06.12.2010

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
BOOKMARK
RSS-Feed
NEWSLETTER

Roboter mit Fingerspitzengefühl

Zwei Arme, drei Kameras, Fingerspitzengefühl und Mimik - das sind die Kennzeichen des pi4-Workerbot. Da er ähnliche Proportionen wie ein Mensch hat, lässt sich der Roboter an jedem modernen Arbeitsplatz der industriellen Fertigung einsetzen. Der Workerbot, entwickelt von der Firma pi4-Robotics mit Unterstützung vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin, soll helfen, die Produktion in Europa wettbewerbsfähig zu halten.

Den Workerbot und seine Arbeit - die Montage eines kleinen Getriebes - beschreibt das Fraunhofer IPK folgendermaßen: Vorsichtig nimmt der Roboter das Zahnrad in die eine und das Gehäuse in die andere Hand. Dann steckt er die beiden Teile zusammen. Da sie nicht gleich einrasten, unterbricht er seine Bewegung. Langsam dreht er das Zahnrad ein kleines Stück zurück. Jetzt lässt es sich ohne Widerstand in der Halterung bewegen. Er legt die erfolgreich zusammengesteckte Verbindung auf das Laufband. Dem pi4-Workerbot gelingt motorisch vieles, was normale Roboter nicht können. Die Entwicklung sei das Glanzstück des mit europäischen Mitteln geförderten PISA-Projekts, erklärt das Institut. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, mithilfe von Robotern bei Montageaufgaben einer industriellen Massenfertigung flexibler zu sein.

"Wir haben den Workerbot so entwickelt, dass er ähnliche Proportionen wie ein Mensch hat", sagt Dr.-Ing. Dragoljub Surdilovic, Arbeitsgruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin. So lasse sich der Hightech-Helfer an jedem modernen Stehsitzarbeitsplatz der industriellen Fertigung einsetzen. Der Roboter ist mit drei Kameras ausgestattet. Die Umgebung erfasst er mit einer hochmodernen 3D-Kamera in der Stirn. Zu Inspektionszwecken dienen die beiden anderen Kameras. Die Bandbreite seiner Fähigkeiten ist groß: "Er kann Gegenstände vermessen oder unterschiedliche Oberflächen inspizieren", erklärt Matthias Krinke, Geschäftsführer von pi4-Robotics, dem Unternehmen, das den Workerbot auf den Markt bringt. Über die Reflektion des Lichts auf dem Material erkenne der Roboter, ob die Chromschicht auf einem Werkstück makellos aufgetragen wurde. "Wenn man zwei unterschiedliche Kameras einsetzt, kann er mit dem linken Auge einen anderen Aspekt prüfen als mit dem rechten", erläutert Krinke. Zudem ist der Workerbot in der Lage, Bauteile 24 Stunden lang zu inspizieren. Das ist in Bereichen, in denen es auf Präzision ankommt, besonders wichtig.

Eine weitere Besonderheit des pi4-Workerbot: Er verfügt über zwei Arme. "Das erlaubt neue Arten von Bewegungsabläufen", betont Surdilovic. "Die Roboter können ein Werkstück von einer Hand in die andere reichen." Etwa, um kompliziert gebaute Teile aus allen Winkeln zu betrachten. "Konventionelle Roboterarme haben meist nur ein einziges Drehgelenk in der Schulter, alle anderen Gelenke sind Knickgelenke. Das heißt, sie verfügen über sechs Freiheitsgrade und nicht über sieben wie der menschliche Arm." Der Workerbot hat neben dem Drehgelenk in der Schulter eine zusätzliche Drehmöglichkeit, die dem Handgelenk beim Menschen entspricht.

Die Arbeitsgruppe von Surdilovic arbeitete die Steuerung aus. "Eine besondere Herausforderung war es, das Zusammenspiel der beiden Arme zu ermöglichen - etwa wenn sie gemeinsam ein Werkstück inspizieren oder zwei Bauteile zusammenbauen", erläutert der Fraunhofer-Forscher. "Dazu bedarf es einer zusätzlichen Sensorik."

Zudem haben die Forscher die Entwicklung mit Fingerspitzengefühl versehen. "Wenn man die Greifkräfte richtig einstellt, nimmt er ein Ei, ohne es zu zerquetschen", sagt Surdilovic. Der Roboter kann sich sogar mit Mimik ausdrücken. Läuft die Arbeit reibungslos, lächelt er zufrieden. Sieht er gelangweilt aus, wartet er auf Arbeit, und der Produktionsleiter weiß, dass der Produktionsprozess beschleunigt werden kann.
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Katrin Pudenz
   mehr Beiträge vom 06.12.2010:
» Nachrichten:

start
INTERVIEWS ZUM THEMA
"Störanfällige Vorlaufplanungen ablösen"
"Störanfällige Vorlaufplanungen ablösen" 08.02.2010 - Ansätze, die immer aufwändigere Steuerungstechnik zu vereinfachen, gab es unter Automati-sierern schon viele. Das jüngste Forschungsprojekt einer selbststeuernden Produktion setzt auf hochminiaturisierte Kleinstrechner und Funkverbindungen. Was mit ihnen erreicht... » mehr
start
NACHRICHTEN ZUM THEMA
Galileo Labs arbeiten an besserer Peilung
Galileo Labs arbeiten an besserer Peilung 08.03.2011 - Routen berechnen, Fahrzeuge finden, wissen, wo man sich gerade befindet: Für Autofahrer oder auch Segler ist Satellitennavigation bereits so etwas wie eine Selbstverständlichkeit. Bislang basieren die Anwendungen hauptsächlich auf den öffentlich zugänglichen... » mehr
reen Carbody Technologies: "Green Carbody Technologies" will 50 Prozent Energie in der Produktion einsparen (22.06.2009)

Studie: OEMs lenken Fokus wieder auf Produktqualität (28.09.2005)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
 
start
PREMIUM PARTNER
start
LOGIN FACHARTIKEL-ARCHIV
 
start
NEUES THEMENDOSSIER ONLINE
Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft

ThemendossierMit den Online-Themendossiers für automobile Ingenieure greift ATZonline Titelstrecken der Fachmagazine der ATZ-Familie auf und erweitert sie um aktuelle Nachrichten, Fachbeiträge und Interviews aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung beim Hersteller & Zulieferer zum Thema Auto und Technik.

Aktuell: Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft
start
LESEPROBE KOSTENLOS ONLINE BLÄTTERN

Lesen Sie hochaktuelle Beiträge zu den Themen Auto & Technik auf technisch wissenschaftlichem Niveau aus Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Produktion der Automobilindustrie.

» ATZ: Seit 1898 in der Automobilindustrie die Zeitschrift für Auto & Technik

» MTZ: In der Auto-Motor-Entwicklung die Zeitschrift für Ingenieure

» ATZelektronik: Die Auto-Zeitschrift für Elektronik & Elektrotechnik

» ATZproduktion: Die Technik-Zeitschrift für die Automobilindustrie-Produktion
start
NEWSLETTER
Mit dem Newsletter erhalten Sie zwei Mal in der Woche aktuelle News, Berichte, Events und Interviews aus der Automobiltechnik und Automobilentwicklung. Natürlich kostenlos!

Exklusiv für Newsletter-Abonnenten:
regelmäßig kostenlose Fachartikel

  
start
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE
Das Wissen der Experten:
Qualitätsgeprüft. 25.000 Stichwörter. Kostenlos.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen
start
KOOPERATIONEN
eCarTecElektro-Mobil Kongress
 
RSS Home Springer Automotive Media Mediadaten AGB/Datenschutz Impressum Kontakt

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012