06.01.2011

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Elektroautos schaffen Wachstum und Beschäftigung in Europa: 110.000 Jobs bis 2030

Durch den Trend zur Elektromobilität sowie durch die Globalisierung kann sich der Markt für Antriebskomponenten bis zum Jahr 2030 auf 460 Milliarden Euro pro Jahr mehr als verdoppeln und weltweit 420.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Auch in Europa sorgt das weltweite Wachstum für Umsatz- und Beschäftigungssteigerungen. Dies belegt eine neue Studie der Unternehmensberatung Mc Kinsey and Company. Laut Studie wird sich das Marktvolumen in Europa bis zum Jahr 2030 auf 170 Milliarden Euro verdoppeln, rund 110.000 zusätzliche Fachkräfte mit Knowhow in Chemie und Elektronik werde benötigt. Das Marktwachstum bewirkt jedoch weitreichende Verschiebungen in der Wertschöpfungskette, so die Autoren. Hersteller und Zulieferer müssten sich auf ein Portfoliospiel mit hohen Unsicherheiten einstellen: Sie müssen sich vom Verbrennungsmotor über den Batterie- und Hybrid- bis zum Brennstoffzellenantrieb alle Technologie-Optionen offenhalten und gleichzeitig ein professionelles Rohstoffmanagement sowie neue "Mechemtronik"-Kompetenz bei den Mitarbeitern aufbauen, erklärt die Unternehmensberatung.

Getrieben wird der Trend zur Elektromobilität laut Studie durch die CO2-Regulierung. Bei einer sehr strengen Regulierung dürfen Pkw bis zum Jahr 2050 nur noch bis zu zehn Gramm CO2 pro Kilometer erzeugen - und dies nach Well-to-Wheel-Rechnung. In diesem Fall dominieren langfristig bis 2050 Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge, für die Kurz- beziehungsweiese Langstrecke. Aber auch bei einem milderen Grenzwert von 40 Gramm CO2 pro Kilometer sei sicher, dass das Elektroauto komme. Bei diesem Grenzwert, der als Basis für die Marktanalysen genutzt wurde, würden Hybrid- und Range-Extender-Fahrzeuge bis 2030 einen Anteil von 35 beziehungsweise 15 Prozent der Neuzulassungen erreichen. Im Jahr 2030 werden nach Angaben der Unternehmensberatung bereits zwei von drei Autos mit einem (zusätzlichen) Elektromotor ausgestattet sein, aber mehr als drei von vier Autos werden über einen Verbrennungsmotor verfügen.

Diese Verschiebung schlägt sich, so die Studie, in einem signifikant höheren Marktvolumen nieder: Bis 2030 werde der Markt für Elektromotorkomponenten doppelt so groß sein wie für Verbrennungsmotorkomponenten. Verstärkt werde dieser Effekt durch das starke Wachstum in den Schwellenmärkten: China und Indien wachsen laut Unternehmensberatung dreimal so schnell wie die bisherigen Kernmärkte Europa, Nordamerika und Japan. Beide Trends würden dazu führen, dass sich der Markt für Antriebstechnologien bis zum Jahr 2030 von 190 auf 460 Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt - unter Berücksichtigung der Umsatzeinbußen bei Verbrennungsmotoren und zu erwartender Produktivitäts- sowie Preiseffekte.

Die Elektromobilität stellt Hersteller und Zulieferer vor drei Kernherausforderungen, betonen die Autoren. Zu nennen wäre einerseits das Management von Technologieoptionen, zudem die Gestaltung eines professionellen Rohstoffmanagements und der Aufbau entsprechender Fähigkeiten bei den Mitarbeitern. "Deutsche Hersteller begründen ihre Stärke auf ihrer Kompetenz in der Mechanik. Jetzt kommt es darauf an, das Portfolio einschließlich der neuen Technologien zu beherrschen", erläutert Andreas Tschiesner, Partner im Münchner Büro des Beratungsunternehmens. Elektromotoren, Batterien und Thermomanagement sind den Beratern zufolge zweifellos die wachstumsstärksten Komponenten. Einzelne mechanische Komponenten, die von der zunächst wachsenden Komplexität profitieren, wie zum Beispiel Getriebe und Turbolader, werden bis 2020 noch an Umsatz gewinnen. Danach werde die Nachfrage aber signifikant zurückgehen. Um im Portfolio-Spiel erfolgreich zu sein, müssten sich die Hersteller genau überlegen, in welche Technologien sie investieren und wo sie mit Zulieferern oder Wettbewerbern kooperieren, betont das Beratungsunternehmen.

Eine weitere Herausforderung wird laut Studie das Management von Rohmaterial: Für die neuen Komponenten werden zu einem wesentlich höheren Anteil Materialien benötigt, bei denen sich eine Rohstoffknappheit heute schon abzeichnet. Die Nachfrage nach Stahl und Aluminium werde sich bis zum Jahr 2030 fast verdoppeln, die Nachfrage nach Kupfer um das 13-fache steigen. Noch höher sei der Bedarf an der seltenen Erde Neodym (120-facher Bedarf) und an Lithium (200-fache Steigerung). Aber auch Kohlefaserverbundstoffe werden begehrter, so die Studie. "Durch die Massenproduktion und die damit verbundenen Preissenkungen von Kohlefaserkomponenten könnte die Nachfrage jährlich um über 20 Prozent steigen und die heute von der Luftfahrt dominierte Branche in eine Autodomäne verwandeln", betont Wolfgang Pointner, Partner im Stuttgarter Büro von Mc Kinsey. Die Automobilindustrie müsse nun ein professionelles Rohmaterialmanagement aufbauen, um die aus der Rohstoffknappheit resultierenden Preissteigerungen auffangen zu können und den Zugang zu den benötigten Rohstoffen auch in Jahrzehnten noch sicherzustellen.

Die dritte Herausforderung besteht im Aufbau der erforderlichen Kompetenzen und Fähigkeiten. Mit dem Trend zur Elektromobilität verschiebe sich das Kompetenzprofil der automobilen Antriebsindustrie von der Mechanik hin zur "Mechemtronik": "In zwanzig Jahren wird weltweit der Anteil der Mitarbeiter in der mechanischen Bearbeitung von 80 Prozent auf 60 Prozent gesunken sein", erklärt Nicolai Müller, Partner im Kölner Büro des Beratungsunternehmens. "Die restlichen 40 Prozent entfallen dann auf Elektroniker und Chemiker." Das gelte auch für Europa: Die 110.000 neuen Fachkräfte, die nach Analysen des Unternehmens allein in Europa für die Produktion und Entwicklung von elektrifizierten Antriebssträngen erforderlich sind, würden ausschließlich in den Bereichen Chemie, Kunststofftechnik, Mikroelektronik, Elektrotechnik und Software/IT benötigt. Industrie und Regierung stehen dabei gemeinsam vor der großen Herausforderung, so folgern die Autoren der Studie, frühzeitig Fachkräfte mit Mechemtronik-Kompetenzen für den steigenden Bedarf auszubilden.

(Bilder: Audi)
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Autor(en): Katrin Pudenz
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