14.12.2010

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RWTH-Forscher Lutz Eckstein ruft zur Revolution auf

Lutz Eckstein, Leiter des Institut für Kraftfahrzeuge an der RWTH Aachen, ist der Auffassung, dass die Elektromobilität den Verkehr in Städten sauber machen könnte. Und sie könnte auch ein Exportschlager werden, meint er. Aber nur, wenn sie konsequenter denn je erforscht und umgesetzt wird.

In einem Gastbeitrag für das Magazin "Automotive Agenda" spricht er sich für eine wesentlich konsequentere Erforschung und Umsetzung der Elektromobilität in Deutschland aus - und stößt damit auch eine Diskussion über die "Modellregionen Elektromobilität" an.

Eckstein schreibt: "Die individuelle Mobilität der Zukunft braucht andere Fahrzeugkonzepte als jene, die wir heute kennen. Erst recht in Städten, in denen aufgrund der beschleunigten Urbanisierung immer mehr Verkehrsteilnehmer aufeinandertreffen. Ziel muss es sein, die Mobilitätsbedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen dauerhaft zu erfüllen und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch, die Emissionen, die Kosten sowie die Unfallzahlen und -folgen zu minimieren.

Ein Schlüssel dazu wird sicherlich die Elektromobilität sein, denn sie kann entscheidend dazu beitragen, die lokalen Emissionen und Schadstoffe wie CO2, Stickoxide oder Kohlenwasserstoffe in Ballungszentren zu senken. Ihre Umsetzung jedoch verläuft derzeit nur evolutionär - vom so genannten 'Conversion-Design', bei dem das Elektrofahrzeug lediglich eine Antriebsvariante eines für den konventionellen Verbrennungsmotor ausgelegten Modells darstellt, über flexible Zwischenlösungen bis hin zum 'Purpose-Design' eines konsequent auf den elektrischen Antriebsstrang hin entwickelten Fahrzeugs.

Wir sollten uns nicht damit zufriedengeben, dass sich die innerstädtische Mobilität lediglich schleichend hin zu unterschiedlich stark elektrifizierten Pkw mit Massen zwischen ein und zwei Tonnen entwickelt. Denn es ist mittel- und langfristig weder nachhaltig noch effizient, zum individuellen Transport einer Person mehr als das Zehnfache ihrer Masse beschleunigen und abbremsen zu müssen, selbst wenn wir dazu Strom aus regenerativen Quellen nutzen.

Wir sollten der aktuellen evolutionären Entwicklung des Elektroautos eine Revolution gegenüberstellen, die an drei Punkten ansetzt: der Masse des Fahrzeugs, der Verkehrsleitung und der Vernetzung der Verkehrsträger in der Stadt. 'Revolution' meint dabei nicht einen kompletten Umsturz all unserer Mobilitätsgewohnheiten von heute auf morgen. Vielmehr geht es um die praktische Erforschung neuer Ansätze, die sämtliche relevanten Akteure in kleinen 'urbanen Laboren' einbeziehen. (...)

Erforderlich wäre dazu eine enge Kooperation zwischen Deutscher Bahn, Automobilindustrie und weiteren Partnern aus der Bahntechnik, IT und Energieversorgung, die ein solches Projekt initiieren und in einem interdisziplinären Verbund forschen; angestoßen durch die Bundesregierung und gemeinsam mit interessierten Ländern, Städten und Gemeinden. Ein entsprechendes Engagement der Wissenschaft, Industrie und Politik vorausgesetzt, könnte Deutschland so langfristig nicht nur ein führender Exporteur von Fahrzeugen und ihren Komponenten bleiben. Es würde sich zusätzlich ein wichtiger Anbieter von nachhaltigen Mobilitätslösungen auf dem globalen Markt etablieren."

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in Automotive Agenda 8/2010. Die Ausgabe erscheint am 16. Dezember 2010 und widmet sich dem Schwerpunktthema "Urbanisierung: Welchen Platz hat das Auto in der Stadt von morgen".
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Autor(en): Peter Gaide
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