07.01.2011

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KPMG-Umfrage: Stadtplaner werden die Entwicklung von Automodellen beeinflussen

Bevölkerungswachstum und Urbanisierung: Diese beiden Faktoren werden die Automobillandschaft in den nächsten Jahren maßgeblich verändern. 76 Prozent der Branchenexperten gehen davon aus, dass die Stadtplanung zunehmend Einfluss auf die Modellentwicklung haben wird. Dieser und weitere Trends sind das Ergebnis einer weltweiten KPMG-Umfrage. Die Erhebung des Netzwerks internationaler Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen befasste sich mit den Entwicklungen der Automobilindustrie unter mehr als 200 Herstellern, Zulieferern und Händlern, von denen zwei Drittel einen Umsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar verzeichnen.

Umweltzonen und autofreie Innenstädte sind nach Ansicht von Dieter Becker, Global Head of Automotive bei KPMG, nur der Anfang. Laut Becker laufe in New York derzeit eine Ausschreibung für das Taxi der Zukunft mit alternativem Antrieb, das ab dem Jahr 2014 die so genannten Yellow Caps ablösen soll. Mit Masdar werde derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten beispielsweise eine Stadt errichtet, die völlig unter ökologischen Geschichtspunkten entwickelt werde. Es werde auf einen elektrisch motorisierten Individualverkehr gesetzt, berichtet Becker weiter und folgert: "Die Industrie muss sich darauf einstellen, dass die Städteplaner zunehmend die Modellentwicklung beeinflussen und nicht - wie bisher üblich - umgekehrt."

Nach der Ansicht von rund 80 Prozent der Branchenexperten wird der Absatz von Autos mit Hybrid- und Elektroantrieb in den kommenden fünf Jahren im Vergleich zu anderen Modellen am stärksten steigen, besagen die Ergebnisse der Umfrage. Weiter heißt es, dass allerdings, vor allem wegen der relativ hohen Kosten, der Anteil an Autos mit Elektroantrieb weiterhin deutlich dem der mit Verbrennungsmotor ausgestatteten Fahrzeuge hinterherhinken dürfte. Um Elektrofahrzeuge für die breite Masse erschwinglich zu machen, sind nach Überzeugung von mehr als einem Drittel der befragten Branchenexperten vor allem staatliche Subventionen unabdingbar (38 Prozent). Als zweitbeste Refinanzierungsmöglichkeit erachten die Fachleute laut Umfrage Dienstleistungsangebote rund um das Thema Elektromobilität, die sich aus Partnerschaften zwischen Herstellern und Energielieferanten ergeben könnten (20 Prozent).

Laut Erhebung ist ein geringer Treibstoffverbrauch nach Überzeugung von 91 Prozent der Branchenfachleute nach wie vor das wichtigste Entscheidungskriterium für Autokäufer. 82 Prozent der Experten gehen davon aus, dass Sicherheitsaspekte bei der Auswahl eines Fahrzeugs künftig wieder eine stärkere Rolle spielen werden (2010: 71 Prozent). Dieter Becker erklärt hierzu: "Neue Technologien bergen auch neue Risiken wie etwa brennbare Batterien. Insofern bieten Innovationen im Bereich Fahrzeugsicherheit eine gute Möglichkeit, sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Hersteller und Zulieferer, denen es gelingt, technologische Überlegenheit mit einer Marktführerschaft in diesem Bereich zu verknüpfen, können hier einen Wettbewerbsvorteil erlangen."

Eine Hauptsorge der Branche bleiben nach Angabe der Experten die Überkapazitäten - vor allem auf dem nordamerikanischen Markt, so die Ergebnisse der Umfrage. Hier sehen fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) laut Erhebung trotz umfangreicher Restrukturierungsaktivitäten in den vergangenen Jahren derzeit eine Überproduktion, mit deutlichem Abstand gefolgt von Japan (24 Prozent) und Deutschland (22 Prozent). Auf die Wachstumsmärkte China und Indien sehen 50 beziehungsweise 42 Prozent der Befragten innerhalb der nächsten fünf Jahre entsprechende Probleme zukommen.

Bei der Finanzierung von Innovationen setzen zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) lieber auf strategische Allianzen oder Joint-Ventures, als das Risiko alleine zu schultern. Das zeigte die KPMG-Umfrage zudem auf. "Abgesehen davon, dass sich durch Kooperationen Kosten und Risiken für das einzelne Unternehmen verringern lassen, stellen diese auch eine Möglichkeit dar, Zugang zu technologischem Know-how zu erhalten. Vor allem in den Bereichen Hybrid- und Elektroantrieb. Hier könnten die Grenzen zwischen Herstellern und Zulieferern schon bald verwischen", erklärt Dieter Becker. Weil strategischen Partnerschaften bei der Entwicklung technologischer Innovationen eine immer stärkere Bedeutung zukommt, geht entsprechend der Befragung die Hälfte der Branchenexperten davon aus, dass sich die Wertschöpfungskette stark wandeln wird (49 Prozent). Dieter Becker meint hierzu: "Hersteller, Zulieferer, ganz neue Player wie Energieversorger und auch Nischenanbieter werden der Industrie eine neue Dynamik verleihen. Wissen zu konzentrieren wird angesichts der neuen Marktbedingungen immer wichtiger. Wollen die Hersteller ihre Technologie und das Know-how schützen und ihr Markenimage erhalten, müssen sie sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle machen. Für sie geht es darum, weiterhin die Schnittstellenfunktion zum Kunden zu besetzen. Zum Beispiel, indem man unterschiedliche Mobilitätsangebote und Dienstleistungen koordiniert und dabei den eigenen Fahrzeugen eine Schlüsselrolle zukommen lässt."

Über die Bedeutung der Entwicklung effizienter und preiswerter Elektrofahrzeuge sind sich laut Umfrage alle Experten einig. Doch ansonsten scheinen die Märkte in den führenden Industrienationen und den Wachstumsmärkten hinsichtlich der Kundenerwartungen auseinanderzudriften. "Hersteller und Zulieferer in den reiferen Ländern müssen sich angesichts verstopfter Innenstädte zunehmend auf ein sich wandelndes Mobilitätsverhalten einstellen", erklärt Becker. Es gehe zunächst einmal darum, das wachsende Bedürfnis nach größerer Mobilität zu befriedigen. Ein Spagat, der die Hersteller vor große Herausforderungen stelle.

(Bilder: Volkswagen)
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Autor(en): Katrin Pudenz
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