11.10.2010

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Forschungsfahrzeug Leonie fährt automatisch im realen Stadtverkehr

Autonom, ohne direkte menschliche Unterstützung durch die Stadt: Erstmals ist ein Forschungsfahrzeug automatisch im realen Verkehr gefahren. Im Rahmen des Forschungsprojekts "Stadtpilot" hat die Technische Universität Braunschweig in ihrem Kompetenzzentrum, dem Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik, ein Forschungsfahrzeug entwickelt, das automatisch eine vorgegebene Strecke im regulären Verkehr fährt. Bei Geschwindigkeiten bis zu 60 Kilometer pro Stunde kann das Forschungsfahrzeug "Leonie" auf der zweispurigen Fahrbahn des Braunschweiger Stadtrings die Spur halten, Kreuzungen berücksichtigen, Hindernisse beachten sowie Abstände und Geschwindigkeiten dem fließenden Verkehr anpassen. Die Fahrstrecke führte über einen Teil des Braunschweiger Stadtrings von der Hans-Sommer-Straße bis zur Kreuzung Mühlenpfordtstraße und zurück.

Leonie ist ein VW Passat Variant, 2.0 TDI. Via Satellitenortung kann der Wagen seine Position im Straßenverkehr berechnen. Verschiedene Laserscanner und Radarsensoren sorgen dafür, dass das Forschungsfahrzeug das Umfeld in jedem Moment wahrnehmen und dann im Rechner weiterverarbeiten kann. Das Land Niedersachsen hat die Ausnahmegenehmigung für die Fahrten im realen Stadtverkehr (auf dem Braunschweiger Stadtring) erteilt. Sie basiert auf einem Gutachten von TÜV Nord Mobilität. Ein Sicherheitsfahrer ist dabei vorgeschrieben. Ein weiterer Fahrer gibt derzeit noch die Ampelphase ein, die von Leonie noch nicht erkannt werden.

Das Forschungsprojekt "Stadtpilot" ist weltweit bisher das einzige, welches automatisches Fahren im realen Stadtverkehr umsetzt, erklärt die Technische Universität. Bereits 2007 hatte die TU Braunschweig mit dem VW Passat Variant "Caroline" an der Darpa Urban Challenge, ein Wettbewerb autonomer Fahrzeuge, teilgenommen und war ein Mitstreiter unter den elf Finalisten: Ursprünglich waren 89 Bewerber im Rennen. Aufbauend auf diesen Erfahrungen entwickelt ein interdisziplinäres Team aus drei verschiedenen Fakultäten nun den Nachfolger Leonie.

"Der Sprung von unserem ersten Fahrzeug Caroline zu Leonie ist groß", erläutert Professor Markus Maurer. "Während Caroline beim Wettbewerb in einem kontrollierten Szenario gefahren ist, gilt es hier, das reale Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Leonie hat es mit vielfältigen Verkehrsteilnehmern zu tun, die unterschiedlich und manchmal sogar regelwidrig fahren. Sie muss ihre Geschwindigkeit dem fließenden Verkehr anpassen. Und schließlich ist natürlich ein umfangreiches Sicherheitskonzept notwendig." Projektleiter Jörn Marten Wille erklärt: "Leonie muss nicht nur die Verkehrsregeln beherrschen, sondern auch all das, was auch ein Mensch zum Autofahren braucht. Sie muss ihre Umwelt sehen, sie muss Entscheidungen treffen und alleine Gaspedal, Bremse und Lenkrad bedienen."

In den kommenden Jahren ist Ziel des Projekts "Stadtpilot", den Braunschweiger Stadtring vollständig autonom umfahren zu können. Die Herausforderungen liegen in der komplexen Umgebung, erklärt die Hochschule. Der dichte Verkehr auf der teilweise baulich getrennten zweispurigen Straße stelle erhöhte Anforderungen an die Umfeldwahrnehmung, die engen Straßen erforderten eine präzise Spurplanung und die dichte, urbane Bebauung erschwere die exakte Positionsbestimmung.

Das Projekt wurde größtenteils am Mobile-Life-Campus, dem Wolfsburger Standort des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik (NFF), entwickelt. Experten aus Regelungstechnik (Elektrotechnik) und Luft- und Raumfahrttechnik (Maschinenbau) der Technischen Universität Braunschweig sind am Projekt beteiligt, ebenso wie das Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Hildesheim. Für das NFF, das zum Ziel die Erforschung neuer Konzepte für eine nachhaltige automobile Mobilität hat, stellt das Projekt ein zentrales Forschungsvorhaben dar, für das am Standort Wolfsburg ein eigenes Projekthaus aufgebaut wurde. Das Projekt wird ausschließlich aus Institutsmitteln der Technischen Universität Braunschweig finanziert.

Bereits seit Anfang des Jahres führt das Projektteam Fahrversuche auf dem Gelände der ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne in Braunschweig-Rautheim durch. Neben Leonie gibt es mit "Henry" ein zweites Forschungsfahrzeug, das im Themenbereich "Das intelligente Fahrzeug" des NFF aufgebaut wird. Henry fährt aber derzeit noch nicht.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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