18.02.2011

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Braunschweiger Symposium Hybrid-, Elektrofahrzeuge: Die wichtigen kleinen Schritte

"Die Autohersteller schaffen die Einhaltung der geforderten CO2-Grenzwerte nicht ohne Elektrofahrzeuge", sagte Dr. Rudolf Krebs, auf dem 8. Braunschweiger Symposium Hybrid-, Elektrofahrzeuge und Energiemanagement. Der Generalbevollmächtigte und Leiter Konzern-Elektro-Traktion bei Volkswagen betonte: "Die Welt hat sich komplett verändert und anders als in der Vergangenheit, in der man schon mal E-Fahrzeuge entwickelte, sind die Rahmenbedingungen jetzt unmissverständlich gegeben." Das Ziel ist formuliert, der Weg zum marktfähigen E-Mobil mit geeigneten Geschäftsmodellen, Mobilitäts- und Energiekonzepten für den Netzverbund werden bei VW noch diskutiert. Wichtig sei vorerst, dass man die Systemkosten signifikant reduziere, unter anderem mithilfe von Standards, die nicht nur deutschlandweit sondern international wirken. "Hier ist der VDA mit seinen Arbeitsgruppen auf einem guten Weg", stellte Krebs heraus. Mit der Ausarbeitung und einer möglichen Einigung zu einer normierten Batteriezellengröße übernehme der Verband sogar möglicherweise eine Führungsfunktion. Andere Länder signalisierten, dem VDA-Vorschlag eventuell zu folgen.

Wichtige Detailarbeit und Know-how-Aufbau steht der Automobilbranche bevor. Die Erfolge stellen sich in kleinen Schritten ein, wie die Fachvorträge in Braunschweig deutlich zeigten. Das Große Rad drehen zunächst nur die PR-Strategen und visionären Entwickler, die mit Vorträgen über "fahrende Batterien" wie im BMW Mini E, E-Golf, BMW Active E den derzeitigen Stand der Technik und aus der Not geborene Fahrzeugkonzepte vorstellten. Obwohl Fahrzeuge wie der E-Golf, eines von insgesamt 20 Testfahrzeugen, die Mitorganisator IAV zu Abendevent bereitstellte, beeindruckende Fahreindrücke vermittelte.

"Kleinbuchstabieren" heißt die Devise: So könnte eine der Zusammenfassungen des Braunschweiger Kongresses lauten. "Die seriennahen Entwicklungen von Lithium-Ionen-Akkumulatoren sind mutig und unter anderem in puncto der angeblichen Lebensdauerangaben nicht abgesichert", antwortete Mathias Reichert auf eine Frage aus dem Publikum. Der Akku-Experte forscht mit Prof. Dr. Martin Winter an der Universität Münster und warnt unter anderem vor großvolumigen Energiespeichern und frühen Serienhochläufen. Kleinbuchstabieren ist auch die Devise der Fahrzeugentwickler, die Hybridantriebskonzepte, maximal Range-Extender-Antriebe, favorisieren. Mit vergleichbar zu E-Fahrzeugen kleinen Batteriepaketen tastet man sich hier an die teilelektrifizierten Antriebe heran. Brückentechnologie wird das genannt, obwohl Hybridantriebe zum langfristig angelegten Portfolio der meisten Autokonzerne zählen.

Das Herantasten charakterisierten alle Vorträge in den Sessionen Energiespeicher, Energiemanagement, Antriebskomponenten und Nutzfahrzeuge. Bei Akkumulatoren hingegen gilt es, Grundsätzliches zu verstehen. Was bestimmt das Design einer Batterie: die E/E oder die Chemie? Wie tief müssen Batterieentwickler in die Zellchemie eintauchen? Akasol Engineering hat im Vorfeld seiner Batterieentwicklung mit einem Zellhersteller gemeinsam Zellen konfiguriert. Chemiker und Elektroniker haben hier zusammengearbeitet. Das empfiehlt auch Prof. Winter auf dem Weg zu einer ernstzunehmenden internationalen Position deutscher Unternehmen auf diesem Gebiet.

Möglicherweise besser als beispielsweise japanische Unternehmen schneidet ein derzeit noch laufendes deutsches Forschungsprojekt namens Efa ab, Abkürzung für "Elektrische Komponenten für eine Aktivgetriebe". BMW, die Technische Universität Chemnitz, Infineon, Kemet, Liebherr und Projektleiter ZF haben es unter anderem geschafft, die Leistungselektronik in einem Gehäuse von 1,8 Liter Volumen direkt am Getriebe anzuflanschen. Das wird eine der Erfolgsmeldungen der Nationalen Entwicklungsplattform Elektromobilität sein, deren Schlussbericht im September diesen Jahres erwartet wird.

Nutzfahrzeuge und Pkw haben wenig gemein. Die Entwickler beäugen sich von Ferne und haben scheinbar keine Anknüpfungspunkte. Der Vortrag von Andreas Eglseer wies das zunächst aus. Der Experte von Magna Powertrain hatte bei näherem Nachfragen dann doch etwas für beide Branchen im Gepäck. Ein Mastersteuergerät, das die Funktionen aller ECUs in einem Hybrid-Lkw überwacht und steuert, die mit dem Antrieb und relevanten Abtriebs- und Zusatzkomponenten sinnvoll eingebunden werden. Betrachtet man die enorme Variantenvielfalt im Nutzfahrzeugbereich, so bietet diese Lösung einer effizienten E/E-Architektur zudem Kosteneinsparpotenziale, die auch die Pkw-Entwickler interessieren dürfte.
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Autor(en): Markus Schöttle
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