16.12.2010

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Erstes Elektroauto in Großserie

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Erstmals seit vielen Jahren gibt es in Europa ein Elektroauto zu kaufen, das über eine europaweite Homologation verfügt und auf Großserienbau ausgelegt ist. In dieser Woche stellt Mitsubishi in Trebur bei Mainz den i-MiEV der Automobilfachpresse vor. Es handelt sich um ein viersitziges Stadtfahrzeug, das baugleich auch von Peugeot und Citroen angeboten werden wird.

Angetrieben wird der i-MiEV von einem permanent erregten Synchronmotor mit einer Nennleistung von 35 Kilowatt sowie einer Spitzenleistung von 49 Kilowatt. Das bis zu einer Drehzahl von 2000 1/min anliegende maximale Drehmoment von 180 Newtonmeter sorgt für einen flotten Start. Zum Vergleich: Der von Mitsubishi im Colt eingesetzte 1,1-l-Ottomotor stemmt gerade mal 100 Newtonmeter auf die Kurbelwelle und das erst bei einer Drehzahl von 4000 1/min. Erste Testfahrten der ATZ bestätigten den agilen Eindruck des Fahrzeuges, der mit tiefem Schwerpunkt und Heckantrieb innerorts Freude macht.

Die Antriebsenergie stellen 88 Lithium-Ionen-Zellen zur Verfügung, die insgesamt 16 Kilowattstunden puffern können. Die Zellen sind jeweils zu viert in einem Block mit einer eigenen Ladezustandsüberwachung verschaltet. Insgesamt wiegen die Batterien 160 Kilogramm, einschließlich des massiven Rahmens, der an den beiden Längsträgern angeschraubt wird, sind es 230 Kilogramm. Das entspricht 17 Prozent des Gesamtfahrzeuggewichts und darf als guter Wert gelten.

Die Reichweite der Batterie beträgt im europäischen Normzyklus 150 Kilometer, was einem Verbrauch von 135 Wh/km entspricht. Das führt beim derzeitigen deutschen Stromerzeugungsmix zu einer effektiven CO2-Emission von 73 Gramm pro Kilometer. Rechnet man den Aufwand für die Kraftstoffgewinnung ein, dann liegen die besten Kleinwagen aus europäischer Produktion wie der Volkswagen Polo mit kleinem Dieselmotor bei etwa 100 Gramm pro Kilometer. Allerdings schrumpft die Reichweite des i-MiEV deutlich, wenn die maximal fünf Kilowatt leistende Heizung voll in Anspruch genommen wird, um zwei Drittel, entsprechend verdreifachen sich die CO2-Emissionen und liegen dann deutlich über denen konventioneller Antriebe.

Der Fahrer des i-MiEV kann zwischen drei Fahrstufen wählen. Sie unterscheiden sich freilich nicht durch die Übersetzung, die ist starr und beträgt immer 6,1, sondern durch die Stärke der Rekuperation im Schubbetrieb. Die Stufe "D" ist auf mittlere Rekuperation ausgelegt, der Modus "B" für Bergabfahrt verzögert besonders stark, während "C" ein gemächlicheres Ausrollen bei Überlandfahrten zulässt. Die PSA-Varianten des i-MiEV verzichten, getreu dem Motto "Keep it simple", auf die Modi "B" und "C". In Japan wird zusätzlich ein Eco-Modus angeboten, der die maximale Leistungsabnahme des Motors auf 17 Kilowatt und entsprechend eine längere Reichweite garantieren soll. Eingebaut wird das Getriebe parallel zum E-Motor vor der Hinterachse.

Eine Besonderheit des i-MiEV ist seine Vorbereitung auf eine Schnellladung, die in 30 Minuten eine vollständig entleerte Batterie wieder auf 80 Prozent des maximalen "Füllstandes" bringt. Denn bislang bieten alle Ladestationen in Deutschland Wechselspannung mit 220 oder 380 Volt an, die im Fahrzeug nicht auf den zur Batterieladung notwenigen Gleichstrom umgerichtet werden kann und daher zu sehr langen Ladezeiten führt. Um sehr schnell, also mit einer Leistung von zirka 50 Kilowatt laden zu können, muss die Ladestation mit einem Umrichter ausgestattet werden. Die in diesem Fall notwendige Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation übernimmt dabei das Protokoll "CHAdeMO", das von japanischen Auto- und Elektronikfirmen als Standard eingeführt wurde. In Japan sind bereits 300 solcher Schnellladestationen im Einsatz, mit Unterstützung der Regierung sollen es bald 5000 werden. Wo keine Schnellladestation verfügbar ist, kann der i-MiEV auch mit einem Schuko-Stecker an jeder Haushaltssteckdose oder mit einem Typ-2-Stecker an konventionellen Ladestationen mit Wechselspannung "betankt" werden.

Flotten- wie Privatkunden können das Auto ab sofort kaufen, sofern sie bereit sind, für das Fahrzeug 34.390 Euro zu bezahlen. Die ersten 600 Fahrzeuge, die Mitsubishi bis Ende März 2011 nach Deutschland bringen will, sind so gut wie alle verkauft, hauptsächlich an Energieversorger, Stadtwerke und Kommunen. In den kommenden zwei Jahren will Mitsubishi die Produktion deutlich steigern, im Geschäftsjahr 2012 sollen bereits 50.000 Fahrzeuge die Bänder des Werks Mizushima verlassen.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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