17.12.2010

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Technik im Alltag: Audi S4 und BMW M3 Coupé

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BMW M3 Coupé und Audi S4 passen eigentlich nicht so richtig in einen gemeinsamen Test. Audi folgte gegenüber dem Vorgänger dem Downsizing-Gedanken und kürzte von acht auf sechs Zylinder herunter, ergänzte allerdings um eine Aufladung. BMW fügte im Gegensatz zwei Zylinder hinzu und treibt den M3 nun mit einem V8-Saugmotor an, der mit 309 Kilowatt eine ganze Leistungsklasse über dem 245 Kilowatt starken Audi-V6 rangiert. Noch dazu bestellten wir die Testfahrzeuge mit unterschiedlicher Kraftübertragung: ein manuelles Sechsgang-Getriebe im S4, das neue Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe im M3.

Trotzdem, oder gerade deswegen, ist der Vergleich spannend: Eine Fahrzeugklasse, eine ähnliche Grundidee aber zwei verschiedene Ansätze. Mit "S" und "M" in der Namensgebung verschreiben sich die Marken der Sportlichkeit. Bei Audi rangieren darüber zwar noch die RS-Modelle, aktuell wird aber kein RS4 angeboten. Nimmt man den jüngst vorgestellten RS5 als potenzielle Vorschau, wird auch der nächste RS4 wieder von einem V8-Saugmotor angetrieben. Doch zurück zum S4: Äußerlich sehr dezent tritt er auf. Allein die zwei Doppelendrohre, größer dimensionierte Räder und Bremsen und zurückhaltende Aerodynamik-Accessoires verraten ihn. Im Innenraum Audi-typisch aufgeräumt und sachlich bei hoher Qualitätsanmutung. Wesentlichster Unterschied zum Massen-A4 sind hier die sehr guten Sportsitze.

Auch mit dem Motorstart bleibt der S4 zurückhaltend und das wird sich auch nicht ändern: der Audi ist eher schnelles Reiseauto als Sportler. Bietet auch fahrwerksseitig überraschend hohen Komfort und bleibt grundsätzlich unaufgeregt. Selbst bei der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h (laut Tacho deutlich darüber) kommt der Fahrer nicht in Bedrängnis. Der S4 bleibt unaufgeregt und bietet fahrdynamisch dennoch hohe Reserven. Objektiv tragen dazu die sehr gute Fahrwerksauslegung inklusive Allradantrieb und die guten Bremsen bei. Subjektiv vermittelt die überragende Überlagerungslenkung zusätzliche Sicherheit und Agilität.

Der BMW M3 ist grundsätzlich anders geeicht. Mit der ersten lautstarken Wortmeldung des Motors wird klar, dass seine Ambitionen auf der dynamischen Seite und seine Wurzeln im Rennsport liegen. Das Klangvolumen und -spektrum des Achtzylinders ist phänomenal, vom basslastigen Blubbern bis zum Hochdrehzahl-Kreischen ist alles dabei, gleichsam spektakulär ist der Vortrieb. Passend dazu schaltet das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe beinahe in Perfektion, einzig im Komfortmodus wünscht man sich etwas mehr Geschmeidigkeit.

Völlig kompromisslos ist der M3 aber nicht. Das Fahrwerk ist straff, trotz Heckantrieb und V8-Motor auf der Vorderachse ist er - zumindest subjektiv - noch agiler als der S4. Dennoch lässt auch der BMW noch Restkomfort zu. Lange Autobahn-Etappen sind entspannt zu schaffen. Einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu leistet die Innenraumgestaltung und -ausstattung, die ohne Weiteres auch in einer Oberklasse-Limousine verbaut sein könnte. Hochwertige Anmutung, tolle Sitze und gewohnt gute Multimedia- und Infotainment-Struktur rücken den M3 wieder etwas vom Rennsport weg und hin zum Alltagsauto.

Subjektiv bleibt der M3 aber dennoch deutlich schärfer als der S4, was in Hinblick auf die Mehrleistung und die unterschiedliche Motorauslegung aber auch zu erwarten war. Entsprechend besteht auch im Testverbrauch eine Kluft: Bei vergleichbarer Strecke und Fahrweise kam der S4 im Schnitt auf 10,5 Liter, der M3 auf 13,5 Liter pro 100 Kilometer. Auffällig bei den Verbrauchsmessungen war jedoch, dass sich die Abweichungen bei scharfer Fahrweise bei beiden in Grenzen halten: 12,3 und 14,9 Liter verbrauchten S4 beziehungsweise M3 auf sehr schnell gefahrenen Etappen pro 100 Kilometer.

Technische Daten

Fazit:
Ruben DanischDer Audi S4 ist überraschend komfortabel ausgelegt und bietet fahrdynamisch dennoch sehr hohe Reserven. Die großartige Überlagerungslenkung begeistert, etwas mehr erwartet hätten wir beim Klang des Sechszylinders. Der BMW M3 ist nicht nur wegen seiner Mehrleistung das klar sportlicher orientierte Fahrzeug. Der V8 klingt toll und harmoniert perfekt mit dem Doppelkupplungsgetriebe. Dank komfortabler Ausstattung und nicht zuletzt der zahlreichen Verstelloptionen für Dämpfer, Getriebe, Lenkung und Motorkennlinie bleibt aber auch er voll alltagstauglich.


(Ruben Danisch)
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Autor(en): Ruben Danisch
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