrscheinlichkeit von Projektanträgen und motiviere zu weiteren internationalen Kooperationen.

Weitere Informationen (in englischer Sprache gibt es auf www.eagar.eu . Dort sind alle Länderberichte, der Benchmarking Report, sowie Präsentationen und Information zum EAGAR-Workshop am 4. Oktober 2010 in Aachen zu finden.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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