10.05.2011

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
BOOKMARK
RSS-Feed
NEWSLETTER

UDE: Großprojekt mit ersten Ergebnissen - Elektroautos alltagstauglich

Zwischenbilanz des Großprojekts Cologn-E-Mobil: "Elektromobilität wäre für Großstädte schon heute machbar und auch sinnvoll!", bewertet Projektsprecher Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen (UDE) die erzielten Erkenntnisse. Seit dem Jahr 2010 läuft das Projekt in Köln. "Die intensiven Forschungsarbeiten an 15 Lehrstühlen der UDE haben bisher gezeigt, dass viele Bedenken, etwa zu Reichweite, Kosten, Energieverbrauch oder Überlastung des Stromnetzes, beim Einsatz von Elektroautos in Großstädten unbegründet sind", erklärt der Projektsprecher. Noch bis Herbst dieses Jahres erforschen mehr als 50 Wissenschaftler der Hochschule gemeinsam mit dem Automobilhersteller Ford, dem Energieversorger Rhein Energie und der Stadt Köln, ob batteriebetriebene Fahrzeuge für eine Metropole Sinn machen.

Detaillierte Verkehrsanalysen, reale Tests sowie Simulationen mit Echtdaten, bei denen hochgerechnet am Tag 33.370 Elektroautos virtuell durch die Straßen der Domstadt fuhren (das entspricht zehn Prozent des gesamten Kölner Pkw-Aufkommens), haben wichtige Erkenntnisse gebracht, berichtet die UDE. Und zwar legt das Elektroauto durchschnittlich 30 Kilometer zurück. Etwas drei Fahrten werden gemacht. Die Batterieladung (20 Kilowattstunden) reicht dabei für vier Tage. "Das genügt für den Stadtverkehr, zumal die Lithium-Ionen-Batterien, die derzeit in Fahrzeugen verbaut werden, schon 25 Kilowattstunden speichern können", erläutert Professor Dr. Dieter Schramm, der an seinem Mechatronik-Lehrstuhl den Fahrsimluator für das Großprojekt betreibt.

Auch in anderen Punkten sind die E-Autos alltags- und großstadttauglich, haben die Forschungen laut UDE ergeben: Eine zusätzliche kostspielige Infrastruktur sei nicht nötig. Im Projekt bekommen die Pkw über die normalen Haushaltssteckdosen am Arbeitsplatz und am Wohnstandort Energie. Weitere Stationen seien nicht nötig. Ebenso müsse das bestehende Stromnetz nicht ausgebaut werden. Aufgeladen werde überwiegend mit Nachtstrom. Auch belaste das, was die E-Mobile tanken, nicht großartig das Netz. "33.370 Fahrzeuge benötigen im Jahr 56.575 Megawattstunden, das sind 3,2 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aller Privathaushalte in Köln", erklärt Professor Dr. Jörg Schönharting, Experte für Verkehrsbau und Verkehrswesen. Auch dem Klima tue der alternative Antrieb gut: "Je nach Fahrsituation sinken die CO2-Emissionen in der Stadt zwischen 35 und 70 Prozent."

Auch können die Wissenschaftler laut UDE mit einem Vorurteil aufräumen: Der Ausstieg aus der Atomenergie soll ohne Folgen für die Elektromobilität bleiben. Zu gering sei der Stromverbrauch, als dass die Kosten sich spürbar erhöhten. Projektsprecher Dudenhöffer macht das an einer Rechnung deutlich: "Legt man 24 Cent pro Kilowatt zugrunde und eine Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometer, liegen die Stromkosten für ein E-Mobil der Kompaktklasse bei 622 Euro. Bei Nachtstrom tankt man sogar deutlich darunter." Ein vergleichbares Fahrzeug mit Ottomotor hätte bei 1,50 Euro pro Liter Kraftstoff mehr als zweieinhalb Mal so hohe Kosten, genauso genommen 1597 Euro. "Selbst wenn die Strompreise um 25 Prozent stiegen, bliebe die jährliche Ladung fürs Elektroauto immer noch halb so teuer. Und dabei ist nicht einmal berücksichtigt, dass die Benzinpreise ständig klettern", betont er.

Für das Projekt, das noch bis Herbst diesen Jahres läuft, erhalten die Beteiligten Mittel vom Bundesverkehrsministerium. Im Rahmen der Forschung kommt eine Flotte aus elektrifizierten Transit- und Focus-Modellen des am Projekt beteiligten Automobilherstellers zum Einsatz. Seit der ersten Projektphase fahren zehn batterieelektrische Transit-BEV-Nutzfahrzeugen (BEV = Battery Electric Vehicle)durch die Stadt. Sie werden als Liefer- und Verteilerfahrzeuge eingesetzt. In der zweiten Projektphase, sie hat die Anfang dieses Jahres begonnen, werden sukzessive weitere 15 batterieelektrische Fahrzeuge hingenommen. Darunter sind zehn weitere Transit BEV. Fünf Ford Focus BEV werden über den Sommer die Flotte vervollständigen.

Der Ford Transit BEV nutzt einen 40 Kilowattstunden starken Lithium-Ionen-Batterie-Pack. Dieser Speicher speist einen 90-Kilowatt-Induktionsmotor, der sein Drehmoment via Eingang-Getriebe direkt auf die Hinterachse überträgt. Das Fahrzeug hat eine Reichweite von maximal 160 Kilometer pro Batterieladung und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, gibt der Automobilhersteller an. Zum Aufladen der Batterien kann der Stromer prinzipiell an jede 230-Volt-Steckdose angeschlossen werden. Ein kompletter Ladevorgang dauert je nach Anschlussleistung der Ladestation zwischen sechs und acht Stunden. Der Focus Electric verfügt ebenfalls über Lithium-Ionen-Batterien, mit einer Kapazität von 23 Kilowattstunden. Der vollständige Ladezyklus an einer Haushaltssteckdose ist laut Unternehmen nach drei bis vier Stunden abgeschlossen. Der Wagen soll bis zu 136 km/h schnell fahren können. Das Elektroaggregat des Fahrzeugs ist an ein Eingang-Getriebe gekoppelt.

Wesentliche Forschungsergebnisse zur Elektromobilität und zum Großprojekt hat die Universität in ihrer Publikationsreihe Unikate (Heft 39) veröffentlicht.
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Katrin Pudenz
   mehr Beiträge vom 10.05.2011:
» Nachrichten:

start
DOSSIERS ZUM THEMA
Karosserie und Leichtbau Hand in Hand
Karosserie und Leichtbau Hand in Hand 30.04.2012 - Konstruktiver und werkstofflicher Leichtbau erhalten durch die steigenden Kraftstoffpreise und die anhaltende Klimadiskussion einen neuen Schub. Da sich das Konstruktionsprinzip eines intelligenten Werkstoffmixes durchgesetzt hat, buhlen zahlreiche Lösungen um ihren... » mehr
Downsizing: Motoren mit kleinem Hubraum (16.04.2012)

Hybrid: Hybridantriebe mit weniger Emissionen (12.03.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
FACHARTIKEL ZUM THEMA
Virtuelle Entwicklung von Steuergerätefunktionen für vollvariable Ventiltriebe
Virtuelle Entwicklung von Steuergerätefunktionen für vollvariable Ventiltriebe 11.05.2012 - Der modellbasierte Test realer Systeme in Hardware-in-the-Loop-Simulationen hat sich bei der Funktionsentwicklung für Verbrennungsmotor-Steuergeräte als Standard durchgesetzt. Am Beispiel einer Regelung für einen vollvariablen Ventiltrieb beschreibt dieser Bericht... » mehr
Einspritzung: Simulationsmethode für den Dieselkraftstoffeintrag ins Motoröl (11.05.2012)

Karosserie: Integration der B-Säule in die Seitentüren des Ford B-Max (27.04.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
WHITEPAPER ZUM THEMA
1D-Simulationsmethoden im KFZ-Wärmemanagement
1D-Simulationsmethoden im KFZ-Wärmemanagement 12.01.2010 - Immer schärfere CO2-Regelungen und die aktuelle Wirtschaftslage erfordern eine schnelle und kostengünstige Umsetzung konkreter Effizienzmaßnahmen. Hierbei spielt das Wärmemanage-ment eine zunehmend wichtige Rolle. » mehr
Mechatronik: Das Ganze ist mehr als die Summe aller Teile – Einheitliche Simulationsumgebung für mechatronische Komplettsysteme (07.12.2009)

AVL FIRE Engine: AVL FIRE Engine (29.08.2007)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
INTERVIEWS ZUM THEMA
"Neue Freiheitsgrade beim Downsizing"
"Neue Freiheitsgrade beim Downsizing" 15.05.2012 - Biokraftstoffe werden vorrangig unter dem Aspekt der CO2-Einsparung bei ihrer Herstellung diskutiert. Zudem können sie einen signifikanten Beitrag zu einer effektiveren Verbrennung im Motor leisten. Über die Wechselwirkung von Ethanol und anderen Biokraftstoffen mit... » mehr
Produktivität: "Kern des Übels sind Band und Takt " (19.03.2012)

Hybrid: "Unsere Hybridstrategie unterliegt evolutionären Schritten" (12.03.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
WebTV ZUM THEMA
Genf 2011: Einblicke
Genf 2011: Einblicke 04.03.2011 - Einen Eindruck davon, wie das in Genf Gesehene diskutiert wird, liefert der Internationale Frühschoppen, durch den Guido Marschall von automanager.TV am Edag-Stand geführt hat. Themen wie das Design der vorgestellten Fahrzeuge, sowie Leichtbau, Elektromobilität oder... » mehr
Elring Klinger (16.04.2007)

start
NACHRICHTEN ZUM THEMA
Jörg Grotendorst wird CEO bei Siemens "Inside e-Car"
Jörg Grotendorst wird CEO bei Siemens "Inside e-Car" 23.05.2012 - Jörg Grotendorst wird am 1. Juni 2012 die Geschäftsleitung der Siemens-Geschäftseinheit "Inside e-Car" mit Sitz in Erlangen übernehmen. Diese bietet Komponenten und Systeme für den elektrischen Antriebsstrang in Pkw an. Grotendorst übernimmt damit die Leitung von... » mehr
Verbrennungsanalyse: Einfache Verbrennungsanalyse mittels App (23.05.2012)

Sciherheit: Der Airbag verlässt den Innenraum (23.05.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
FIRMEN ZUM THEMA
IAV GmbH
IAV GmbH
D 10587 Berlin

TESIS DYNAware Technische Simulation Dynamischer Systeme GmbH
(D 81379 München)

AFT Atlas Fahrzeugtechnik GmbH
(D 58791 Werdohl)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
BÜCHER ZUM THEMA
Grundlagen Verbrennungsmotoren
Grundlagen Verbrennungsmotoren 17.01.2012 - Funktionsweise, Simulation, Messtechnik Ohne Simulation von Verbrennungsprozessen keine kraftstoffsparenden Motoren Das Buch spannt einen Bogen von einfachen thermodynamischen Grundlagen des Verbrennungsmotors hin zu komplexen... » mehr
Antriebstechnik: Hydraulik (08.11.2011)

EMV: EMV (03.11.2011)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
 
start
PREMIUM PARTNER
start
LOGIN FACHARTIKEL-ARCHIV
 
start
NEUES THEMENDOSSIER ONLINE
Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft

ThemendossierMit den Online-Themendossiers für automobile Ingenieure greift ATZonline Titelstrecken der Fachmagazine der ATZ-Familie auf und erweitert sie um aktuelle Nachrichten, Fachbeiträge und Interviews aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung beim Hersteller & Zulieferer zum Thema Auto und Technik.

Aktuell: Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft
start
LESEPROBE KOSTENLOS ONLINE BLÄTTERN

Lesen Sie hochaktuelle Beiträge zu den Themen Auto & Technik auf technisch wissenschaftlichem Niveau aus Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Produktion der Automobilindustrie.

» ATZ: Seit 1898 in der Automobilindustrie die Zeitschrift für Auto & Technik

» MTZ: In der Auto-Motor-Entwicklung die Zeitschrift für Ingenieure

» ATZelektronik: Die Auto-Zeitschrift für Elektronik & Elektrotechnik

» ATZproduktion: Die Technik-Zeitschrift für die Automobilindustrie-Produktion
start
NEWSLETTER
Mit dem Newsletter erhalten Sie zwei Mal in der Woche aktuelle News, Berichte, Events und Interviews aus der Automobiltechnik und Automobilentwicklung. Natürlich kostenlos!

Exklusiv für Newsletter-Abonnenten:
regelmäßig kostenlose Fachartikel

  
start
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE
Das Wissen der Experten:
Qualitätsgeprüft. 25.000 Stichwörter. Kostenlos.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen
start
KOOPERATIONEN
eCarTecElektro-Mobil Kongress
 
RSS Home Springer Automotive Media Mediadaten AGB/Datenschutz Impressum Kontakt

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012