14.12.2010

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Bain-Studie: Europas Autobauer müssen eigene Batterie-Kompetenz aufbauen

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain and Company zeigt: Die Traktionsbatterie wird durch Großserienproduktion massentauglich werden. Noch ist die Antriebsbatterie laut Studie die teuerste Komponente strombetriebener Fahrzeuge, noch sind die Batteriekosten zu hoch für den Massenmarkt. Doch in Asien und in den USA investieren Batterie- und Automobilhersteller bereits in den Aufbau von Produktionsstandorten. Die Studie "Li-Ion Battery Market for Automotive Applications" (übersetzt Lithium-Ionen-Batterie-Markt für Automotive-Anwendungen) folgert weiter, dass Europa zum Importeur der wichtigen Batterietechnologie zu werden droht. Und dass der Verlust der technischen Eigenständigkeit bei einer zentralen Komponente langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie gefährde.

Fahren mit Strom aus der Steckdose ist die Zukunft der bezahlbaren individuellen Mobilität, erklärt die Unternehmensberatung. Darüber sei sich die Mehrheit der Experten in der globalen Automobilindustrie einig. Die Technologie des elektrischen Antriebs im Pkw sei ausgereift, aber noch sehr kostspielig. Dennoch kommen nun die ersten Großserien-Elektrofahrzeuge auf den Markt: der Nissan Leaf, der Mitsubishi iMiEV und der Chevrolet Volt. Sie sind die Vorboten eines neuen Megatrends in der Automobilindustrie: die Ergänzung der traditionellen Modellpalette mit Verbrennungsmotoren durch Modelle mit elektrischem Antrieb, erläutert die Unternehmensberatung.

Kernstück des elektrischen Antriebs ist die Lithium-Ionen-Traktionsbatterie - eine Technik, die milliardenfach in Mobiltelefonen, Laptops und Werkzeugen zu finden ist. "Für das Auto muss die Lithium-Ionen-Technologie in neue Leistungs- und Produktionsdimensionen wachsen, die sich die Automobilindustrie erst erschließen muss", betont Dr. Gregor Matthies (Bild), Partner und Automobilexperte bei Bain and Company. "Die Traktionsbatterie wird über den Erfolg oder Misserfolg der Elektromobilität entscheiden und damit letztlich über die Zukunft der Automobilindustrie."

Die Batterie ist in einem Elektroauto die mit Abstand teuerste Einzelkomponente, ähnlich dem Verbrennungsmotor in einem konventionellen Fahrzeug. Bei einem rein batteriebetriebenen Auto mit 18-Kilowattstunden-Speicher kostet die Batterie bei heutigen Weltmarktpreisen rund 9000 Euro und kann mehr als 45 Prozent der Gesamtherstellkosten ausmachen, heißt es.

"Für den kurzfristigen Erfolg der Elektromobilität auf diesem Preisniveau gibt es eine relativ einfache Formel mit zwei Determinanten", sagt Matthies und führt weiter aus: "Entweder die Kosten für Benzin, Diesel, CO2-Ausstoß und Großstadt-Zufahrtsberechtigungen steigen drastisch oder die Preise für die Batterien sinken schnell um mindestens 60 bis 70 Prozent. Ersteres sind Maßnahmen, die zu Zwangsinnovationen führen, was politisch nicht immer durchsetzbar ist. Letzteres bietet unternehmerische Chancen." Wie die Herstellungskosten für die Traktionsbatterie gesenkt werden können, hat die Unternehmensberatung nun analysiert. Entscheidend ist die Massenproduktion. Bei Lithium-Ionen-Akkus für Laptops konnten die Herstellkosten durch Massenproduktion in den letzten zehn Jahren um mehr als 80 Prozent gesenkt werden, weiß das Unternehmen.

Weltweit habe ein enormer Investitionswettbewerb darum begonnen, wer am schnellsten kostengünstige Traktionsbatterien in großen Stückzahlen und hoher Qualität produzieren könne. Vorreiter seien Unternehmen aus Japan, Korea und China, die bereits heute Marktführer bei Lithium-Batterien sind - vor allem Sanyo, Sony, Samsung, BYD, LG, Panasonic und Hitachi. Aber auch in den USA werden derzeit allein im Großraum Detroit rund vier Milliarden US-Dollar in neue Produktionsanlagen für Auto-Traktionsbatterien investiert, so Beratungsfirma.

Europa drohe bei dieser Technologie als Standort zurückzufallen und zum Importeur von Batterien zu werden. Obwohl hier jährlich über 15 Millionen Pkw für den heimischen und den Weltmarkt produziert werden, sind die Investitionen in den Aufbau von Batteriefertigungen bisher gering, erklärt die Unternehmensberatung. Derzeit gebe es konkrete Investitionspläne von rund einer Milliarde Euro bis 2015. Nach den Analysen von Bain und Company sind aber bis zu fünf Milliarden Euro notwendig.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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