10.01.2011

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CES 2011: Auf Augenhöhe mit dem Mobiltelefon

Lange Zeit haben die Automobilhersteller auf die Trends reagiert, die die Unterhaltungselektronik vorgegeben hat. In einer selbstbewusst vorgetragenen Rede zur Consumer Electronics Show (CES), der weltgrößten Messe dieser Branche, hat Audi-Chef Rupert Stadler (links im Bild) nun erstmals einen Führungsanspruch angemeldet. Künftig werde der Premiumhersteller Soft- und Hardware stets auf Augenhöhe mit der Handy- und Computerbranche anbieten.

Um dieses Versprechen trotz der langen Produktentwicklungszeiten in der Automobilindustrie einhalten zu können, trennt Audi die in aktuellen Infotainmentsystemen vereinten Funktionen konsequent in zwei Welten. Navigation und Entertainment laufen künftig auf einer Hardware-Plattform, die mit dem schnellen "Tegra 2"-Chipsatz von Nvidia bestückt ist. Andere Funktionen wie die Fahrzeugdiagnose, die dem technologischen Wandel langsamer folgen, bekommen ein eigenes Steuergerät.

Die superschnellen Grafikprozessoren braucht Stadler auch, weil er die Mensch-Maschine-Schnittstelle weiter digitalisieren will. "Im Lauf des Jahrzehnts erhalten alle Audi-Fahrzeuge ein frei programmierbares Kombiinstrument", so Stadler. Dies mache den Führungsanspruch für den Fahrer sichtbar. Zum Ersteinsatz wollte Stadler noch nichts verraten, Branchenexperten gehen jedoch davon aus, dass schon die nächste Generation des TT auf analoge Instrumente völlig verzichten könnte. Darüber hinaus wird das Head-up-Display bei Audi auf breiter Fläche Einzug halten.

Die Funktionsintegration wird Audi nicht mehr wie bislang einem Systemlieferanten überlassen, sondern über E.Solutions, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Elektrobit selbst in die Hand nehmen. Sollte dieses Beispiel Schule machen, würde sich die Rolle der Systemlieferanten massiv verändern.

Helmut Matschi (rechts im Bild), im Vorstand der Continental AG für Interior verantwortlich, zeigte sich auf der CES trotzdem optimistisch. "Auch künftig werden die Fahrzeughersteller jemanden brauchen, der die vielen Einzelpartner koordiniert." Sicher aber, so Matschi, werde man nicht mehr alles selber machen. "Wenn es von anderen gute Hard- oder Software gibt, dann können wir die nehmen und so die Entwicklungskosten reduzieren." Dieses Jahr gehen die ersten High-end-Systeme von Continental in Serie, die auf einem Microsoft-Betriebssystem laufen.

Als Beispiel für die eigene Kompetenz hatte Continental ein Konzeptfahrzeug mitgebracht, dessen Infotainmentsystem auf einem Android-Betriebssystem läuft. Mit "Auto Linq" stellt Conti eine Funktion dar, die es ermöglicht, abgesicherte Apps herunterzuladen. Auch dabei setzt Matschi auf die gezielte Auswahl von Partnern. Den Sicherheitslayer und den App-Store entwickelt Conti nicht selbst, sondern mit Partnern aus der Unterhaltungsbranche. Der aus solchen Kooperationen resultierende Verlust an Wertschöpfung ist laut Matschi angesichts der geringeren Entwicklungskosten zu verschmerzen.

Der größte Trend der diesjährigen CES ist allerdings sicher nicht die Automobilelektronik. Sondern die rund 80 Unternehmen, die ihre Antwort auf das Ipad vorstellen. Die Stände sind so umlagert, das es fast unmöglich ist, eines der Geräte auszuprobieren.

(Bilder: Audi, Continental)

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Autor(en): Johannes Winterhagen
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