11.03.2011

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"Automotive Landscape 2025" analysiert den Wandel der Automobilindustrie

Es wird drastische Verschiebung von Produktion und Vertrieb in die asiatischen Märkte geben, 300.000 Arbeitsplätze in Europa sind gefährdet. Kleine und kostengünstige Autos werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Im Jahr 2025 entfallen zehn Prozent des Neufahrzeugabsatzes auf Elektroautos, 40 Prozent auf Hybridfahrzeuge. Dies sind nur einige der Prognosen, die Roland Berger Strategy Consultants äußert. Kürzlich erschienen in der neusten Studie der Unternehmensberatung: "Automotive Landscape 2025".

Geopolitische Veränderungen, demografischer Wandel, Nachhaltigkeit, die Weiterentwicklung von Mobilität und Technologien - das sind fünf Megatrends, die die weltweite Automobilindustrie in den kommenden 15 Jahren grundlegend verändern werden, erklärt die Unternehmensberatung. Daraus resultieren die zehn zentralen Ergebnisse, die die Studie "Automotive Landscape 2025" aufzeigt. Gemeinsam mit der Personalberatung Amrop wurden mehr als 60 hochrangige Vertreter der Automobilindustrie und der mit ihr verbundenen Organisationen befragt.

"Der regionale Schwerpunkt der Industrie wird sich verlagern", erklärt Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und einer der Autoren der Studie. "Die Kerntechnologien im Automotive-Bereich werden sich verändern; neue Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen werden entstehen", fährt er fort. Auch Mitarbeiter müssten neue Anforderungen erfüllen.

Die Studie prognostiziert eine starke Verschiebung des Automotive-Geschäfts in Richtung asiatische Märkte. Davon werden nicht nur die Produktionsstandorte betroffen sein, teilt das Beratungsunternehmen mit, sondern auch der Vertrieb. Denn ein erheblicher Teil der Kunden werde künftig aus Asien stammen und Produkte nachfragen, die auf ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten seien. "Diese Entwicklung gefährdet rund 300.000 Arbeitsplätze in Europa", fügt Bernhart hinzu. Dabei gehe es hauptsächlich um Arbeitsplätze in der Automobilproduktion. Diese Entwicklung werde durch die Schwierigkeit der Automobilindustrie in Europa und den USA beschleunigt, ausreichend qualifizierte Ingenieure und Fachkräfte rekrutieren zu können. Dafür werden die Firmen auf Fachpersonal aus anderen Ländern zurückgreifen müssen, heißt es weiter.

Aufgrund der starken Nachfrage aus Asien wird der Anteil an kleinen und kostengünstigen Fahrzeugen zunehmen, erklärt die Beratungsfirme außerdem. Das Kleinwagensegment werde aber auch in gesättigten Märkten wachsen. Als Folge eines Wertewandels. Mit wachsender Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand werde die Zahl der Autobesitzer bis zum Jahr 2025 weiter steigen. Reife Märkte wie Nordamerika und Europa werden jedoch unter dem globalen Durchschnittswert von einem Prozent Jahreswachstum bleiben, erklärt das Beratungsunternehmen. Doch vor allem in den BRIC-Märkten (Brasilien, Russland, Indien und China) nehme der Wunsch nach individueller Mobilität weiter zu. So sorgen diese Märkte insgesamt für 83 Prozent des künftigen Marktwachstums, heißt es. Allein in China werde die Zahl der Autobesitzer jährlich um 36 Prozent steigen.

Zur gleichen Zeit werden Autos bei der jüngeren Generation an Prestige verlieren. "Ausgehend von einer Entwicklung in den Industrienationen werden sich die Werte radikal ändern. Für jüngere Menschen wird das Auto immer weniger ein Statussymbol darstellen", erläutert Philipp Grosse Kleimann, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Co-Autor der Studie: "In den großen Metropolen wird der Besitz eines eigenen Autos nicht mehr notwendig sein, um von A nach B zu kommen. Es entsteht bereits heute ein Trend zur Demotorisierung." Mobilitäts-Ökosysteme wie beispielsweise Car Sharing werden die Nachfrage nach Autos und anderen Fortbewegungsmitteln optimal bedienen.

Elektroautos gewinnen weltweit an Relevanz: Zwar sorgen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor 2025 immer noch für 50 Prozent des Umsatzes in der Branche, aber bereits zehn Prozent des Neufahrzeugabsatzes entfallen dann auf Elektroautos, 40 Prozent auf Hybridfahrzeuge, teilt das 1967 gegründete Strategieberatungsunternehmen mit. "Der steigende Anteil elektrischer Antriebe wird die aktuelle Wertschöpfungskette des Mobilitätssektors nicht nur für Erstausrüster (OEM) und Zulieferer, sondern auch für Stromversorger und Drittanbieter verändern", betont Wolfgang Bernhart. Doch auch die Möglichkeit, als Fahrer immer online zu sein und portable Endgeräte mit dem Steuerungssystem des Autos zu verbinden, zählt zu den zukünftigen Erfolgsfaktoren: "Konnektivität spielt für die jüngere Generation eine immer wichtigere Rolle - always online, always connected. Dies wird zu einem Zusammenrücken von Automobil- und IT-Industrie führen", fügt Grosse Kleimann hinzu.

Diese Veränderungen erfordern eine Anpassung des Geschäftsmodells der Automobilindustrie: "Die Automotive-Branche wird vielfältige Partnerschaften mit Unternehmen aus anderen Bereichen eingehen, um Zugang zu Technologien und Kunden zu erhalten und sich Skaleneffekte zu sichern", erläutert Marcus Hoffman, Principal bei Roland Berger und Co-Autor der Studie. Bei diesen neuen Geschäftsmodellen werde es nicht allein um den Vertrieb gehen, sondern auch zum Beispiel um die Integration von Hard- und Software in den Fahrzeugen.

Um ein größeres Wachstum und einen leichteren Zugang zu den Ressourcen zu erreichen, werden Unternehmen in der Automobilbranche ihre Strukturen zunehmend dezentral führen, so das Beratungsunternehmen. Statt dessen werde sie sich glo/cal strukturieren - eine Kombination aus globaler Reichweite und der Anpassung an lokale Bedürfnisse und Gesetze. Unter Zulieferern werde die Konsolidierung weiter zunehmen. Gleichzeitig entstehen neue Hersteller - aus der Autoindustrie heraus und von Außen kommend, erklärt das Unternehmen.

Aus den erwarteten Megatrends in der Automotive-Branche haben die Autoren der Studie drei Szenarien für das Jahr 2025 hergeleitet: Zum Ersten prognostiziere das Hightech-Szenario eine starke Entwicklung des Autos in Richtung Konnektivität: Eine permanente Verbindung mit dem Internet und eine personalisierte IT-Schnittstelle ermöglichen dem Fahrer, zahlreiche zusätzliche Funktionen zu nutzen und mehr Komfort beim Fahren zu erreichen. Zweitens sehe das Sparszenario eine Welt vor, in der die Kaufkraft der Kunden aufgrund des Steuerdrucks, der steigenden Inflation sowie des geringen Einkommenswachstums stark beeinträchtigt ist. Autos sind weniger erschwinglich und die Ausgaben für Fahrzeuge konkurrieren mit weiteren wichtigen Ausgaben. Das Nachhaltigkeitsszenario beschreibt drittens eine Welt, in der das Verbraucherverhalten stark durch Vorschriften, Gesetze und Steuern, aber auch durch Bewertungen über umweltfreundliche Automodelle beeinflusst wird.

Unabhängig davon, welches Szenario tatsächlich eintreffen wird, müssen die Hersteller in den kommenden Jahren offen und flexibel bleiben, mahnt die Unternehmensberatung. Bernhard betont: "Die Unternehmen müssen sich jetzt den Chancen und Herausforderungen stellen, damit sie ihre Zukunft profitabel gestalten können".

(Bild: Daimler)
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Autor(en): Katrin Pudenz
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